Interviews

Sie ist die erste Frau, in dieser Position: Austrian Business Woman sprach mit Anna Parr, die als Generalsekretärin die Geschäfte der Caritas Österreich übernommen hat.

 

Bitte schildern Sie uns kurz Ihren bisherigen Werdegang?

Ich bin seit fast 22 Jahren beruflich im Gesundheits- und Sozialbereich tätig. Über sieben Jahre lang war ich Mitglied der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe, einem der größten privaten Träger von gemeinnützigen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in Österreich. In dieser Funktion war ich für die Angebote in den Bereichen Rehabilitation, Pflege und ambulante Dienste verantwortlich. 

Zuletzt war ich Geschäftsführerin in zwei Unternehmen, unter anderem kardiologisches Reha-Zentrum, Ambulatorium für Menschen mit Essstörungen und verantwortlich für den gesamten Ausbau ambulanter Rehabilitationsangebote. Davor war ich unter anderem Verwaltungsdirektorin im Krankenhaus Göttlicher Heiland (Wien) und Geschäftsführerin der Pflegehäuser (Wien, Niederösterreich).

Die Geschäftsführerin der Wien Holding blickt im ABW-Interview auf ein bewegtes Jahr zurück und appelliert in diesen schwierigen Zeiten zusammenzuhalten.

 

Ihr Blick zurück auf das Jahr 2020: Gab es – trotz Corona – auch Grund zur Freude?

Die Corona-Krise war und ist natürlich auch in den rund 75 Unternehmen der Wien Holding spürbar. Aber es hat trotzdem auch Grund zur Freude gegeben. Wir konnten in diesem Jahr wieder mehrere Wiener Schulen – unter anderem in der Novaragasse, der Carlbergergasse, der Grundäckergasse und an der Erlaaer Schleife – eröffnen, die von unserem Unternehmen WIP realisiert wurden.

In Neu Leopoldau wurden weitere Wohnbauten fertig gestellt und mit dem neuen Quartierzentrum das erste denkmalgeschützte Gebäude am Areal saniert. Die ARWAG und GESIBA konnten zahlreiche Bauten fertigstellen und in der Therme Wien wurde in Kooperation mit Wien Energie ein Projekt zur Fernwärmegewinnung gestartet.

Sind Sie zufrieden mit den bisher getroffenen Maßnahmen der Regierung? 

Die Zahlen zeigen, dass die Einschränkung der sozialen Kontakte, die Abstandsregeln und Hygienevorschriften dazu beitragen, den Anstieg der Infizierungen abzuflachen. Die Maßnahmen der Regierung zeigen also Wirkung. In dieser, für uns alle neuen, Situation ist es wichtiger denn je, aufeinander zu achten und Rücksicht zu nehmen. Daher unterstützen wir die Maßnahmen unserer Bundesregierung. 

Die Generaldirektorin des Wiener Gesundheitsverbundes im ABW-Interview über die neuen Corona-Maßnahmen für den Winter und warum die Grippeimpfung und Disziplin jetzt besonders wichtig sind.  

 

Der Wiener Gesundheitsverbund hat die Corona-Krise bisher sehr gut gemeistert. Was ist das Erfolgsrezept?

Wir haben als wichtigstes Gesundheitsunternehmen der Stadt Wien in der ersten Phase der COVID-19-Pandemie unsere Leistungsfähigkeit besonders unter Beweis stellen können. Wir mussten auf vielen Ebenen hart dafür arbeiten. Ganz grundsätzlich kann man sagen, dass wir uns sehr gut vorbereitet haben. 

Bereits im Jänner haben wir sehr besorgt auf die Entwicklungen in Asien geschaut. Und wir haben damit gerechnet, dass uns früher oder später auch hier in Europa das Virus erreichen wird. Ab diesem Zeitpunkt haben wir Strukturen und Prozesse aufgesetzt, uns mit Schutzausrüstung und Medikamenten eingedeckt, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Pandemie vorbereitet. Es ist immer eine große Herausforderung, wenn man es mit einer völlig neuen Erkrankung zu tun bekommt. In Summe haben wir in dieser ersten Pandemiephase unseren Job gut gemacht. Aber die Pandemie ist noch lange nicht überstanden und wird uns weiterhin fordern

Die kommenden kalten Monate in Kombination mit Corona sorgen für Verunsicherung, wie hat sich der Wienere Gesundheitsverbund darauf vorbereitet?

