Interviews

Die Autorin, Produzentin und Menschenrechtsaktivistin Nahid Shahalimi ist in Afghanistan geboren, in Kanada aufgewachsen und lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Ihre Projekte drehten sich zuletzt fast immer um ihr Geburtsland, aus dem sie als Kind fliehen musste. A Kürzlich hat sie die afghanische Nationalhymne im Opernstil neu arrangiert – gesungen von Jugendlichen unter 20 Jahren. Im Interview spricht die weltweit bekannte Vielfachkünstlerin darüber, wie sie ihre Projekte auch unter schwierigsten Bedingungen zum Erfolg führt.

 

Social Impact CEO, Bestsellerautorin, Produzentin, Menschenrechtsaktivistin – all das und noch viel mehr trifft auf Sie zu. Was machen Sie eigentlich genau?

Ich male Bilder, mache Ausstellungen, schreibe Bücher und produziere verschiedenen Kunst-Projekte. Je nachdem, welches Projekt gerade läuft, bekomme ich von den Medien eine andere Bezeichnung – gerade gelte ich häufig als „Autorin“. Ich selbst habe mich lange nicht so genannt, da ich erst Know-how im Schreiben entwickeln musste. Es hat mit dem Alter zu tun, wenn man solche verschiedenen Sachen macht – im Mai werde ich 50.

Wie wählen Sie aus, welches Medium für ein Projekt am besten passt?

Das hängt davon ab, wo ich bin und was ich erreichen möchte. Ich richte mich an ganz verschiedene Menschen. Wenn es um Afghanistan geht, habe ich oft mit EU- und UNO-Komitees zu tun. Das ist sehr bürokratisch und fokussiert auf politische Entscheidungsfindung. Wenn es um Geschlechterthemen geht oder die Art und Weise, wie man strategisch überlebensfähige Projekte auf die Beine stellt, dann ist das wieder eine ganz andere Welt, mit einer ganz anderen Sprache. Aber in allem, was ich tue, möchte ich Kreativität leben, sonst habe ich keinen Spaß. Und damit meine ich nicht, dass ich nur genieße oder fröhlich herumtanze, sondern gerne morgens aufstehe und mich auf zehn bis fünfzehn Stunden Arbeit freue. Was für mich Spaß ist, nennen andere Arbeit.

2021 haben Sie das Buch „Wir sind noch da!“ geschrieben, in dem 13 Frauen aus Afghanistan über sich berichten. Wie exemplarisch ist dieses Projekt für Ihre Arbeit?

Ein Buch herauszugeben und Texte zu bearbeiten, erscheint vielleicht nicht so kreativ. Aber auch hierfür brauchte ich kreative Methoden, um mein Ziel zu erreichen: Räume mit afghanischer Expertise schaffen. Mir ist wichtig, dass die Öffentlichkeit aus erster Hand echte Afghanistan-Expert:innen hören kann.

In dem Buch berichten sehr außergewöhnlich Frauen über sich und ihre Arbeit. Sie haben alle hart gearbeitet und die meisten haben ihre Projekte noch am Laufen und große Plattformen aufgebaut – was die breite Öffentlichkeit nicht weiß. Ob Journalistin, Politikerin oder Gründerin einer Programmierschule für Mädchen – all das sind Frauen, die diese Welt bewegen, mit einer komplett anderen Sichtweise.

Zuerst kam die deutsche Veröffentlichung im Elisabeth Sandmann Verlag. Wir haben etwa 7 Wochen Tag und Nacht daran gearbeitet. Ein Jahr später kam die englische Version mit neuen Ergänzungen bei Penguin Canada. Da musste ich das ganz anders schreiben, in einem anderen Stil. Also war es quasi noch einmal ein neues Projekt.

Afghanistan wird immer ein großer Teil meines Lebens sein. Aber ich habe auch viele andere Projekte. Die meisten musste ich mit der Rückkehr der Taliban auf Eis legen, um mich auf Afghanistan zu konzentrieren.

Sie haben auch den preisgekrönten Dokumentarfilm „We The Women of Afghanistan: eine stille Revolution über Frauen in Afghanistan“ produziert. Wie wird man Produzentin?

Vieles entsteht, indem man offen ist für die Gelegenheiten, die sich einem bieten. Produzentin zu sein, ist sehr umfangreich – egal, ob es um einen Film, ein Buch oder Musik geht. Manchmal macht man „nur“ die Finanzierung. Ich finanziere alles selbst und das ist nicht einfach. Manchmal übernimmt man darüber hinaus das gesamte Projektmanagement. Ich habe auch immer von Anfang an eine Strategie für das Marketing, anders geht es nicht. Das ist genauso wichtig, wie das Projekt selbst.

Wie war das zum Beispiel mit Ihrem neusten Projekt? Gerade haben Sie die afghanische Nationalhymne im Opernstil neu vertont und arrangiert – gesungen von Frauen unter 20 Jahren.

Es war im Oktober 2021, nach der Arbeit am Buch „Wir sind noch da!“. Ich möchte immer eine Art Imagefilm für die Bücher herausbringen, als Promotionsmaterial. So kann ich ein größeres Publikum ansprechen. Dafür wollte ich unbedingt meine eigene Musik produzieren. Meine Idee war: folkloristische Musik, die junge Frauen singen.

Ich hatte erfahren, dass ein ganz toller afghanischer Komponist in der Nähe von Stuttgart war. Innerhalb von 24 Stunden machte ich mich auf den Weg in sein Studio, mit drei jungen Sängerinnen im Auto. Eine von ihnen war die 19-jährige Mezzosopranistin Nina Yaqob, die die Hauptstimme in dem Stück singt. Ihr Vater ist Afghane und die Mutter aus Weißrussland. Sie ist in Deutschland geboren und deshalb mit drei Kulturen aufgewachsen.

Wie die anderen Sängerinnen hat sie aber Afghanistan nie gesehen. Während der Fahrt habe ich den Sängerinnen geholfen, ihre eigene Stimme zu finden, denn sie sollten die Folklore nicht einfach kopieren. Nina Yaqob hat herumprobiert und plötzlich die afghanische Nationalhymne angestimmt. Ich war so überrascht, ich hätte fast einen Unfall gebaut. In diesem Moment habe ich mich entschieden, die Nationalhymne neu zu vertonen. Wir haben sie dann gleich einmal im Studio aufgenommen. Das war noch nicht ganz das, was ich wollte. Aber die Idee war geboren. Manchmal ist es gut, ein Konzept kochen zu lassen. Später haben wir es weiterentwickelt.

Welche Botschaft möchten Sie mit der neu produzierten Nationalhymne vermitteln?

Das Stück hat verschiedene Ebenen. An erster Stelle steht für mich wirklich dieses neue Genre. Ich liebe klassische Musik – von Beethoven bis Maria Callas, also vor allem Oper. Morgens mache ich meist einen dreiviertelstündigen Spaziergang mit solcher Musik im Ohr. Aber die afghanische Musikkultur kennt das Klassische nicht. Es gibt verschiedene folkloristische Stile in Afghanistan und die wollte ich schon immer aus ihrem Rahmen herausbringen – auch, um es für eine junge Generation interessanter zu machen.

War es Ihnen darum so wichtig, dass die Sängerinnen unter 20 Jahre alt waren?

Ja, auch. Es ist ein Stück, das wunderschön ist. Aber wir müssen auch einen Dialog darüber führen, was Afghanistan ausmacht. Dabei sollten wir den Jugendlichen und ihren Talenten mehr vertrauen. Wenn wir heute politische Entscheidungen treffen, geht es um deren Zukunft, die wir möglicherweise verderben. Sie müssen irgendwann die Probleme lösen.

Ich würde mich so freuen, wenn die Jugendlichen in der Region auf einmal Opernelemente in die tausendjährige folkloristische Geschichte der afghanischen Musik hineinbringen. Wenn das Stück viele inspiriert, wieder Musik zu machen und noch lauter über afghanische Musik zu reden, auch in der gesamten Region – in Pakistan, Indien und im Iran. Ich möchte nicht, dass diese Hymne als politisches Stück betrachtet wird. Dennoch gibt es in meiner Strategie immer etwas Politisches. Denn wenn man etwas ändern möchte, muss man die Politik ändern. Alles, was mit Afghanistan zu tun hat, ist politisch – gerade jetzt. Und noch mehr, wenn junge Frauen dabei mitwirken.

Inwiefern ist das Stück politisch – können Sie das genauer erklären?

Die jungen Frauen haben die Hymne gesungen. Das war in der afghanischen Musik schon immer ein Tabu, auch vor der Taliban-Machtübernahme. Der 20-jährige Arash Amiri hat die Instrumentalbegleitung übernommen. Auch das ist ein Statement. Musik ist in Afghanistan inzwischen komplett aus dem Leben verschwunden.

Es ist niemand erlaubt, Musik zu machen. Die Taliban verbrennen Musikinstrumente, sie schlagen Musiker – Männer und Frauen. Es ist eine dunkle, stille Welt. Es gibt keine Farben und keine Geräusche. Solch eine Kultur und solche Sitten hat Afghanistan nie gehabt. Die Seele von einem Land hängt an der Kunst und speziell an der Musik.

Mussten Sie sich bei der Arbeit an dem Stück zensieren, um die Beteiligten zu schützen?

Es war mir sehr wichtig, die Mädchen zu schützen – vor all dem, was da kommen könnte. Sei es von der deutschen Seite, international oder von Afghanistan. Insbesondere Nina Yaqob manage ich als Hauptsängerin. Wenn es um Interviews zur Hymne geht, dann bereite ich sie auf schwierige Fragen vor. Wir waren in Washington und da haben wir das Video zu dem Stück gedreht.

Auf einer Charity-Gala der afghanisch-amerikanische Women Foundation war die Premiere der neu arrangierten Hymne. Da waren viele Leute vom State Department und aus der Politik. Das mussten wir intensiv mit Nina durchgehen und diese Erfahrung hat sie zu einem anderen Menschen gemacht.

Was sind denn schwierige Fragen, die da kommen können?

Zum Beispiel: „Deine Mutter ist aus Weißrussland, du bist nie in Afghanistan gewesen, Du sprichst die Sprache nicht. Wer gibt Dir das Recht, die afghanische Nationalhymne zu singen?“ Die Hymne ist auf Paschtu und das spricht nur ein Teil der Bevölkerung. Ich verstehe ein bisschen Paschtu, aber wir sind nicht Paschtu-sprachig in meiner Familie und die Sängerinnen haben das auch nicht als Muttersprache.

Da gibt es immer Menschen, die meinen, man sei nicht afghanisch genug. Das ist hierzulande nicht anders. Da muss man immer beweisen, dass man irgendwie genug ist, um in die Kultur zu gehören. Oder es können Fragen kommen wie: „Warum ist die Hymne in Paschtu und nicht in anderen afghanischen Sprachen wie Dari, Farsi oder Hazaragi?“ Es gibt auch Afghaninnen und Afghanen, die sagen, wir akzeptieren die Hymne nicht, weil sie uns nicht repräsentiert. Ein Jahr lang habe ich mich nur mit solchen Fragen beschäftigt. Ich habe Menschen mit lokaler Expertise dazu befragt, von denen ich weiß, dass sie mir auch wirklich die Wahrheit sagen.