Wir haben die leichte Entspannung im Sommer dazu genutzt, unsere Erfahrungen der ersten Pandemie-Phase gründlich zu analysieren. Auf Basis dieser Analyse haben wir einen neuen COVID-Versorgungsplan aufgelegt, der uns dabei helfen wird, in den kommenden Monaten noch besser durch die Krise zu kommen. 

Zentrales Ziel des Plans ist es, nicht mehr so stark in unseren Normalbetrieb eingreifen zu müssen, um COVID-Patienten versorgen zu können. Um das zu erreichen, arbeiten wir bereits jetzt eng mit den Wiener Ordensspitälern und einigen Wiener Privatspitälern zusammen. Sie sprechen eine Herausforderung an, vor der wir in der kalten Jahreszeit stehen. 

Die Niederösterreich Bahnen-Geschäftsführerin Barbara Komarek spricht im ABW-Interview über das Geschäftsjahr 2020, Highlights des Sommers und warum Mut in Zeiten wie diesen besonders wichtig ist.

 

Wir alle sind in sämtlichen Lebensbereichen mit einer völlig neuen und bis März 2020 unvorstellbaren Situation konfrontiert worden“, sagt Barbara Komarek. Rasches, überlegtes und agiles Handeln sei das Gebot der Stunde gewesen – im beruflichen wie im privaten Bereich. Die Managerin weiß: Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in die Werte des Unternehmens und der gesamten Belegschaft ist Garant für das sichere Navigieren in diesen unsicheren Zeiten.

Urlaub in der Region boomte

Die Corona Kurzarbeit habe es dem Unternehmen ermöglicht, das Geschäftsjahr 2020 aus heutiger Sicht und in der Branche – Eisenbahn/Seilbahn/Tourismus – mit einem „blauen Auge“ zu überstehen. Und das, obwohl die Rückgänge schmerzlich waren: „Als kritische Infrastruktur Eisenbahn waren wir auch während des Lockdowns im öffentlichen Verkehr unterwegs. Die Fahrgastrückgänge in den Monaten März bis Mai betrugen in diesem Bereich bis zu 90 Prozent. Bei den touristischen Bahnen war der Saisonstart mit 4. Juli natürlich verspätet und der Totalausfall des Frühjahrs nicht mehr aufzuholen. Mit den Fahrgastzahlen im Sommer und Herbst sind wir angesichts der Platzkontingentierungen in unseren Zügen aber trotzdem zufrieden. Bei den Seilbahnen haben wir im Sommer einen regelrechten Ansturm erlebt: Der Urlaub zuhause in der Region und das Erlebnis vor der eigenen Haustüre waren besonders nachgefragt“, so Komarek

Als Mutter von zwei kleinen Kindern weiß die Landtagsabgeordnete was es heißt, Job, Haushalt und Kinderbetreuung in Krisenzeiten zu meistern. 

 

Eine meiner größten Sorgen gilt den Kindern. Kinder haben keine Lobby oder Interessensvertretung und erst seit kurzem wird untersucht, wie Kinder die Situation des Lockdowns erlebt haben. Während es für uns Erwachsene mit rationalem Denken möglich ist nachzuvollziehen, warum wir diese Einschränkungen mittragen, so ist es doch für die Kleinsten sehr schwer, da sie aus ihrer normalen Umgebung, sei es in der Kinderbetreuungseinrichtung, bei den Tageseltern oder in der Schule, gerissen wurden“, sagt Lara Köck. 

Abhängigkeit von globalen Playern 

Die größte Herausforderung sei ihres Erachtens, die große Arbeitslosigkeit auch in der Steiermark wirksam zu bekämpfen. Die Wirtschaft wieder anzukurbeln, dass alles möglichst unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und auch mit dem notwendigen Systemwandel werde eine Herkulesaufgabe. „Wir dürfen dabei nicht außer Acht lassen, dass unsere Abhängigkeit von anderen globalen Playern und auch von fossilen Energieträgern unsere Situation nicht verbessert hat. Unsere Gesellschaft und Wirtschaft auf neuen zukunftsfähigen Säulen zu bauen, wird die größte Herausforderung“, so die Abgeordnete.

Wir müssen jetzt unsere Freiheitsrechte schützen, fordert die NEOS-Landessprecherin im ABW-Interview.

 

Mir geht es in erster Linie um die Frage, wie wir diese Krise gut meistern können, ohne dafür unsere Grund- und Freiheitsrechte zu opfern. In Krisenzeiten zeigt sich mehr denn je, dass wir unsere Freiheit mit aller Kraft vor autoritären Tendenzen schützen müssen. Für Niederösterreich wird es zudem eine finanziell unsichere Zeit. Leider hat die Landesregierung keinen Finanzpolster aufgebaut, sondern Jahr für Jahr mehr ausgegeben als geplant – und zwar ohne Not, ohne Krise und ohne Disziplin“, sagt Indra Collini

Als Mutter mache sie sich um die Chancen der Kinder Sorgen. „Was ich nicht will ist, die Jüngsten der Gesellschaft zurückzulassen. Das passiert aber, weil die Bildungspolitik der letzten Jahre viel versäumt hat und diese Versäumnisse in der Krise sichtbar geworden sind. Gerade Kinder aus sozial und ökonomisch benachteiligten Familien trifft die Situation besonders hart. Und meine zweite Sorge ist die Wirtschaft. Wenn wir hier nicht mit Köpfchen hochfahren, hat das gravierende Auswirkungen auf unsere Betriebe und Arbeitsplätze und damit auf Wohlstand, Zusammenhalt und Sozialsystem. Was die Regierung nicht begriffen hat ist, dass es in der Zwischenzeit nicht mehr nur um die Gesundheit, sondern um alles geht“, so die Landtagsabgeordnete.  

Familien und Kultur liegen der NÖ Landtagsabgeordneten und Badener Vizebürgermeisterin besonders am Herzen. Zwei Bereiche, die jetzt besonders dringend Unterstützung benötigen.

 

Ihre größte Sorge nach der Krise? 
Dass die alleinregierende ÖVP mit Projekten wie 3. Piste am Flughafen Schwechat, Schnell- und Autobahnen die Klimakrise durch fossile Wirtschaft verstärkt, statt jetzt ein Öko-Wirtschafswunder zu starten. Wir dürfen nach Corona nicht in denselben Trott zurückfallen, sondern müssen die Achtsamkeit der Umwelt und der Familie in den Vordergrund stellen. Wir brauchen das geplante Geld der Waldviertelautobahn und 3. Piste mehr denn je für die niederösterreichischen Familien, damit sie auch Urlaub in Österreich machen können. 

Welche Ziele sollten wir nach der Krise anvisieren? 
Die Transformation hin zu einer verstärkt regionalen, ökologischeren Wirtschaft in einer digitalen Zeit zu schaffen.

Im März 2020 wurde ihr Vertrag – im Sinne der Stabilität in Krisenzeiten – für ein weiteres Jahr verlängert. ABW sprach mit der Geschäftsführerin des Filmfonds Wien über die größten Herausforderungen der Branche.

 

Wie hoch beziffern Sie den Schaden für die heimische Filmbranche durch die Corona-Krise?

Der Schaden wird voraussichtlich im zweistelligen Millionenbereich sein. Jedoch solange nicht klar ist, ab wann wieder gedreht werden kann und was die „neuen“ Drehbedingungen sein werden, lässt sich keine endgültige Summe nennen.

Gibt es spezielle Strategien zur Positionierung des heimischen Films nach Corona? Gab/gibt es spezielle Hilfen seitens des FFW für Filmemacher?

Um möglichst wieder in Produktion zu kommen, werden aktuell heimische Projekte vorgereiht. Diese können schneller verfilmt werden als internationale Koproduktionen und sorgen daher für eine Wiederaufnahme der Beschäftigung. Wie sich die Krise auf das Kinobesucherverhalten auswirkt, lässt sich noch nicht sagen. Es besteht natürlich die Gefahr, dass Menschen sich an das ausschließliche Streaming gewöhnt haben und sich nicht so schnell ins Kino trauen. Jedenfalls ist mit einer Zunahme von Produktion für Streamingdienste zu rechnen. Aktuell haben wir noch kein Sonderbudget, um Mehrkosten, die die Krise verursacht, abzudecken.