Welche Argumente kann man da entgegensetzen?

Die Professionalität von Nina Yaqob steht außer Frage. Sie hat jahrelang Gesangsunterricht genommen und nimmt immer noch welchen. Von sich zu sagen, ich bin Mezzosopranistin, das ist kein einfacher Weg. Sie ist mit afghanischen Wurzeln aufgewachsen und kennt Sachen von der afghanischen Kultur, da muss ich sagen: „Wow, Respekt!“. Wie sie sind auch die anderen jungen Menschen, die an der Hymne beteiligt waren, Kinder der Diaspora. Sie haben diese Liebe zum Land, eine Leidenschaft für die Kultur von Afghanistan. Diese junge Generation ist von der Globalisierung geprägt und überall aufgewachsen. Dass Menschen wie Nina die afghanische Nationalhymne kennen, das bringt Hoffnung, auch für diejenigen, die in Afghanistan sind.

Viele junge Menschen werden jetzt auf diese Art von Musik aufmerksam und fragen sich: Was ist das? Das ist für sie eine neue Welt. Wir hoffen, dass wir damit eine Tür aufgemacht haben, sich auf ganz andere Weise mit der afghanischen Kultur auseinanderzusetzen. Vielleicht finden manche junge Menschen aus Afghanistan ihren Platz dort. Nicht jeder muss ein Aktivist oder eine Aktivistin sein. Es gibt manchmal die Erwartung, dass eine Frau, die die Nationalhymne singt, die Probleme von Afghanistan oder den afghanischen Frauen auf einmal lösen sollte. Das ist nicht in Ordnung. Künstler:innen machen Kunst und wir müssen das trennen können.

Wie ist das Feedback auf das Projekt?

Außerhalb von Afghanistan haben wir fast nur Positives gehört. Innerhalb von Afghanistan gibt es schon so 10 bis 15 Prozent kritisches Feedback, von Menschen, die das nicht gut finden oder nicht verstehen, was wir tun. Oper ist auch Geschmackssache. Ich versuche sehr viel zu erklären, spreche in Podcasts, gebe Interviews, um Menschen, die Musik mögen, nahezubringen, was alles dahintersteckt.

Kommt die neu produzierte Nationalhymne bei afghanischen Frauen überhaupt an?

Für Frauen ist die Situation in Afghanistan gerade sehr schwer. Ende Dezember 2022 haben die Taliban ein neues Dekret erlassen, das Frauen den Besuch höherer Bildungseinrichtungen und die Arbeit in NGOs verbietet. Sie dürfen kaum noch arbeiten. Arbeit ist auf wenige Tätigkeiten, beispielsweise im Gesundheitswesen, beschränkt. Sie dürfen nicht auf die Straße ohne einen guten Grund.

Und ohne einen Mann sowieso nicht. Aber nicht jede Frau hat einen Bruder oder Mann in der Familie. In Afghanistan herrscht seit fast 50 Jahren Krieg, viele Männer sind gestorben. Selbst Ärztinnen kann es passieren, dass sie auf dem Weg zum Job stundenlang von einem Fußsoldaten aufgehalten werden.

Afghanistan ist jetzt das einzige Land auf der Welt, wo kleine Mädchen nicht mehr in die Schule gehen dürfen nach der sechsten Klasse. Aber das Gute ist, das Internet ist noch da, noch. Frauen haben Zugang zu sozialen Medien. Das ist der einzige Weg, wie die Frauen dort an Informationen kommen und wir Informationen aus dem Land erhalten.

Inwiefern richtet sich das Projekt auch an Männer?

Das ist auch eine Facette. Es würde Männern auch besser gehen, wenn sie Musik machen dürften – das ist nicht nur eine Sache der Frauen. Und Feminismus und Demokratie hat Afghanistan nicht erst in den letzten 20 Jahren gelernt. Das war viel früher da. Frauen durften in Afghanistan beispielsweise schon 1965 wählen, in der Schweiz erst 1971.

Durch den Krieg haben wir aber eine kollektive Amnesie erlitten. Wir erinnern uns nicht mehr, was wir schon erreicht hatten. Die Kunst ist eine Möglichkeit, dass Frauen mit Männern am Tisch sitzen und in einen Dialog kommen. Wenn wir mehr für Frauen erreichen möchten, kommen wir nicht immer mit Revolution und harten Worten weiter. Es braucht eine Evolution der Generationen. Jede Generation versucht etwas zu verbessern und ihre eigenen Töne hineinzubringen. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich nicht das mache, was meine Mutter gemacht hat und dass meine Töchter auch nicht das machen werden, was ich mache. Und diese Evolution von Generationen wird auch mit Männern zu tun haben.

Die Frauen in Afghanistan hatten sich, bevor die Taliban zurückkamen, an ein anderes Leben gewöhnt und wie Sie sagten auch früher schon viele Rechte. Was lernen wir in der westlichen Welt daraus?

Dass wir immer mit den Leuten sprechen sollten, die wirkliche Expertise haben. Sonst wird ein Narrativ von Opfern gebaut.

Wie meinen Sie das genau?

Wenn Journalist:innen nach Afghanistan reisen, schauen sie nur auf das Heute. Da geht es darum, wie kann ich einen Artikel oder Report am besten verkaufen. In den letzten zwei Jahrzehnten musste zwar jede Frau in Afghanistan mit einer Kopfbedeckung herumlaufen. Aber ich erinnere mich an die Zeit, als junge Frauen in Kabul Miniröcke und die neueste Mode aus Magazinen trugen.

Es gab so viele Fortschritte in der afghanischen Gesellschaft und der Weg zu einer ausgewogeneren Lebensweise der Geschlechter wurde von Tag zu Tag solider. Ich will damit nicht sagen, dass es in unserer afghanischen Gesellschaft innerhalb und außerhalb Afghanistans keine geschlechtsspezifischen Probleme gab oder gibt. Wir müssen daran arbeiten, genau wie der Rest der Welt auch. Denn KEIN Land auf dieser Welt ist bisher völlig gleichberechtigt. Laut dem Global Gender Gap Report 2022 wird es 132 Jahre dauern, um diese Lücke zu schließen.

Wenn man nur von Krieg und Unterdrückung der Frauen erzählt, entsteht ein einseitiges Bild. Natürlich ist das so, aber das ist trotzdem nicht alles. Dabei werden afghanische Frauen zu exotischen Wesen. Sie sind so weit weg, dass wir uns nicht mit ihnen verbinden müssen. Das ist der Hauptgrund, warum ich das Buch „Wir sind noch da!“ geschrieben habe. Denn das ist ein Muster, das ich nicht nur im Journalismus beobachte, sondern auch in der europäischen Politik und der Weltpolitik.

Sind Sie enttäuscht von der deutschen Politik – zum Beispiel von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, die von feministischer Außenpolitik spricht?

Enttäuschung ist leicht gesagt. Deutschland hat absolut nichts gemacht in der letzten Zeit. Und es gab sehr viel Gatekeeping gegenüber Afghanistan. Die EU hat Top-Frauen aus Afghanistan in ihren Gremien, Deutschland nicht. Das ändert sich seit der Machtübernahme der Taliban erst jetzt ganz langsam. Man fürchtet Korruption.

Aber nicht alle Afghan:innen sind korrupt. Das merkt man ziemlich schnell. Wir engagieren uns seit Jahren ehrenamtlich, aber werden trotzdem nicht gehört. Stattdessen zieht man sogenannte Berater:innen zu Rate. Natürlich ist die deutsche Regierung auch verzweifelt angesichts der vielen Krisenherden auf der Welt. Doch wir sind in einer dynamischen Lage, da braucht man kluge Köpfe, wie die Frauen aus meinem Buch.

Mit Deinem Buch schaffen Sie es zu zeigen, was afghanische Frauen alles erreicht haben. Aber die meisten der Frauen, die darin vorkommen, sind aus Afghanistan geflohen. Und die Situation wird für Frauen immer schlimmer. Zuletzt wurde Frauen auch der Zugang zu den Universitäten verwehrt. Wie können Sie da optimistisch bleiben?

 Ich verliere nie die Hoffnung. Trotzdem ist es schwer, eine gute Balance zu finden. Meine Projekte sind sehr erfolgreich – und das sind immer so süß-sauer Momente für mich. Es gibt einige hundert Frauen, die wie ich mit ihrer Arbeit viel bewegen. Sie sind sehr aktiv in den UNO- und EU-Komitees, arbeiten hinter den Kulissen Tag und Nacht, egal in welcher Form. Über mein Sozialunternehmen „We the Women“ stelle ich afghanischen Frauen und Mädchen Stipendien für eine Hochschulausbildung zur Verfügung. Aber wir erreichen nicht die knapp 19 Millionen Frauen, die es in Afghanistan gibt.

Die Taliban werden strenger und strenger. Aber wir – das sind extrem starke Charaktere – werden immer kreativer und finden Halt miteinander. Wir sind uns aber auch nicht immer einig. Das ist manchmal problematisch. Denn es wird erwartet, dass wir mit einer Stimme sprechen. Doch wenn wir uns auch kritisieren, gibt es die besten Ergebnisse. Dafür brauchen wir auch die Stimmen von unten und von vor Ort. Wir sind da, um die Menschen in Afghanistan zu unterstützen und ihnen Räume zu geben, wo sie die Wahrheit verbreiten können. Dabei müssen wir auch aufpassen, dass Erfolge nicht gegen Afghanistan gemünzt werden – nach dem Motto, es geht ihnen doch gar nicht so schlecht. Wir müssen darauf achten, dass wir die richtigen Informationen verbreiten.

Wie haben Sie es geschafft, so viele Projekte machen zu können?

Ich bin nicht alleine dahin gekommen, wo ich heute bin. Natürlich habe ich viel gearbeitet, aber das tun viele andere auch. Ich bin immer wieder Menschen begegnet, die eine kleine Tür für mich aufgemacht haben. Und ich wusste, es ist mein Job, sie zu öffnen und durchzugehen. Das versuche ich nun auch an die nächste Generation weiterzugeben.

Viele Ihrer Projekte laufen über ein oder zwei Jahre. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

In den letzten 17 Monaten habe ich kaum einen Tag frei gehabt. Mit dem Abzug der NATO-Truppen hat die gesamte Welt auf Afghanistan geschaut. Dann hat der Ukraine-Krieg die Aufmerksamkeit verschoben – dadurch wurde unsere Arbeit noch wichtiger. Teilweise muss ich Monate im Voraus Proposals schreiben, damit Projekte rechtzeitig starten können. Ich arbeite gut, wenn ich sehr viel zu tun habe – solange ich fixe Deadlines bekomme. Aber um das alles zu schaffen, muss ich ganz viel organisieren und priorisieren. Ich habe auch gelernt, wann ich „Nein“ sagen muss – bei vielen Hilfsanfragen, wo ich überhaupt nicht helfen kann.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich habe nie Angst, irgendwo zu versagen. Ich gehe ran und bin überzeugt, es wird klappen. Ich gehe dann zwar strategisch und kalkuliert vor wie eine Schachspielerin. Aber ich limitiere mich nicht. Ich sage nie, es muss so sein. Wenn etwas nicht passiert, ist es oft nicht der richtige Moment. Dann sollte man Dinge auch loslassen können. Das erfordert ganz viel Flexibilität. Mein Ziel, bei allem, was ich tue, ist immer, dass ein gutes Produkt herauskommt. Manchmal hält man dabei gern an Ideen fest. Aber wenn ich weiß, dass ich dann mehr erreiche, kann ich auch auf etwas verzichten.

Das Interview führte Stefanie Hornung.

Über die Person

Nahid Shahalimi ist 1973 in Afghanistan geboren. Mit ihrer Mutter und drei Schwestern musste sie 1985 aus Afghanistan nach Pakistan fliehen und zog mit ihrer Familie nach Kanada. Dort studierte sie Internationale Politik mit Schwerpunkt Menschenrechte sowie Bildende Kunst. Im Jahr 2000 kam sie durch die Ehe mit einem afghanischen Unternehmer nach München, wo sie bis heute mit ihren Töchtern lebt.

Zu ihren herausragenden Projekten gehört „We the Women“, eine Reihe von Berichten mutiger Frauen aus der ganzen Welt, die Nahid Shahalimi 2009 startete. 2011 begann Nahid durch Afghanistan zu reisen, um Geschichten von widerstandsfähigen Frauen zu sammeln. Diese hat sie in ihrem Buch „Wo der Mut die Seele trägt: We the women of Afghanistan“ (2017) festgehalten. 2018 fand die Serie in dem mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm „We the Women of Afghanistan: a silent revolution“ ihren Höhepunkt.

Seit der Machtübernahme der Taliban arbeitet Shahalimi vermehrt in Komitees und Lenkungsausschüssen mit, die sich mit den Rechten afghanischer Frauen beschäftigen. 2021 erschien ihr Bestseller „Wir Sind Noch Da!“, in dem afghanische Expertinnen über ihre Erlebnisse nach dem Fall von Kabul berichten.

Ein Großteil der Erlöse vom Verkauf ihrer Gemälde spendet sie für humanitäre Zwecke oder finanziert daraus eigene Hilfsprojekte. Ihr Social Business „We the Women“ stellt afghanischen Frauen und Mädchen Stipendien für eine Hochschulausbildung zur Verfügung. Darüber hinaus hat Nahid Shahalimi die Kampagne „Stand up For Unity“ initiiert, die sich weltweit für Einheit durch Vielfalt einsetzt und von Persönlichkeiten wie dem Dalai Lama unterstützt wird.

Foto/Quelle: Dr. Isa Foltin/herCareer

Die Generaldirektorin und Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Belvederes hat Grund zur Freude: Die Museumsräume haben sich wieder mit Besuchern gefüllt.

 

„Die Pandemie mit Lockdowns und Reisebeschränkungen führte dazu, dass das Belvedere im Jahr 2021, wie schon 2020, einen Besuchsrückgang von achtzig Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie zu verzeichnen hatte: eine Zeit, die wir zur Reflexion und Weiterentwicklung unserer Formate nutzten. Nun blicken wir allerdings erfreut auf das aktuelle Jahr zurück, denn aufgrund der guten Entwicklungen erwarten wir insgesamt 1,2 Millionen Besucher, das wären im Jahresschnitt also rund 70 Prozent von 2019. Wir erleben, dass sich die Museumsräume wieder mit Menschen füllen und das Haus zu dem machen, was es eben ist: ein Ort der Kunst, doch vor allem der Menschen“, zeigt sich die Kunstmanagerin erfreut.

Austausch zwischen Menschen

Zu den Highlights des Vorjahres zählte die Wiedereröffnung des renovierten Unteren Belvedere sowie die Schau „Dalí – Freud. Eine Obsession“, die den Einfluss des Psychoanalytikers Sigmund Freud auf das Werk Salvador Dalís darlegte.

„Es war eine Freude, da sich das Belvedere wieder mit Leben füllen durfte. Aus aktuellem Anlass nehmen wir die Veranstaltungsreihe Tea Talks wieder auf, die mir sehr am Herzen liegt. Diese ermöglicht einen Austausch zwischen Menschen aus Wien und der Ukraine. Ich bin davon überzeugt, dass Museen Orte sind, an denen man die Seele und den Geist zur Ruhe kommen lassen kann, in denen man sich von einem belastenden Draußen erholen kann und auch darf“, so Stella Rollig.

Ökologisches Engagement

Im vergangenen Sommer wurde das Belvedere mit dem Umweltgütesiegel ausgezeichnet, das an Museen vergeben wird, die nach den internationalen Richtlinien für ethische Museumsarbeit von ICOM (International Council of Museums) handeln und besondere Sammlungen bewahren und präsentieren. Doch das ökologische Engagement endet hier nicht, sondern beginnt vielmehr – verspricht die Generaldirektorin. „Von der Sanierung der Fenster, natürlichen Wandfarben bis zur selbstreflexiven Haltung zu Themen wie Klimatisierung, Transporten oder auch zu Leihgaben, die rund um den Globus geschickt werden, beschäftigen uns diese Fragen weiterhin stark.“

Besonderes Jibiläum

Das heurige Jahr steht ganz im Sinne des dreihundertjährigen Belvedere-Jubiläums. Unter dem Motto „Goldener Frühling“ wird nicht nur die Entwicklungen der Vergangenheit, sondern besonders die Entwicklungen, die noch vor dem Traditionshaus liegen, gefeiert. „Das Museum von morgen ist ein lernendes, ein diverses und heterogenes: Es stellt Fragen. Mein Wunsch für 2023 und darüber hinaus? Fragend bleiben“, so Rollig.

Foto: Ingo Pertramer/Belvedere, Wien

Seit dem Vorjahr ist die Klima- und Umweltexpertin Geschäftsführerin des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie FEEI.

 

Mit Marion Mitsch leitet eine ausgewiesene Klima- und Umweltexpertin den Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), sie ist die erste Frau in dieser Funktion. Die studierte Betriebswirtin war seit 2015 Geschäftsführerin der UFH Holding, einem Netzwerkpartner des FEEI. Dort hatte sie zuvor 14 Jahre als Prokuristin die Leitung der Bereiche Finanzen und Personal inne. Die studierte Betriebswirtin war unter anderem für den Aufbau der Sammel- und Verwertungsgesellschaften als auch für die Finanzierung der Kühlgeräte-Recyclinganlage – einer der modernsten Anlagen Europas – in Kematen an der Ybbs verantwortlich.

Mitsch engagiert sich seit zwei Jahrzehnten im Umwelt- und Klimaschutz in der Entsorgungs-, Recycling- und Kreislaufwirtschaft. Bereits im Juni 2020 ist Marion Mitsch in die Geschäftsführung der FEEI Management-Service GmbH eingestiegen, seit 1. Jänner 2021 hat sie die Geschäftsführung des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie übernommen.

„Die Elektro- und Elektronikindustrie ist wie keine andere Branche mit der Zukunft verbunden. Egal, ob die Bewältigung des Klimawandels, steigende Mobilitätsbedürfnisse, Smarte Städte oder die rasant voranschreitende Digitalisierung, ohne die Technologien, die die Elektro- und Elektronikindustrie entwickelt, ist es nicht möglich, diesen Herausforderungen beizukommen. Sie ist der Enabler der Zukunft, sieht sich aber gleichzeitig auch mit Problemstellungen konfrontiert. Gerade wenn es um wichtige Zukunfts- und Schlüsseltechnologien in Europa, den akuten Fachkräftemangel in der Branche oder Rahmenbedingungen am Standort Österreich geht, um im harten internationalen Wettbewerb bestehen zu können, gibt es viel zu tun“, so Mitsch.

Foto: FEEI

Die Wien Holding vereint rund 75 Unternehmen aus vier Geschäftsbereichen – Kultur, Immobilien, Logistik und Medien – unter einem gemeinsamen Dach. Die Geschäftsführerin im ABW-Interview.

 

„In unserer fast 50-jährigen Geschichte haben wir bereits viele Krisen gemeistert. Natürlich ist die derzeitige Situation mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, der Klima- und Energiekrise für uns – wie für alle anderen Unternehmen auch – eine ganz große Herausforderung. In manchen Bereichen spüren wir die Auswirkungen stärker, z.B. im Kulturbereich, im Immobilien- und Logistikbereich dafür weniger. Aber ich bin überzeugt davon, dass die Wien Holding auch aus der derzeitigen Situation gestärkt hervorgehen wird. Denn wir investieren auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in reale Projekte für ein lebenswertes Wien und die Sicherung des Wirtschaftsstandortes“, so die Managerin.

Schlosspark und sozialer Wohnbau

Das Jahr beschwerte dem Unternehmen zahlreichen Höhepunkte. So wurde heuer etwa das zehn Millionen Euro Investitionspaket für den Schlosspark Laxenburg vorgestellt. „Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich werden wir dafür sorgen, das geschichtsträchtige Schlossareal fit für die Zukunft und noch attraktiver für die Menschen zu machen. Darüber hinaus feierte die GESIBA heuer ihren 100. Geburtstag. Das Unternehmen setzte in seiner langjährigen Geschichte neue Maßstäbe im sozialen Wohnbau und ich bin stolz, dass wir bereits seit 1974 mit der Verwaltung betraut sind. Wir durften heuer auch wieder den Wiener Journalistinnenpreis stiften, der die journalistische Arbeit von Frauen würdigt. Weiters wurde die Wien Holding erneut als familienfreundliches Unternehmen sowie als „TOP-Lehrbetrieb“ zertifiziert, eine schöne Bestätigung unserer Arbeit im Sinne der Mitarbeiter- und Fachkräfteausbildung“, sagt Sigrid Oblak. 

Klimafreundliche Wärme

Die Wien Holding ist Impulsgeberin für maßgebliche Modernisierungs- und Entwicklungsprozesse in der Stadt und trägt in hohem Maße dazu bei, die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt mitzugestalten und umzusetzen. „Für uns ist es Verantwortung und Verpflichtung zugleich, mit unseren zukunftsorientierten Projekten und Unternehmen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Wirtschafts- und Lebensraumes Wien zu leisten. So wird etwa seit Mai 2022 in der Therme Wien die Restwärme des Thermal-Abwassers mittels Wärmepumpen erfolgreich zur Fernwärmegewinnung genutzt – ein wichtiger Schritt für mehr Nachhaltigkeit. Rund 1.900 Haushalte in Oberlaa können so mit klimafreundlicher Wärme versorgt werden. Das spart jährlich etwa 2.600 Tonnen CO2“, versichert Oblak.

Auch bei den Wohnbauten der ARWAG und GESIBA wird großes Augenmerk auf die Umwelt und die ökologische Nachhaltigkeit gelegt. Durch Niedrigenergie- bzw. smarte Passiv-Wohnhäuser und den Einsatz neuer Technologien kann der Energiebedarf der Bauten verringert werden was zum Klimaschutz beiträgt. So wurde beispielsweise die Wohnhausanlage „Blickpunkt 21 – Leopoldine“ der ARWAG mit dem „klimaaktiv Silber“-Gebäudestandard ausgezeichnet und beim GESIBA-Projekt Brockhausengasse im 22. Bezirk wird die Erdwärme genutzt, um die Wohnhausanlage mittels sogenannter Thermischer Bauteilaktivierung (TBA) mit Wärme zu versorgen.