Die Dritte Präsidentin des OÖ Landtags über die hohe Arbeitslosigkeit, Direkthilfe für Betroffene und einen Mindestlohn für Frauen in systemerhaltenden Berufen.

 

Welche Folgen der Corona-Krise fürchten Sie am meisten für Ihr Bundesland? 

Ich erwarte mir, dass der wirtschaftliche Aufschwung auf sich warten lässt und die Arbeitslosigkeit noch länger hoch bleibt oder gar weiter ansteigt.

In welchen Bereichen sehen Sie die größten Herausforderungen?

Für die abrupt arbeitslos gewordenen Menschen muss noch mehr getan werden, etwa durch eine Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld von 70% anstatt 55%. Viele haben finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen. Durch das Schrumpfen der Wirtschaft kommen auch die öffentlichen Haushalte, insbesondere die der Gemeinden unter Druck. Die Gemeinden sind am nächsten am Bürger dran; sie stellen die Daseinsversorgung und sorgen für Lebensqualität. Sie sind aber stark von den an der Anzahl der Beschäftigten bemessenen Kommunalsteuern abhängig.

Austrian Business Woman im Gespräch mit Kärntens Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Gaby Schaunig.

 

Wer Hypo Alpe Adria sagt, denkt dabei unwillkürlich an Kärnten, an Millionen-Verluste und Verstaatlichung. Doch Österreichs südlichstes Bundesland war auf einem sehr guten Weg, punktete sogar mit hohem Wirtschaftswachstum – bis das Corona-Virus kam. Dennoch wird es wieder aufwärts gehen, davon ist Kärntens Landeshauptmann-Stellvertreterin überzeugt.

Die Corona-Krise hat auch Österreichs Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Wie beschreiben Sie die Lage in Kärnten?

Dem Bundesland Kärnten ist in den Jahren seit der Bereinigung der HETA-Haftungsbedrohung eine beispiellose Aufholjagd gelungen mit dem mitunter höchsten Wirtschaftswachstum aller Bundesländer, einem stetigen Rückgang der Arbeitslosigkeit, aufsehenerregenden Betriebsansiedelungen und dem Aufbau neuer Forschungseinrichtungen. Auch heuer schien Kärnten, so die Prognosen zu Jahresbeginn, von der allgemeinen Konjunktureintrübung weniger betroffen als andere Bundesländer. Und dann kam Corona.

Wir sind noch mitten in der Schockphase, aber klar ist heute schon, dass der Arbeitsmarkt nachhaltig erschüttert ist und bestimmte Branchen – Tourismus, Gastronomie, Kulturschaffende, der Kreativ-Bereich, kleine Ladenbesitzer, Ein-Personen-Dienstleister und viele mehr – in Existenznöte geraten. Gleichzeitig ist Kärnten ein exportorientiertes Industrieland, das von Verwerfungen an den internationalen Märkten stark getroffen wird. Wichtige Handelspartner wie etwa Italien brechen komplett weg. Aber trotzdem fürchte ich mich nicht. Furcht wäre jetzt ein ganz schlechter Ratgeber. Um noch einmal auf die HETA-Bedrohung zurückzukommen, wage ich zu behaupten: Krise können wir.

Wir beginnen nicht bei null. Wir haben die Werkzeuge, die Partner, die Maßnahmen, das Know-how. Wir sind auch in den vergangenen Jahren nicht in das Rennen um die Nulldefizit-Schlagzeile eingestiegen, sondern haben vielmehr die niedrige Zinslandschaft genutzt, um Geld nachhaltig zu investieren – in Infrastruktur, in Bildung, in Gesundheit und Pflege. Wir werden diesen Kurs nun nicht nur fortsetzen, sondern noch verstärken. 

Auf welchen Bereichen liegt Ihr besonderer Fokus?

Arbeitsmarkt und Soziales. Die erhöhte Arbeitslosigkeit wird uns über einen längeren Zeitraum begleiten und dies wird zu einem Anstieg der Armutsgefährdung führen. Hier müssen wir alle gemeinsam – allen voran der Bund – massiv gegensteuern. Ich spreche mich für eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes aus, da die derzeitige Nettoersatzrate von 55 Prozent zu niedrig ist.