Attraktivität als Arbeitsgeber

Die Wien Holding soll auch in den kommenden Jahren ein effizienter und effektiver Dienstleister der Stadt sein. „Eine große Herausforderung wird daher sein, unsere Attraktivität als Arbeitgeberin weiter zu steigern, unsere digitalen Kompetenzen weiterzuentwickeln und die Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung bietet, optimal zu nutzen. Die ersten Schritte dahingehend wurden bereits gesetzt und werden auch im kommenden Jahr weiterverfolgt werden.“

Eine wesentliche Bedeutung kommt natürlich auch dem Thema Nachhaltigkeit zu. Hier arbeitet man an einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsprogramm. „Das bedeutet, dass wir mit unseren Unternehmen und Projekten nicht nur Umwelt- und Ökologie-Themen verfolgen, sondern auch soziale und wirtschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeit in unsere Unternehmensstrategie miteinbeziehen – sprich Themen wie soziale Gerechtigkeit, Governance und nachhaltige Unternehmensführung“, sagt Oblak. Und was wünscht sich die Geschäftsführerin im kommenden Jahr? „Grundsätzlich Gesundheit für alle unsere Mitarbeiter. Denn sie sind die Basis dafür, dass wir auch heuer unsere Arbeit erfolgreich fortsetzen können und damit auch einen Beitrag zu einer positiven Entwicklung der Wien Holding und der Stadt Wien leisten können.“

Foto: Eva Kelety

Sie ist CEO von Mindshare Österreich, seit kurzem auch von Mindshare Schweiz. Ein ABW-Interview über neue Kunden, persönlichen Austausch und veränderte Arbeitswelten.

 

Trotz herausfordernder Zeiten: Sind Sie mit dem vergangenen Geschäftsjahrzufrieden?

Ich bin mit dem Geschäftsjahr 2022 sehr zufrieden. Wir konnten viele neue Kunden und sehr wertvolle Marken für die Betreuung ab dem Jahr 2023 gewinnen.

Es zeigt, wie wichtig und richtig unser neuer Beratungsansatz „Good Growth“ ist, mit dem wir Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung fördern, um das nachhaltige Wachstum unserer Kunden sicherzustellen. Neben dem international tätigen Kinderrad-Hersteller WOOM Bikes aus Österreich im ersten Halbjahr haben wir auch Europas Elektronikhändler Nummer Eins, Media Markt, und das schwedische Textilhandelsunternehmen H&M als Neukunden gewonnen. Weitere Entscheidungen stehen noch aus.

Ihr Jahresrückblick als Mindshare CEO: Was waren die Highlights in Ihrem Verantwortungsbereich?

Ich habe mich sehr gefreut, alle Kollegen wieder mehr im Büro zu sehen, voller Elan in die Pitches „hineinzugehen“ und gemeinsam die Erfolge zu feiern. Unser Geschäft ist ein „People Business“ in dem Sinn, dass wir den persönlichen Austausch und Kontakt zwischen den Mitarbeitern und den Kunden brauchen. Das fördert auch den Erfolg. 

Seit etwas mehr als zwei Monat sind Sie auch CEO von Mindshare Schweiz – was fasziniert Sie an dieser neuen, zusätzlichen Aufgabe?

Wir arbeiten schon lange und sehr verschränkt im DACH-Raum zusammen. Die beiden Märkte Schweiz und Österreich in der Führung zusammenzuziehen, bringt uns als großen positiven Effekt Synergien für unsere Kollegen und auch für unsere Kunden. Mir als CEO ermöglicht es ein nachhaltiges Wachstum zu schaffen und durch meine starken DACH-Verbindungen neue Impulse zu setzen. 

Welche Themen haben für Sie dieses Jahr Priorität?

Die Themen wie Ausbildung, Coaching und People Management sowie flexibles und agiles Arbeiten spielen bei uns weiterhin eine große Rolle.

Wir wollen Lösungen entwickeln, die, basierend auf den neuen Erfahrungen, ein Umfeld schaffen, das den Kollegen Freude macht. Dazu gehören auch unsere umfangreichen Aus- und Weiterbildungsprogramme.

Fotorechte: Nuno Felipe Oliveira

Mareen Eichinger ist Expertin für Social-Media-Marketing und digitales Branding. Seit über 14 Jahren beschäftigt sie sich mit sozialen Netzwerken und berät Unternehmen, Marken und Persönlichkeiten.

 

Sie gibt Workshops und setzt mit ihrer Agentur Macheete erfolgreiche Social Media und Influencer Kampagnen um. Im Experten-Interview gibt sie Einblicke in die Social Media Trends für dieses Jahr.

Instagram, Facebook, LinkedIn, Twitter und Co. sind heutzutage ein fester Bestandteil in der integrierten Marketing-Kommunikation. Dank der sozialen Medien haben Unternehmen in den vergangenen Jahren die Distanz zu ihren Kunden verringert. Durch den ständigen Austausch haben Marken die Möglichkeit, Informationen von Kunden zu erhalten und deren Bedürfnisse genau zu analysieren. Doch die Netzwerke entwickeln sich ständig weiter und erfordern ein hohes Maß an Sensibilität. 

Wie wichtig ist Social Media Marketing heutzutage für Unternehmen?

Eine Welt ohne soziale Netzwerke wird es nicht mehr geben. Das haben die meisten schon verstanden, aber immer noch nicht alle. Doch nicht nur für Unternehmen oder Brands, sondern auch für Persönlichkeiten spielt die Vermarktung in den sozialen Medien eine immer größere Rolle. Bei Letzterem spiele ich auf das Thema Personal Branding an und ich meine damit nicht Influencer oder Creator. Wer auf LinkedIn unterwegs ist, findet dort viele Beispiele von Gründern oder CEOs, die sich auf der Plattform extrem gut vermarkten. Fakt ist: Social Media ist aus unserem Universum nicht mehr wegzudenken. Es gibt im Moment keinen schnelleren und einfacheren Weg sich zu vernetzen als über soziale Netzwerke. 

Welche sozialen Kanäle sollten Unternehmen unbedingt nutzen?

Da wir mittlerweile eine Vielzahl an Social Media Plattformen haben, gibt es hier keine pauschale Antwort mehr. Das hängt ganz klar von der eigenen Zielgruppe, den jeweiligen Zielen ab und welche Content-Formate infrage kommen. Spreche ich beispielsweise als Brand eine sehr junge Zielgruppe an, bin ich sicher auf TikTok und YouTube richtig. Bin ich eher auf Schwangere und Mütter fokussiert mit meinen Produkten, dann ist wohl Instagram, aber auch Facebook und Pinterest keine schlechte Wahl. Einen B2B-Brand kann auf LinkedIn seine Zielgruppe finden, aber auch auf Instagram. Es gibt so viele Möglichkeiten. Aber vieles hängt eben ganz stark von der Marke oder dem Unternehmen ab.

Was empfehlen Sie Unternehmen oder Marken vor dem Start in die sozialen Netzwerke?

Vor dem Start empfehle ich jeder Marke, eine Strategie zu erstellen. Denn nichts ist gefährlicher, als sich blindlings in ein Social Media Abenteuer zu stürzen. Ich habe das schon so oft erlebt, dass einfach angefangen wird, aber niemand einen Plan hatte. Was daraus resultiert, ist immer das gleiche: Keine Interaktion, kein Wachstum und der Glaube, dass Social Media ja ein totaler Unsinn ist. Aber auch Brands, die schon länger dabei sind, empfehle ich immer wieder, ihre eigene Strategie zu überprüfen und anzupassen. Kaum etwas in der Marketing-Branche verändert sich so schnell wie die sozialen Medien.

Welche Ziele sollten sich Unternehmen für den Anfang setzen?

Ich spreche hier vor allem von kleineren bis mittleren Unternehmen ohne Social Media Abteilung, wenn ich sage, dass das Ziel für den Anfang sein sollte, sich intern Kapazitäten für das Thema zu schaffen. Social Media Marketing für die eigene Marke oder ein Produkt ist schon lange keine Sache mehr, die mal so nebenbei gemacht wird.

Das war früher vielleicht einmal so, als man kurz auf Facebook ein niedliches Bild gepostet und sich über 15 Likes gefreut hat. Heute haben wir eine Vielzahl von verschiedenen Kanälen, die mit unterschiedlichen Inhalten und Formaten bespielt werden wollen. Und die meisten Social Media Nutzer erwarten in wenigen Sekunden maximales Entertainment im Tausch für eine gute Engagement-Rate.

Der Trend geht immer mehr zum Video-Format. Das stellt einige Unternehmen vor Herausforderungen, oder?

Ja, durchaus. An dem Format Bewegtbild kommen wir alle nicht mehr vorbei und wahrscheinlich wird es in den kommenden Jahren kaum noch statischen Content geben. Short Vertical Video-Formate funktionieren auf Instagram und TikTok oder auch YouTube-Shorts gerade unfassbar gut. Marken, die mit solchen Formaten arbeiten, haben heute schon viel mehr Sichtbarkeit und Wachstum.

Ich verstehe, dass das Unternehmen verängstigt, denn Video-Content bedeutet einfach noch mehr Aufwand als Foto-Content. Wobei auch die Produktion von kurzen Videos mit bestimmten Tools schon sehr viel einfacher geworden ist. Aber einer der ersten Schritte ist es, anzuerkennen, dass Social Media als fixer Posten mit ins Marketing-Budget eingeplant werden muss. Und das bedeutet neben dem Anzeigen-Budget eben auch Aufwände für die Erstellung der Beiträge und die Redaktion der Kanäle.

Worüber schütteln Sie den Kopf, wenn Sie ins Unternehmen gehen, um dort als Social Media Expertin zu beraten?

Gerade in meinen Strategie-Workshops mit Unternehmen, die gar nicht bis kaum in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, bin ich hin und wieder erschüttert darüber, welche ablehnende Haltung gegenüber Instagram & Co. zu spüren ist. Dann werden abfällige Bemerkungen über Influencer gemacht oder darüber, dass ja die Tochter auf TikTok die ganze Zeit rumhängt, anstatt Hausaufgaben zu machen.

Ich wünsche mir hier dann mehr Offenheit und Toleranz von den einzelnen Akteuren. Lustigerweise haben die meisten Menschen im Laufe des Workshops ihren eigenen Aha-Moment und verstehen dann, dass einfach kein Weg mehr an den sozialen Medien vorbeiführt. Ich möchte auch einfach noch mal betonen, dass es unfassbar wichtig ist, dass im Unternehmen alle, auch die oberste Etage, hinter der eigenen Social Media Strategie stehen und diese als wichtigen Meilenstein in der Marketingkommunikation anerkennen. Zum Glück ist das in den vergangenen Jahren innerhalb der meisten Unternehmen bereits passiert.

Was erwartet uns idieses Jahr in den sozialen Medien?

Wie schon gesagt, werden Video-Inhalte weiter boomen. Sowohl Langform- als auch Kurzform-Videos gehören zu den am häufigsten geteilten Inhalten in sozialen Medien und daran wird sich nichts ändern. TikTok ist das neue Schwergewicht im Ring und wird Plattformen wie Instagram und YouTube das Leben noch schwerer machen. Des Weiteren wird verantwortungsbewusstes Marketing endlich zur Pflicht für Unternehmen. Dazu zählen Transparenz sowie Diversität, aber auch Inklusion und Gleichstellung. Durch den erheblichen Rückgang der organischen Reichweite, wird es auch 2023 eine Herausforderung für Unternehmen sein, die Werbeausgaben für soziale Netzwerke einzuplanen. 

Foto: macheete/PR

Erst kürzlich ist die Tochter von harry’s home Gründer Harald Ultsch offiziell in den Familienbetrieb eingestiegen. Neben seinen Söhnen Florian und Fabian, hält nun auch Valentina Ultsch eine wichtige Unternehmensposition inne.

 

Mit gerade einmal 26 Jahren übernahm die BWL-Absolventin die Leitung im Bereich Human Resources der gesamten Harry’s Home Holding AG.

Nach Ihrem BWL-Studium in Wien sind Sie erst kürzlich in leitender Funktion in den Familienbetrieb eingestiegen – mit gerade einmal 26 Jahren. Welche Position haben Sie übernommen? 

Ich habe die Leitung Human Resources sowohl bei den harry’s home hotels & apartments als auch bei den Innsbrucker Häusern ADLERS Lifestyle-Hotel und Hotel Schwarzer Adler übernommen. Das betrifft insgesamt 250 Mitarbeiter der gesamten Harry’s Home Holding AG, dieses Jahr werden es 300 sein. Ich bin übrigens nicht unmittelbar nach dem Studium in unseren Familienbetrieb eingestiegen. 

Was haben Sie stattdessen gemacht und wieso haben Sie sich für einen späteren Einstieg entschieden? 

Direkt nach dem Studium wäre es einfach zu früh gewesen. Ich wollte lieber noch ein bisschen Praxiserfahrung in anderen Firmen sammeln, um zu sehen, wie es anderswo läuft. Das habe ich schließlich knapp drei Jahre lang in Graz gemacht. Zuerst war ich dort bei Iventa – The Human Management Group, dann bei epunkt tätig – jeweils in der Personalberatung. 

Warum der Bereich Human Resources? 

Mein Interesse dafür habe ich während eines Management Trainees in unserem Betrieb entdeckt. Ich durfte dabei mehrere Positionen durchlaufen und alle Abteilungen kennenlernen. Zu der Zeit hatten wir eine tolle Mitarbeiterin im Bereich Human Resources, die mir gezeigt hat, wie kreativ das Gebiet sein kann, z. B. hinsichtlich Employer Branding oder Recruiting. Die Abwechslung und der permanente Austausch mit Menschen macht mir sehr viel Spaß. 

Was sind Ihre langfristigen Ziele? 

In unserem Betrieb leben wir das Motto „We all are family“, das direkt aus unserer Familie hervorgeht. Mein Ziel ist es, diesen Slogan auch wirklich zu verinnerlichen – egal wie groß wir als Unternehmen sind. Das soll nicht nur eine schöne Maske nach außen sein, sondern innendrin auch richtig gelebt werden. Das ist mir extrem wichtig. 

Haben Sie schon vor Ihrem offiziellen Einstieg ins Unternehmen mitentscheiden dürfen oder lag das bisher eher beim Rest der Familie? 

Also mitgeredet habe ich immer. In unserer Familie herrscht eine sehr offene Gesprächskultur. Es wird natürlich auch im privaten Umfeld viel über das Geschäft gesprochen und gerade größere, strategische Entscheidungen untereinander besprochen. Meine Eltern legen großen Wert darauf, die Meinung aller einzuholen und gleich abzuwägen. Bei ein paar externen Terminen, etwa in Wien, wo wir viele Partner haben, durfte ich zuletzt schon dabei sein und z. B. mitentscheiden, wie die künftigen Designgenerationen in unseren Hotels aussehen werden. 

Sie sind die Jüngste in der Familie, die aktiv in den Betrieb eingestiegen ist. Haben Sie das Gefühl, dass es Nachteile mit sich bringt als letzte dabei zu sein? 

Ich hatte anfangs schon die Befürchtung, dass ich im Nachteil sein könnte, denn der Altersunterschied zu meinen beiden älteren Brüdern ist relativ groß. Mittlerweile glaube ich, dass das sogar ein Vorteil ist. Bei uns gibt’s keinen Konkurrenzkampf aber natürlich kann es auch mal krachen, das gehört dazu. Mit meinen neun Jahren Unterschied zu Florian zählt dieser nämlich schon zu einer anderen Generation, da kann man schon mal anderer Meinung sein. Genau das ist aber auch das Schöne: Unser Vater ist sehr offen und möchte immer wissen wie unterschiedliche Altersgruppen denken und unsere Mutter legt großen Wert darauf, dass wir miteinander reden und gemeinsam Spaß haben. Am Ende finden wir stets einen Konsens, mit dem alle innerhalb der Familie zufrieden sind. 

Foto: Harry’s Home Holding AG/Aria Sadr-Salek

Im April 2022 übernahm sie die neu geschaffene Position Chief Sales Officer des Süßwarenunternehmens Josef Manner. Im ABW-Interview blickt sie auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück.

 

Sie sind seit April 2022 Manner CSO. Wie lautet Ihr bisheriges Resümee? 

Für den nationalen und internationalen Vertrieb bei einem so bekannten und vor allem beliebten Unternehmen wie Manner zu sein, macht mich sehr stolz und spornt mich jeden Tag an mein Bestes zu geben. Mit unseren Marktanteilen sind wir mehr als zufrieden, allerdings schlagen sich diese aufgrund der aktuellen Kostenstruktur nicht unbedingt im Gewinn nieder. 

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit?  

Mit meinem herausragenden Vertriebsteam – auch gerade in herausfordernden Zeiten – am Erfolg von Traditionsmarken wie Manner, Casali, Napoli, Ildefonso oder Victor Schmidt aktiv mitzuarbeiten ist großartig. Mit diesen Marken auch im Vertrieb den Brückenschlag Tradition und Moderne zu schaffen ist für mich eine der wichtigsten Tätigkeiten. 

Welche Herausforderungen haben für Sie dieses Jahr Priorität? 

Unsere Marken im In- und Ausland – von den Klassikern bis zu den Innovationen – noch besser zu positionieren und weiterhin zu wachsen hat oberste Priorität. Gerade im Export, vor allem im wichtigsten Exportland Deutschland, sehe ich enormes Potenzial für Manner. Aber auch in Österreich gilt es im Handel die Nr. 1 Position im Waffelmarkt zu verteidigen und abseits dieses Kanals für Konsumenten neue Erlebnis-Orte für Manner zu finden, wie etwa in unseren neuen Pop-Up Stores oder am Christkindlmarkt am Rathausplatz. 

Ihre Wünsche und Ziele für 2023? 

Mein persönlicher Wunsch ist sicherlich Frieden und Unabhängigkeit für die Ukraine. Es ist schrecklich, was in diesem Land passiert. Beruflich – und das hängt auch mit dem Kriegsausbruch vom 24. Februar 2022 zusammen – wünsche ich mir eine Kehrtwende bei den enormen Preisen, denen Manner am Rohstoff-, Verpackungs-, Transport- und Energiemarkt gegenübersteht. 

Foto: Manner/Noll

Seit Oktober des Vorjahres ist sie Vorstandsmitglied der bank99 und hat die einmalige Chance, die noch junge Bank im Aufbau zu begleiten.

 

„Ich bin Vorstandsmitglied in der bank99 und darf die Strategie zur Weiterentwicklung der Bank aktiv gestalten. Dazu gehören neben der Omnikanal-Produktstrategie, die Digitalisierung und IT-Agenden sowie der Ausbau unserer Vertriebskanäle. Die Aufgabe ist spannend und dynamisch, denn die Chance, eine Bank im Aufbau zu begleiten, ist in Österreich in dieser Dimension einzigartig“, so Patricia Kasandziev über ihre neue Tätigkeit.

Es herrscht Startup-Feeling
Besonders faszinieren sie die kurzen Entscheidungswege, die man mit der Mehrheitseigentümerin, der Post, hat sowie die Freiheiten und Umsetzungsmöglichkeiten, die es nur in einer sich im Aufbau befindlichen Bank gibt. Gleichzeitig habe man die Chance, auf das größte zentral geführte stationäre Netzwerk zuzugreifen und so den Kunden neben Verfügbarkeit auch beste digitale Services anzubieten.

„Außerdem gibt es der bank99 kaum festgefahrene Strukturen und ein junges, motiviertes Team voller Ideen und Visionen. Ich finde die überschaubare Größe und die flachen Hierarchien erfrischend, man kennt einander, niemand ist anonym. Es herrscht ein Startup-Feeling, das entspricht meiner Persönlichkeit. Ich liebe es Geschäftssegmente und Teams von der Picke auf zu begleiten“, so die Digitalisierungsexpertin.  

Passende Lösungen für jede Zielgruppe 

Die technische Integration zweier Kernbankensystemen, die Harmonisierung und Weiterentwicklung der Produktpalette und der Ausbau der stationären und digitalen Vertriebskanäle, seien derzeit die größten Herausforderungen.

„Mein Ziel ist es, genau die richtigen Lösungen für die jeweiligen Zielgruppen – von der Filiale bis zum Online only-Kunden – zu bieten. Darüber hinaus liegt mir sehr viel an der Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur, der Förderung junger Mitarbeiter und vor allem engagierter Frauen, um ein attraktiver Arbeitgeber für all jene zu sein, die etwas bewegen wollen“, so Kasandziev, die sich für das kommende Jahr vor allem Gesundheit, Sicherheit und Stabilität wünscht.

Und natürlich ein Ende des Krisenmodus, in gesundheitlichem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Sinne. Ihr berufliches Ziel: „Die bank99 kommerziell erfolgreich zu machen und den begonnenen beeindruckenden Wachstumskurs weiter fortzusetzen. Ich möchte die Bekanntheit der bank99 steigern und so viele Kunden wie möglich vom beste Preis-Leistungsangebot im Retailbanking überzeugen.“

Zur Person

Für Patricia Kasandziev bedeutet die neue Aufgabe einen weiteren Karrieresprung vom Head of Digitalisation, Produkte & Prozesse bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien in die höchste Managementebene der bank99. Kasandziev hat sich dort zuletzt als Schnittstellenmanagerin zwischen Business und IT einen Namen gemacht. Ihre Schwerpunkte lagen auf dem Produkt- und Prozessmanagement für alle Kanäle und Geschäftssegmente sowie den digitalen Plattformen. Neben der Verantwortung für mehr als 200 Mitarbeiter*innen und der Transformationsunterstützung der 47 lokalen Raiffeisenbanken in Niederösterreich war die studierte Betriebswirtin zudem Aufsichtsratsmitglied der Raiffeisen Service Center Gesellschaft. Davor war sie in einschlägigen Managementfunktionen bei BAWAG und Volksbanken tätig.

Foto: bank99/Vyhnalek

Warum in Europa mehr Halbleiter und Mikrochips hergestellt werden müssen und wie Frauenförderung funktionieren kann, weiß die Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria.

 

Was macht den Erfolg von Infineon aus?