Gleichzeitig müssen wir die Menschen auf ihrem Weg zurück in die Erwerbsarbeit unterstützen – eventuell auch mit Umschulungen in andere Bereiche. In Kärnten werden wir gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice Stiftungsmaßnahmen deutlich ausweiten, um insbesondere arbeitssuchenden Menschen mit Vermittlungshemmnissen beizustehen. Unser zweiter Fokus wird auf dem Bereich der Lehrausbildung liegen. Wir rechnen in einigen Branchen, etwa der Gastronomie, mit einem eklatanten Lehrstellenmangel. Diesen wollen wir mit der überbetrieblichen Lehrausbildung abfedern. Unser Ziel ist es, dass im Herbst jede und jeder Jugendliche in Kärnten einen Bildungs-, Ausbildungs- oder Maßnahmenplatz hat. 

Die heimische Wirtschaft wird mit finanziellen Mitteln von Bund und Ländern gestützt. Sind die Kärntner Betrieb zufrieden mit den Massnahmen?

Es ist richtig, dass Geld in die Hand genommen wird. Dort, wo es in der Umsetzung gehakt hat – etwa bei den Garantieerfordernissen für Kredite – hörte der Bund mitunter auch auf die Verbesserungsvorschläge der Länder. Wir hören aber von sehr, sehr vielen Unternehmerinnen und Unternehmern, dass bei ihnen keine Unterstützungen ankommen. Dazu zählen etwa Betriebe, die in den Vorjahren viel investiert haben, Betriebe, die gerade ein Sanierungsverfahren abwickeln, Betriebe, die erst vor kurzem gegründet worden sind.  Der Zugang zum Fixkostenzuschuss muss unbürokratischer werden, mit weniger Einschränkungen. Und dann warte ich natürlich auf die Präsentation des großen Arbeitsmarktpakets der Regierung. 

Bitte beschreiben Sie kurz, wie Sie die vergangenen Wochen persönlich erlebt haben?

Ich war über einen Zeitraum von vier Wochen vorwiegend im Home Office – am Telefon, am Laptop, in Videokonferenzen, zu jeder Zeit in enger Abstimmung mit meinen Regierungskolleginnen und -kollegen und bestens unterstützt von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Büro wurde personell auf Minimalbetrieb heruntergefahren. Beim Bearbeiten von Akten oder dem Verfassen von Schriftstücken waren die Arbeitsabläufe nicht so viel anders als sonst, aber ein ganz großer Bereich meiner Tätigkeit fiel komplett weg: die direkten Kontakte mit den Menschen. Ich freue mich sehr darauf, wenn dies eines Tages wieder möglich sein wird.  

Frauen sind von der Krise besonders betroffen. Was raten Sie ihnen?

Die Krise hat einmal mehr deutlich gezeigt, was oft leider in den Hintergrund tritt: dass Frauen die überwiegende Mehrheit der Care-Arbeit schultern, und zwar sowohl der bezahlten als auch der unbezahlten. Sie versorgen ihre Familie, ihren Haushalt und ältere Angehörige; im Job kommt die Versorgung von Kunden, von Pflegebedürftigen oder von Kranken dazu.

Im Lockdown wurden sie auch noch zu Systemerhalterinnen, Lehrerinnen, Spielkameradinnen, Brotbäckerinnen, Fitnesstrainerinnen, Masken-Näherinnen, Risikogruppenbeschützerinnen… Und wofür? Für ein paar Runden Applaus und die Versicherung, dass es ja eh „keine Schande“ ist, wenn man sich mal überfordert fühlt und Kinderbetreuung in Anspruch nehmen möchte. Unsere strikte Trennung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit ist nicht mehr zeitgemäß, das hat diese Krise überdeutlich gezeigt. Für mich ist nun der Zeitpunkt gekommen, um über Grundeinkommensmodelle, wie sie jetzt teilweise schon umgesetzt werden, nachhaltig zu diskutieren.  

Foto: Gernot Gleiss

 

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Die Präsidentin des Salzburger Landtags weiß um die vielfältigen Herausforderungen der Wirtschaft Bescheid und ist davon überzeugt, dass es jetzt insbesondere auf die Frauen ankommt.