Mit unseren Energiesparchips bieten wir essenziellen Bausteine für eine klimaneutrale und digitalisierte Welt.Erneuerbare Energien wie Wind- oder Solarstrom, die Elektromobilität, Rechenzentren und die zunehmende Bedeutung der Sicherheit in einer vernetzten Welt – all diese Themen brauchen Halbleiter. Die hohe Nachfrage unterstreicht den strategischen Wert einer regionalen Produktion wie unserer in Villach. Gleichzeitig setzen wir kontinuierlich auf Forschung und Entwicklung sowie die neuen Halbleitermaterialien Siliziumkarbid und Galliumnitrid. Sie können Energie noch effizienter wandeln und bringen einen weiteren Schub an Energieeffizienz und CO2-Einsparung. Eines hat sich bestätigt: Infineon ist strategisch gut aufgestellt und bietet Lösungen für eine nachhaltige Zukunft.

Frauenförderung ist ein wichtiges Thema für Infineon. Was tut das Unternehmen in diesem Bereich?

Diversität ist ein unbestrittener Erfolgsfaktor, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Frauen sind heute so gut ausgebildet wie nie zuvor. Es braucht daher entsprechende Rahmenbedingungen und Angebote. Wir bieten sie. Zum interessanten Job mit vielen Karrieremöglichkeiten sind bei uns Chancengleichheit, flexible Arbeitszeiten, Aus- und Weiterbildungen auch online, Homeoffice und Teilzeit-Möglichkeiten, Kinderbetreuung genauso selbstverständlich wie Gesundheitsförderprogramme und die Unterstützung bei der Ansiedelung. Es geht uns aber auch um das Aktivieren und Begeistern für Technik. Das tun wir beim „Girls Day“ für junge Mädchen bis hin zum „Frauen-Förderpreis für Digitalisierung und Innovation“. Wir haben ihn 2022 erstmalig gemeinsam mit dem ORF gestartet, um die Leistungen von Frauen aus unterschiedlichsten MINT Anwendungsbereichen vor den Vorhang zu holen. Die Resonanz war sehr groß und zeigt das Potenzial von Frauen in der Technik. 

Viele Mikrochips kommen aus dem asiatischen Raum, entsprechend groß ist die Abhängigkeit von den Herstellern. Wie kann diese einseitige Abhängigkeit abgebaut werden?

Halbleiter und Mikrochips sind strategische Schlüsseltechnologien für viele Anwendungen und Industrien. Mit dem Chips Act hat Europa die Chance, souveräner und handlungsfähiger zu werden. Europa befindet sich in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht in einem globalen Wettbewerb. Der Chips-Act ist ein richtiger und wichtiger Schritt, um in Europa ein Halbleiterökosystem auf globalem Spitzenniveau zu schaffen und einseitige Abhängigkeiten abzubauen. Jetzt gilt es, rasch umzusetzen. Die USA investieren 52 Milliarden Dollar, China 150 Milliarden Euro. Und Europa 43 Milliarden.

Ein Großteil soll aus nationalen Mitteln kommen, was besonders für kleine EU Mitgliedsländer schwierig ist. Umso wichtiger es, dass die Mitgliedsländer nicht nur im Eigeninteresse agieren. Bei den inhaltlichen Schwerpunkten braucht es die Förderung der gesamten Innovationskette, von der Forschung über das Chipdesign, Software, Produktion als auch die europäischen Abnehmermärkte. Europa ist dann erfolgreich, wenn wir auf Innovation, Forschung und Technologie setzen. Und es braucht die nötigen Fachkräfte.  

Ihre Wünsche für 2023?

Dass wir den Klimawandel, die Energiewende und die Veränderung unserer Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit aktiv angehen. Ich wünsche mir, dass wir als Einzelne und noch viel mehr als Gesellschaft wieder die Zuversicht entwickeln und stärken, die Aufgaben unserer Zeit gut bewältigen zu können. Es geht mir um die „Can do“ Haltung als Gegenbewegung zu der weitverbreiteten negativen Sicht auf die Welt. Wir hatten noch nie so viel Wissen und technologisches Know-how wie heute. Technologie und Innovation leisten ganz zentrale Beiträge. Wir können auch diese große Aufgabe gut lösen, wenn wir sie gemeinsam und fokussiert angehen. Bei Infineon geben wir täglich ein Beispiel dafür, mit unseren Produkten, Technologien und unserem Verhalten, mit dem wir zu einer nachhaltigen und lebenswerten Zukunft beitragen. Es geht also um das konkrete positive Tun.

Foto: Infineon Austria

Modernität, aber vor allem Verantwortungsbewusstsein zählen für sie zu den wichtigsten Elementen in der Politik. Darüber hinaus spielt Nachhaltigkeit für sie persönlich eine große Rolle.

 

Die derzeitige größte Herausforderung ist die mit der hohen Inflation einhergehende Teuerungswelle. Hier werden laufend neue Maßnahmen ergriffen, um den Menschen in Österreich gezielt zu helfen. Wir nehmen die Ängste und Sorgen sehr erst und ergreifen aktiv Maßnahmen, um den Menschen zu helfen. Neben dem Anti-Teuerungspaketen kommt nun auch die Strompreisbremse, welche eine echte Entlastung werden wird“, sagt Martina Kaufmann.

Fokussiert und akribisch arbeiten

Als Bereichssprecherin für die Berufsausbildung und Lehre, sei es ihr Hauptanliegen diese zu fördern und auch zu stärken. Man habe in der Vergangenheit schon einige große Sprünge machen können, aber habe auch noch einiges an Arbeit vor. Durch das steigende Wirtschaftswachstum brauche Österreich in den kommenden Jahren deutlich mehr Fachkräfte als bisher. Diese seien unerlässlich für den Erhalt des Wohlstandes im Land. Daher würden laufend Lehrberufsbilder modernisiert und an die Herausforderungen der heutigen Zeit angepasst, das Berufsausbildungsgesetz wurde novelliert und die Lehre habe heute einen wesentlich höheren Stellenwert als noch vor einigen Jahren.

Darüber hinaus werde, mit der Einführung der Höheren Beruflichen Bildung, ein Weg geschaffen, welcher für eine nahtlos an die Lehre anschließende berufspraktische Höherqualifikation bis auf tertiäres Niveau ermöglicht. Dies eröffne dem bewährten System der dualen Berufsausbildung eine neue Dimension, die persönliche Weiterentwicklung und fachspezifische Weiterbildung in den Mittelpunkt stelle.

„Es liegt schließlich an uns, eine gesicherte Zukunft unserer Kinder zu schaffen und Bildung ist das Fundament für ein sinnerfülltes Leben“, sagt Kaufmann, an der auch die derzeit weitverbreiteten Negativ-Schlagzeilen nicht spurlos vorbei gehen. „Wichtig ist aber einmal mehr, sich davon nicht irritieren zu lassen, sondern weiterhin fokussiert und akribisch zu arbeiten. Die derzeitige Bundesregierung kämpft mit allerlei Problemen, die es bis dato in der Zweiten Republik noch nicht gegeben hat. Unter Berücksichtigung dieser Umstände bin ich der Meinung, dass wir angemessen auf die Probleme unserer Zeit reagieren. Politik lebe, so Kaufmann, nach wie vor vom offenen Diskurs. „Kontinuierliches Schlechtreden jeglicher Ideen ist meines Erachtens wenig zielführend. Vielmehr rate ich allen Menschen, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen. Es liegt an jeder und jedem Einzelnen etwas zu bewegen beziehungsweise zu ändern.“

Foto: Parlamentsdirektion/Photo Simonis

Sie steht seit November 2022 als Geschäftsführerin an der Spitze des Pharmakonzerns Pfizer Corporation Austria. Ein Interview über die schönen Seiten des Berufs und die größten Herausforderungen.

 

Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihr neues Aufgabengebiet?

Wir versorgen Österreich mit rund 100 verschiedenen Arzneimitteln. Zur Behandlung von z.B. Krebs, Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und von Seltenen Erkrankungen. Also mit Medikamenten, die Leben retten und Leben verlängern können. Wir engagieren uns auch stark in der Neu- und Weiterentwicklung unserer Impfstoffe. Und nicht zuletzt ist meine Aufgabe als Geschäftsführerin der Pfizer Corporation Austria, für unsere 220 Mitarbeiter da zu sein.

Was schätzen Sie an Ihrem Job, wie sieht Ihre Arbeitsweise aus?

Das Schönste an meinem Beruf ist, dass wir Menschen helfen können. Ich komme aus dem Bereich „Rare Diseases“ – also aus der Erforschung und Behandlung von seltenen Krankheiten. Spätestens seit der Pandemie kennen fast alle Menschen den Namen „Pfizer“. Wir haben bewiesen, dass wir in auch in einer Krise, die die ganze Welt in Atem hält, verlässlich und zuverlässig arbeiten; dass wir den Fortschritt in der Medizin in Rekordzeit vorantreiben. Das spürt man auch in unserem Team: Wir haben großartige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich weiß, dass wir am besten sind, wenn wir ihnen möglichst viel Eigenverantwortung und Freiraum geben. Gegenseitiges Vertrauen, Respekt und Wertschätzung sind die Basis für ein erfolgreiches Miteinander.

In welchen Bereichen sehen Sie in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen?

Die riesigen Fortschritte, die wir in der pharmazeutischen Forschung in den vergangenen Jahren gemacht haben, kommen manchmal noch nicht schnell genug bei den Menschen an. Da müssen wir noch besser werden und den Zugang zu innovativen Arzneimitteln beschleunigen. Und die Medizin muss schneller und genauer mit den Diagnosen werden, damit wir auch mit den Mitteln helfen können, die wir entwickeln. Aus meiner Erfahrung im Bereich der seltenen Erkrankungen weiß ich: Die besten Medikamente helfen nichts, wenn sie im Lager liegen bleiben, weil die Diagnose fehlt.

Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig? 

Diversität und Inklusion! Ich habe selbst nie in eine Schublade gepasst und ich bin überzeugt, dass wir als Gesellschaft viel besser sind, wenn wir andere nicht in Schubladen zu stecken versuchen. Vielfalt und Chancengleichheit machen jede Gesellschaft stärker – und jedes Unternehmen. Je unterschiedlicher die Menschen im Team sind, desto besser und kreativer werden die Lösungen. Also müssen wir weiter Vorurteile abbauen und Rollenklischees knacken. Als Alleinerzieherin an der Spitze eines Unternehmens weiß ich, was es heißt, sich den Weg hierher zu erarbeiten. Und damit versteht es sich von selbst, dass ich mich für Fairness und Gleichstellung einsetze.

Ihre Wünsche und Ziele für 2023? 

Ich freue mich sehr, nun bei der Pfizer Corporation Austria ein hervorragend aufgestelltes Team zu leiten und mit diesem den starken Wachstumskurs des Unternehmens voranzutreiben. Und nachdem ich jetzt in Wien angekommen bin, werde ich dieses Jahr nützen, um ganz Österreich zu entdecken und kennen zu lernen.

Zur Person

Nicole Schlautmann ist seit November 2022 neue Geschäftsführerin der Pfizer Corporation Austria. Die diplomierte Biologin bringt nach beruflichen Stationen in Paris und New York internationale Erfahrung mit und war bis vor kurzem Geschäftsführerin des Bereichs Rare Diseases (Seltene Erkrankungen) bei Pfizer in Deutschland. Sie ist Mutter einer zehnjährigen Tochter. 

Foto: Pfizer

Die Vorstandsvorsitzende der BKS Bank blickt zurück auf ein überaus erfolgreiches Jahr in dem auch ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert wurde.

 

Ihr Resümee des  Geschäftsjahres? 

Wir sind mit der Entwicklung in unserem Jubiläumsjahr sehr zufrieden. Im ersten Halbjahr konnten wir uns über ein Plus bei Bilanzsumme, Krediten und Primäreinlagen freuen. Die eigenen Emissionen überschritten erstmals eine Milliarde EUR. Die gute Entwicklung zeigt, dass wir von unseren Kunden als verlässlicher Bankpartner und als verantwortungsbewusste Emittentin geschätzt werden.  Die hohe Inflation und parallel dazu die steigenden Zinsen reduzieren jedoch die Investitionsbereitschaft bei Privat- und Firmenkunden. 

Wie wirken sich der Ukraine-Konflikt und die Inflation auf den Veranlagungsbereich aus? Ihre Empfehlungen für jene, die auf Termin- und Sichteinlagen verzichten wollen? 

Wir bewegen uns in einem sehr anspruchsvollen Anlageumfeld. Die hohe Inflation und die rasche Zinswende beeinflussen den Kapitalmarkt. Der Krieg in der Ukraine verunsichert Mensch und Wirtschaft. Es gilt mehr denn je, einen kühlen Kopf zu bewahren, aber auch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Da der Kapitalmarkt immer zukünftige Ereignisse vorwegnimmt, ist es nicht unrealistisch, dass sich die Märkte trotz der schwierigen Rahmenbedingungen demnächst wieder stabilisieren und positiv entwickeln werden. Umso wichtiger ist es, sich professionell beraten zu lassen. Die Veranlagungsexperten der BKS Bank informieren über das aktuelle Kapitalmarktgeschehen und über alternative Veranlagungsmöglichkeiten.

Die Empfehlung lautet, weiterhin auf breite Diversifikation wie beispielsweise vermögensverwaltende Fonds – wie der BKS Anlagemix konservativ*, den BKS Anlagemix dynamisch*, oder der BKS Portfolio Strategie nachhaltig* - zu setzen. Das Anlagespektrum hat sich für konservative Anleger merklich verbessert. Anleihen werfen aktuell Renditen ab, die man seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat. Höhere Erträge sind aber weiterhin nur mit höherer Risikobereitschaft zu erreichen. Der Veranlagungshorizont spielt dabei eine wesentliche Rolle. 

Was waren für Sie die Highlights des Jahres 2022? 

Das Jahr stand ganz im Zeichen unseres 100-jährigen Jubiläums. Wir haben dieses dazu genutzt, uns bei unseren Kunden, Partnern, Mitarbeitern und Führungskräften im Zuge eines Festreigens herzlich zu bedanken. Darüber hinaus wurde die Erfolgsgeschichte der BKS Bank in einer umfangreichen Chronik dokumentiert. Gegründet als reine Unternehmerbank, hat sich die BKS Bank zu einem international agierenden Konzern entwickelt. Gefestigt haben wir auch unsere Position als eine der nachhaltigsten Banken weltweit. Unser erfolgreiches Natur & Zukunft-Konto, bei dessen Neuabschluss jeweils ein heimischer Baum gepflanzt wird, wurde mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Finanzprodukte ausgezeichnet.

Vor wenigen Tagen haben wir unseren ersten Sustainability Bond emittiert, der soziale und ökologische Aspekte vereint und dessen Emissionserlös in die Errichtung eines Gesund-heitszentrums in St. Pölten investiert. Auch in Sachen Digitalisierung sind wir weiterhin mit Volldampf unterwegs. Die Digitalisierung des hochkomplexen Firmenkundenkreditprozesses schreitet ebenso gut voran, wie weitere Digitalisierungsschritte im Wertpapier- und Leasinggeschäft. Hinter unserem Engagement steht die Überzeugung, dass stete Weiterentwicklung die Basis für künftigen Erfolg ist. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, Zukunftsthemen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Kunden honorieren diesen Einsatz: Seit Jahresbeginn konnte die Zahl an Neukunden sowohl im Firmen- als auch Privatkundenbereich kontinuierlich gesteigert werden. 

Welche Zukunftsthemen sind der BKS Bank auch 2023 besonders wichtig? 

Als zukunfts- und lösungsorientiertes Unternehmen ist unser Blick immer nach vorne gerichtet. In der Nachhaltigkeit wollen wir unseren Wettbewerbsvorsprung halten und sind daher der Green Finance Alliance beigetreten. Unter anderem ist dafür bis 2050 eine Ausrichtung unserer Kredit- und Investmentportfolios am 1,5 Grad-Klimaschutzziel erforderlich. Dass wir uns dieser Herausforderung stellen, sehen wir auch als Bereicherung für unsere Kunden. Viele von ihnen sind selbst im Transformationsprozess. Da ist es gut, einen Bankpartner zu haben, mit dem man sich auf Augenhöhe austauschen kann. 

2022 gab es Grund zu feiern: 100 Jahre BKS Bank. Ihr Wunsch für die kommenden Jahrzehnte? 

Die BKS Bank hat seit ihrem Gründungsjahr zahlreiche Herausforderungen mit einer vorausschauenden Geschäftspolitik, hoher Innovationskraft und großem Mut zu Veränderung gemeistert. Diesen Weg werden wir fortsetzen und unseren Kunden weiterhin mit qualitativ hochwertigen Bankdienstleistungen zur Seite stehen. Darüber hinaus streben wir Klimaneutralität an. Die Wende hin zu einer kreislaufbasierten und nachhaltigen Wirtschaft ist eingeleitet. Wie der letzte Klimagipfel allerdings gezeigt hat, sind wir von der Erreichung dieses Zieles noch weit entfernt. Wenn ich mir also etwas wünschen darf, dann, dass uns diese Wende gelingt und dass die BKS Bank auch in den nächsten 100 Jahren als selbständiges und unabhängiges Bankinstitut am Markt vertreten ist.  

Ihr persönliches Fazit zu 2022? 

Ein Jahr voller Dankbarkeit, aufgrund unseres 100-jährigen Jubiläums. Ein Jahr voller Freude und großer Erfolge, aber auch ein Jahr der Ernüchterung und der Verunsicherung. Wir sind an einem Wendepunkt angelangt, der von uns allen größte Aufmerksamkeit abverlangt. 

Foto: Gernot Gleiss

*Disclaimer: Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung. Die Angaben dienen lediglich der unverbindlichen Information und ersetzen keinesfalls die Beratung für den An- oder Verkauf von Wertpapieren. 

Die Präsidentin von Henkel Österreich über extreme Teuerungen, neue Strategien und Pläne für das Geschäftsjahr 2023.

 

„Ein Jahr wie 2022 habe ich in meinen über 30 Jahren bei Henkel noch nicht erlebt. Es war sehr herausfordernd: vom Ausbruch des Krieges in der Ukraine über die Energiekrise und massiv gestiegenen Materialkosten bis hin zu Inflationsraten, wie wir sie in Europa seit Jahrzehnten nicht mehr gekannt hatten“, sagt Mag. Rechberger-Krammer. Durch großen Teamgeist habe man es aber geschafft, umsatzmäßig organisch zu wachsen und in vielen Bereichen die Marktpositionen auszubauen.

Gewaltiger Preisanstieg

Groß seien die Herausforderungen bei den Rohstoff-, Material-, Energie- und Logistikkosten. „Wir rechnen dieses Jahr mit erhöhten Kosten für unseren direkten Materialien von rund zwei Milliarden Euro. Im Jahr 2021 lag die Teuerung bei einer Milliarde Euro. Und in der Dekade davor beliefen sich die Kostensteigerungen im Schnitt auf rund 100 Million Euro pro Jahr. Daran erkennt man die besondere Dramatik der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, so die Präsidentin Henkel Österreich, die jüngst zusätzlich zu Laundry & Home Care die Europa-Agenden für Beauty Care übernommen hat.

„Wir schaffen damit einen großen Konsumgüterbereich – die zukünftigen Henkel Consumer Brands –, der mit einem Umsatz von global zehn Milliarden Euro gleichzusetzen ist. Damit wollen wir Synergien schaffen, effizienter und agiler werden. Das ist gerade in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Aus beiden Geschäftsbereichen soll etwas komplett Neues entstehen, also muss für uns 1 plus 1 nicht 2, sondern 3 ergeben. Wir wollen das jeweils Beste aus unseren beiden Konsumgüterwelten nutzen“, sagt Rechberger-Krammer und definiert ihre Wünsche für dieses Jahr: „Ich wünsche mir Frieden in Europa, also ein rasches Ende des Krieges in der Ukraine. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir im kommenden Jahr die Pandemie endgültig hinter uns lassen können. Ganz oben auf meiner Wunschliste steht der ökologische Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts des Klimawandels können und dürfen wir es uns nicht länger leisten, diese Neuausrichtung weiterhin auf die lange Bank zu schieben. Ziel für Henkel, Ziel für uns ist es, mit Hilfe unserer „Purposeful Growth“-Strategie durch unsere innovativen Produkte, Marken und Technologien zu diesem Veränderungsprozess positiv beitragen zu können.“

Foto: © Jahr Henkel AG & Co. KGaA. Alle Rechte vorbehalten

 

Die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie über die Stabilisierung der Energiemärkte, den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung und Blackout-Ängste.

 

Hohe Energiepreise belasten derzeit nahezu jeden Haushalt – welche Möglichkeiten seitens der E-Wirtschaft gibt es, um Preisspitzen zu verhindern?

Wir sehen derzeit verschiedenen Ansätze. Die österreichische Bundesregierung hat mit dem Energiekostenausgleich und dem Aussetzen der Ökostromfinanzierung früh Maßnahmen gesetzt, jetzt kommt noch der Stromkostenzuschuss dazu. Über diese Maßnahme werden in den kommenden Monaten Haushalte bis zu einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden entlastet.

Auch wenn wir diese Unterstützungsmaßnahmen grundsätzlich begrüßen – mittelfristig sprechen wir uns für einen direkten Eingriff in den Strommarkt aus, durch den Preisspitzen bereits an den Börsen abgefangen werden können. Das würde die Energiemärkte nachhaltig stabilisieren und Unternehmen schnell und direkt entlasten. Dabei ist für uns wesentlich, dass ein derartiger Eingriff europaweit und zeitlich klar begrenzt erfolgen muss.

Der Strombedarf wird in den kommenden Jahren massiv steigen, auch im Hinblick auf E-Mobilität/Verkehr und Umstellung von Heizsystemen. Wie soll dieser Mehrbedarf gedeckt werden?

Wir gehen davon aus, dass sich der Strombedarf in den kommenden zwei Jahrzehnten gegenüber heute etwa verdoppeln wird. Damit wir diese wachsende Nachfrage zu jedem Zeitpunkt – und zu jeder Jahreszeit – decken können, müssen wir den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung rasch vorantreiben. Dafür müssen die Energieversorger umfassende Investitionen tätigen.