 

"Ich war oft sehr einsam in meinem Büro, da natürlich auch bei mir und in der Landtagsdirektion, soweit als möglich, Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet waren“, erinnert sich Dr. Brigitta Pallauf an die Zeit während des Lockdowns.Ungewohnt seien auch die vielen freien Abende und Wochenenden gewesen. „Kontakthalten und der Austausch verlagerten sich auf Telefon und Video, was grundsätzlich funktionierte, aber den persönlichen Kontakt für mich niemals ersetzen kann. Das Beste aus allen Welten – virtuell und real – wird die Zukunft unserer Arbeit bestimmen“, ist die Landtagspräsidentin überzeugt.

Herausforderungen müssen angenommen werden

Natürlich seien die Herausforderungen groß und niemand könne im Moment die Folgen richtig einschätzen. „Sicher ist, dass wir in vielen Bereichen Gewohntes über Bord werfen und neue Wege gehen müssen. Darin kann auch ein Neubeginn liegen. Wichtig ist, dass wir auf die regionale Wirtschaft schauen und hier verstärkt Ressourcen einsetzen. Das beginnt bei der öffentlichen Hand, aber auch bei jedem Einzelnen. Salzburg ist ein Dienstleistungsland und die Folgen sind für den Tourismus schwerwiegend.

Obwohl sie die Corona-Maßnahmen für eine Zumutung hält, ist sie mit der Arbeit der Regierung zufrieden. Nun gehe es darum, sich mit den Auswirkungen der Krise und grundlegenden Veränderungen auseinanderzusetzen.

 

Meine größte Sorge ist, dass wir aus der Krise nicht genügend lernen. Dass wir Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, nicht in unser zukünftiges Tun ausreichend einfließen lassen. Die Bewältigung der Krise hat uns alle in unseren Grund- und Freiheitsrechten beeinträchtigt und bereits bestehende Unterschiede in der Gesellschaft verschärft. Es ist Gebot der Stunde, dass wir unsere Schlüsse aus diesen Ereignissen ziehen, danach handeln und achtsam bleiben“, sagt Ingrid Felipe Saint Hilaire

Nachdem die Gesundheitskrise bis hierher erfolgreich gemanagt wurde, müssten nun die Auswirkungen ernsthaft und grundlegend angegangen werden. Die Regionalisierung der Wirtschaftskreisläufe zur Verringerung von globalen Abhängigkeiten sei genauso eine Aufgabe der Zukunft wie ein globales Begreifen und Wahrnehmen von weltweit Auftretenden gesellschaftlichen Herausforderungen wie eine Pandemie, der Klimawandel oder auch soziale Gerechtigkeit. Diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, sei die Aufgabe von verantwortungsvoller Politik. 

Die Bundesministerin für EU und Verfassung im ABW-Interview über Grenzöffnungen, die heurige Urlaubssaison und warum es so wichtig ist, die Europäische Union unabhängiger zu machen.

 

Ist absehbar, wann Reisen wieder möglich sein wird? Und wenn ja, in welcher Form?

Österreich ist sehr erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus. Wir haben durch die Maßnahmen der Bundesregierung derzeit eine sehr geringe Zahl an Neuerkrankungen. Diese Erfolge erlauben uns, unser Gesellschaftsleben schrittweise wieder hochzufahren. Österreich ist in Europa Vorreiter in dieser Debatte. Seit Wochen weisen wir darauf hin, dass wir Perspektiven bei der Grenzöffnung schaffen müssen.

Geschlossene Grenzen können kein Dauerzustand sein. Es ist erfreulich, dass nun die Grenze zwischen Deutschland und Österreich schon ab 15. Juni 2020 wieder gänzlich geöffnet sein soll. Auch die Grenzen zur Schweiz sind voraussichtlich ab 15. Juni 2020 wieder offen. Natürlich ist die Voraussetzung für offene Grenzen immer eine positive Entwicklung der Infektionskurve, sprich: eine stabile Situation in den jeweiligen Ländern.

Wie man seitens des Belvederes mit der Ausnahmesituation umgeht und warum Zukunftsprognosen derzeit sinnlos sind, verrät Generaldirektorin Stella Rollig im Austrian Business Woman-Interview. 

 

Wie gut wird das „Digitale Belvedere“ von den Menschen angenommen?

Wir haben unmittelbar nach der Schließung damit begonnen, Online-Kurzführungen zu Kunstwerken aus der weltberühmten Belvedere-Sammlung anzubieten. Täglich um 15 Uhr auf unseren Social Media Kanälen (Facebook, Twitter, Instagram, Youtube). Dieses Angebot wird mit Begeisterung angenommen. Mehr als 700.000 Menschen haben die Führungen wahrgenommen und 200.000 haben sie tatsächlich angesehen. Deshalb werden wir auch nach der Wiedereröffnung unser digitales Angebot intensivieren.  

Gibt es spezielle Strategien zur Positionierung des Belvederes nach Corona?

Unser Fokus bei der Programmgestaltung liegt derzeit auf dem lokalen Publikum. Das Belvedere wird in den nächsten Monaten eine neue Besuchsqualität bieten können. Nie wieder werden Sie im Oberen Belvedere so viel Platz für sich haben! Wir hoffen sehr, dass dies möglichst viele Menschen aus Österreich nutzen werden. Wir rechnen zudem mit einem großen Bedürfnis nach Vermittlungs- und Familienprogrammen.  Das Untere Belvedere hat als eines der ersten Museen in Wien bereits am 15. Mai 2020 geöffent. Besonders attraktiv: Täglich bieten wir für die Ausstellung „Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafé“ kostenlose Führungen in kleinen Gruppen an.     

Unternehmen sollten jetzt alle angebotenen Unterstützungsleistungen annehmen, empfiehlt die stellvertretende Wirtschaftsbund Generalsekretärin und Nationalratsabgeordnete im ABW-Interview. 

 

Sie sind stellvertretende Generalsekretärin des Österreichischen Wirtschaftsbundes, Stadträtin für Wirtschaft und auch im Parlament für Wirtschaftsbelange zuständig: Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation für die heimischen Unternehmen? 

Die momentane Situation sieht quer durch alle Branchen wenig rosig aus. Natürlich gibt es auch einzelne Geschäftsbereiche, die regelrecht einen Boom erleben. Ich denke, es wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wie krisenfest die österreichische Wirtschaft in ihrer Gesamtheit ist. Jetzt ist es wichtig, dass die Menschen wieder konsumieren und investieren. Gerade die öffentliche Hand sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Im Bereich der Hotellerie und Gastronomie wird sich bald durch zielgerichtete Maßnahmen einiges tun und eine gute Auslastung wird wieder da sein. Das stimmt mich zuversichtlich. 

Im Gespräch mit Austrian Business Woman fordert die zweite Nationalratspräsidentin, dass den heimischen Unternehmen wesentlich schneller und unbürokratischer geholfen werden müsse.

 

Welche Folgen der Corona-Krise fürchten Sie am meisten?

Davor, dass wir die Hoffnung aufgeben und uns von Angst leiten lassen. Angst ist ein schlechter Berater. Das gilt in der Politik genauso wie in der Wirtschaft. Unsere Aufgabe als Politikerinnen und Politiker ist es nicht Angst zu machen, sondern Ängste zu nehmen. Viele Menschen sind arbeitslos geworden oder in Kurzarbeit beschäftigt, zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer wissen nicht wie es weitergehen soll. Sie alle machen sich berechtigte Sorgen um ihre Zukunft und ihre Familie. Wir dürfen sie jetzt nicht alleine lassen, sondern ihnen Hoffnung, Mut und Zuversicht geben.

Der Wiener Krankenanstaltenverbung (KAV) ist die größte Gesundheitseinrichtung Österreichs. Seit einem Jahr an der Spitze steht Mag. Evelyn Kölldorfer-Leitgeb. Die Managerin im ABW-Interview.

 

Bitte schildern Sie uns Ihren bisherigen Werdegang.

Während der letzten Jahrzehnte habe ich im KAV viele Stationen durchlaufen. Ich habe als Auszubildende im Wilhelminenspital begonnen, dann selbst lange Jahre in der Pflege gearbeitet. Schließlich hat mich mein Weg an die Spitze der Unternehmensleitung geführt. In jeder Position habe ich wertvolle Erfahrung sammeln können, die mir in meiner heutigen Funktion dabei hilft, die richtigen Entscheidungen für das Unternehmen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu treffen.

Sie sind seit einem Jahr im Amt – was ist bisher geschehen?

Das Vorjahr war sehr bewegt. Wir stehen im KAV mitten in einem grundlegenden Veränderungsprozess. Es geht um nichts Geringeres, als darum, die Spitalsversorgung für die Wienerinnen und Wiener ins 21. Jahrhundert zu bringen. Wir konnten 2019 wichtige Weichenstellungen erreichen: bei der Optimierung unserer Organisationsstrukturen, der Verbesserung unseres Leistungsangebots und für die Modernisierung unserer Spitäler. Darüber freue ich mich sehr. Dass sich diese Fortschritte selten in der öffentlichen Debatte abbilden, finde ich sehr schade.

Mit Sonja Sheikh übernahm im Sommer des Vorjahres erstmals eine Frau die Geschäfte des Forschungsnetzwerks ACR. Ihr Ziel: Die Sichtbarkeit und Bekanntheit der verschiedenen Institute zu erhöhen.

 

"Ich bin seit vielen Jahren im Bereich der Forschungs- und Innovati­onspolitik tätig und kenne daher die Rahmenbedingungen, unter denen die ACR-Institute arbeiten, recht gut“, erörtert Sonja Sheikh. Nun bemühe sie sich darum, diese bis zu einem gewissen Grad zu beeinflussen, im Sinne der angewandten Forschung, der ACR-Institute und nicht zuletzt der KMU.

„Nach fast einem halben Jahr als Geschäftsführerin sehe ich, dass die ACR in der Öffentlichkeit nicht den Stellenwert hat, den sie verdient. Hier gilt es, unsere gute Arbeit noch besser zu ver­kaufen. Hinzu kommt, dass die ACR der Zusammen­schluss sehr heterogener Institute und daher interne Vernetzung extrem wichtig ist. Wir sind grundsätzlich sehr gut aufgestellt, es gibt aber Potentiale, die noch besser genutzt werden können, um einen größeren Impact der Forschungsergebnisse zu erzielen.“  

Im Verband wurden dieses Jahr einige Initiativen gestartet, so wurde zum Beispiel der neue Schwerpunkt „Digitalisierung“ eingeführt und die Strategie neu aufgestellt. „Gerade im Bereich Digitalisierung tut sich sehr viel, deshalb haben wir zum Beispiel ein Coachingprogramm für Hafner, HAFNERdigital, initiiert, das nun auf weitere Branchen ausgerollt wird“, sagt die neue ACR-Geschäftsführerin. Bei den ACR Kooperationspreisen wurde ein Projekt ausgezeichnet, das große CT-Scans von Bauteilen durch eine VR-Brille „erfassbar“ macht. Sheikh sieht auch eine positive Entwicklung der Institute und ein stärkeres Commitment der Stakeholder. Auf diesen positiven Signalen werde aufgebaut.

 Kommunikationsoffensive

„Wir werden offensiver sein in der Kommunikation, um zu zeigen, dass gerade die ACR in der angewandten Forschung einen besonders großen Hebel in Richtung Impact und Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen erzielen kann“, so Sonja Sheikh. Gleichzei­tig sollen die Dienstleistungen für die Mitglieder erhöht werden, angefangen von Unterstützung bei För­derungsanträgen, über Schulungen in Wissenschafts­kommunikation bis hin zur Optimierung der Webpräsenz. Mittelfristig soll das ACR-Netzwerk erweitert werden, um sich thematisch breiter aufstellen zu können. Sheikh: „Es wäre schön, wieder auf zwanzig Institute anzuwachsen und damit auch besser zur Erhöhung des Innovationsoutputs beizutragen, der ja in Österreich bekanntlich dem Input etwas hinterherhinkt.“

Zur Person: Sonja Sheikh kennt die ACR seit vielen Jahren, so war sie die letzten 20 Jahre beim ACR-Institut KMU Forschung Austria tätig, zuletzt als stellvertretende Direktorin. Dort beschäftigte sie sich in erster Linie mit der Evaluierung von Projekten, Programmen und Institutionen der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik sowie der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik. Sie kennt daher nicht nur das ACR-Netzwerk von innen, sondern ist auch bestens vertraut mit der FTI-Landschaft in Österreich. Sonja Sheikh studierte Wirtschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Deutschland, wo sie auch als wissenschaftliche Tutorin am Institut für Statistik und Ökonometrie tätig war und promovierte im Jahr 1999 im Bereich Volkswirtschaftstheorie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Foto: ACR/Alice Schnür-Wala

 

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