Wir gehen davon aus, dass allein für die Erreichung der Ziele 2030 Investitionen von deutlich über 40 Mrd. Euro in Kraftwerke und Netze erforderlich sind. Es ist daher wesentlich die Finanzkraft und damit die Investitionsfähigkeit der Branche zu sichern. Bei allen berechtigten Diskussionen über den richtigen Umgang mit Zufallsgewinnen, darf nicht vergessen werden, dass nur ein massiver Ausbau der heimischen Stromerzeugung langfristig und nachhaltig für günstigere Strompreise sorgen wird. Klar ist allerding auch, dass es neben dem Ausbau der Erzeugung auch deutliche Verbesserungen im Bereich der Energieeffizienz brauchen wird, wenn wir das Ziel der Klimaneutralität erreichen wollen.

Das Thema „Blackout“ ist in aller Munde – wie sicher dürfen wir uns diesbezüglich in Österreich fühlen?

Die Themen Blackout und Versorgungssicherheit sind derzeit allgegenwärtig, die Verunsicherung wächst – angesichts der Energiekrise, die wir erleben ist diese Entwicklung nicht verwunderlich. Mit einer Versorgungssicherheit von über 99,9 Prozent konnte  Österreich in den vergangenen Jahren auch im internationalen Vergleich eine Spitzenposition halten – seit den 50er Jahren gab es bei uns kein Blackout mehr.

Der steigende Strombedarf und die Energiewende führen zu strukturellen Veränderungen, die unsere Netze fordern und das Stromsystem unter Druck setzen. In diesem Zusammenhang muss betont werden, dass wir hier von mittelfristigen Herausforderungen sprechen – kurzfristig sehen wir keine eindeutigen Anzeichen für ein steigendes Blackout-Risiko. Umgekehrt lässt sich die Gefahr eines Blackouts aber auch nie vollständig bannen. Es ist aus unserer Sicht daher durchaus sinnvoll, wenn das öffentliche Bewusstsein für diese Bedrohung geschärft wird.

Stichwort „Erneuerbare Energiequellen“: Warum dauert die Umsetzung so lange?

Unsere Energie- und Klimaziele sehen vor, dass der Strom, der in Österreich benötigt wird, bis 2030 auf das Jahr betrachtet vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt. Dass wir bei der Erreichung dieses Ziels nicht die Fortschritte machen, die wir uns wünschen würden, hat mehrere Gründe.

Obwohl wir in den vergangenen Monaten einen klaren Trend hin zu mehr öffentlicher Akzeptanz erkennen, gibt es in vielen Gebieten öffentlichen Widerstand gegen die Errichtung von Windrädern, Photovoltaikanlagen oder Wasserkraftwerke. Gleichzeitig mangelt es an geeigneten Flächen. Hier müssen wir insbesondere die Länder und Gemeinden ins Boot holen, die für die Raumordnung zuständig sind.

Wenn wir den Ausbau beschleunigen wollen, müssen wir alle erneuerbaren Potenziale im Land nutzen. Außerdem haben wir immer noch mit überlangen Genehmigungsverfahren zu kämpfen. Wenn die Genehmigung eines Windparks oder eines größeren Leitungsprojekts acht Jahre dauern kann, dann ist klar, dass sich ein Ausbau in diesem Tempo nicht ausgehen wird. Dass nun Bewegung in dieses Thema kommt, sehen wir positiv. Es bleibt allerding zu hoffen, dass die bereits angekündigten Verbesserungen nun auch rasch umgesetzten werden. 

Was ist Ihr Fahrplan für die kommenden Jahre?

Für uns und unsere Unternehmen ist der Fahrplan für die kommenden Jahre klar, die Ziele sind bekannt: Bis 2030 soll Österreich vollkommen mit erneuerbarem Strom versorgt werden, 2040 soll die Klimaneutralität erreicht werden. Die E-Wirtschaft spielt bei beiden Zielen eine Schlüsselrolle.

Klar ist aber auch, dass wir diese Ziele nur erreichen können, wenn alle Stakeholder an einem Strang ziehen und die Anstrengungen in allen Bereichen deutlich erhöht werden, denn es geht schlussendlich nicht nur um die Errichtung von neuen Kraftwerken. Was wir in den kommenden Jahren vor uns haben, ist ein tiefgreifender Umbau unseres Energiesystems, der neben der Energiewirtschaft auch eine Reihe anderer Bereiche betrifft – von der Mobilität bis hin zur Industrie. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau und dem Ausbau der Netze werden wir dafür die Grundlage schaffen. Diese Themen haben für uns daher oberste Priorität.

Ihr Wünsche und Ziele für 2023?

Zuerst wünsche ich mir, dass wir gut durch den Winter kommen. Wir sind für die kommenden Monate zwar gut gerüstet und unsere Gasspeicher sind gut gefüllt, die Situation ist aber weiterhin angespannt.

Für das nächste Jahr wünsche ich mir eine Stabilisierung der Lage im Energiebereich. Obwohl absehbar ist, dass es keine schnelle Rückkehr den günstigen Preisen der vergangenen Jahre geben wird, würde ich mir im nächsten Jahr eine Phase der Entspannung wünschen. Im Hinblick auf unsere Ziele und ihre Erreichung würde ich mir wünschen, dass die vielen Gesetzesvorhaben, die mittlerweile angekündigt wurden, nun auch rasch beschlossen werden. Denn die Uhr tickt und es wäre nun wirklich an der Zeit die Weichen in Richtung Energiezukunft zu stellen.

Foto: Oesterreichs Energie

Die IAKW-AG-Vorständin blickt zurück auf ein spannendes, abwechslungsreiches und sehr erfolgreiches Kongressjahr.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Geschäftsjahr 2022 und wie gut wurden die Großveranstaltungen dieses Jahres angenommen/besucht?

Das heurige Jahr hat uns ganz deutlich gezeigt: Veranstalter und Teilnehmer sehnen sich wieder nach direktem Austausch vor Ort! 2022 fanden im Austria Center Vienna neun Groß-Kongresse mit mehr als 2.000 Personen statt. Die beiden größten Kongresse waren der Kongress der Radiologen (ECR) im Juli mit 15.000 und der Kongress der Geowissenschaften (EGU) Ende Mai mit über 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Ort.

Die Teilnehmerzahlen bei Großkongressen sind zwar noch durchschnittlich rund 30 Prozent unter denen vor Corona – allerdings stellen sie einen gewaltigen Sprung gegenüber dem Vorjahr dar. Außerdem muss man als Location auch eine parallele virtuelle Teilnahme auf höchstem Standard ermöglichen. Wir haben die letzten zwei Jahre massiv in das Gebäude und die Digitalisierung investiert - und ernten nun bereits die ersten Früchte durch die deutlich gestiegene Auslastung unserer 19 Säle, 180 Räume und 5 Hallen. 

Als Kongress-Managerin in komplexen Zeiten sind Sie krisenerprobt – hat sich der Arbeitsalltag mittlerweile wieder normalisiert oder herrscht nach wie vor Unsicherheit?

Wir möchten natürlich so schnell wie möglich wieder das Niveau von vor Corona erreichen und sind bereits auf einem guten Weg. Bei der Anzahl der Internationalen Kongresse werden wir schon in den kommenden Jahren in ähnliche Sphären vordringen. Allerdings befindet sich die Branche nach wie vor im Wandel.

Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird sich zukünftig auf den Kongressort und die virtuelle Welt aufteilen. Die Branche ist daher gefordert, umzudenken und kleinteiligere, kreativere und nachhaltigere Angebote zu schaffen. Auch die langfristige Planbarkeit gehört der Vergangenheit an – Flexibilität und Kulanz sind Grundvoraussetzung, um internationale Kongresse zu gewinnen und langfristig zu halten. Der gesamte Kongressstandort Wien hat besonders in der Krise bewiesen, dass man in der Lage ist, diese Herausforderungen anzunehmen. Im heuer veröffentlichten „ICCA-Ranking 2021“ liegt Wien seit 2012 erstmalig wieder auf Platz 1 weltweit – wir sind also absoluter „Kongresskaiser“. 

Ihr ganz persönliches Business-Highlight des Jahres?   

Ein besonderes Highlight war sicherlich das Comeback des europäischen Radiologenkongresses (ECR), dem traditionell größten medizinischen Kongress in Österreich. Dieser fand heuer ausnahmsweise im Sommer statt und zeigte auf sensationelle Art und Weise, wie der „Kongress der Zukunft“ aussehen kann: Nämlich nachhaltig, digital und als ein großes Festival für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dabei wurden komplett neue Raumkonzepte vorgestellt ­– weg von großen Hallen, in denen Stand an Stand steht – hin zu exklusiven Brand-Erlebniswelten.

Sowohl virtuellen Gästen als auch Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Ort wurde ein emotionales Gesamterlebnis geboten – vergleichbar mit einer Kino-Produktion. Außerdem war der ECR auch ein tolles Beispiel für die Verbindung von Indoor und Outdoor. Veranstaltungen finden zunehmend nicht nur drinnen, sondern in Kombination auch draußen statt. Die Pandemie hat diesem Trend einen Turbo verpasst. Mit der Begrünung unserer Terrassen und Freibereiche haben wir die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen, damit Kongresse zukünftig nicht nur in der „klassischen Kongresssaison“ – also im Frühjahr und Herbst – sondern auch im Sommer funktionieren.

Welche Herausforderungen haben für Sie in den kommenden Jahren Priorität?

In den vergangenen Jahren haben wir es als Team geschafft, das Austria Center Vienna als internationale Topadresse für Großkongresse zu etablieren. Außerdem konnten wir als verlässlicher Partner für nationale Großprojekte wie dem EU-Ratsvorsitz, als größtes Impf- und Testzentrum und als Beratungsstelle für Geflüchtete aus der Ukraine einen wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag leisten.

In den kommenden Jahren wird unser Fokus vor allem auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit liegen. Die Branche ist derzeit in einem massiven Umbruch und gemeinsam mit der gesamten Kongressdestination möchte ich dafür sorgen, dass Wien seinen weltweiten Spitzenplatz weiter ausbauen kann. 

Ihre Wünsche und Ziele für 2023?

Seit 2019 setzen wir bei laufendem Betrieb das größte Umbauprojekt der Unternehmensgeschichte um. Nachdem im Außenbereich bereits das donauSEGEL, der Panorama-Walk und das neue Zugangsgebäude fertiggestellt sind, konzentrieren wir uns derzeit auf die Modernisierung des Innenbereichs, heuer waren es die Eingangshalle sowie die Säle und Loungen.

Nun haben wir komplett neue Möglichkeiten: Früher waren Folierungen, Plakate oder Poster-Präsentationen in großer Stückzahl bei jedem Kongress Standard – diese wurden dann nach der Veranstaltung entsorgt. Als Österreichs erstes Green Conference Centre motivieren wir unsere Kunden, Ihre Veranstaltung als „Green Event“ durchzuführen. Mittlerweile haben wir über 300 Quadratmeter an buchbaren LED-Flächen in unserer Eingangshalle, wodurch das Branding nicht nur nachhaltiger, sondern auch interaktiv und spektakulär wird. 2023 erfolgt dann noch die Eröffnung unseres neuen Haupteingangs - als „Krönung“ der Modernisierungs-Arbeiten in den vergangenen Jahren. Ich freue mich schon sehr auf das neue Austria Center Vienna! 

Foto: acv.at/Ludwig Schedl

Ihr Rezept für erfolgreiche, bürgernahe Politik: Zunächst zuhören, dann nachdenken, dann viel laufen und Überzeugungsarbeit leisten.

 

Scharfen Gegensätze und tiefen Gräben in der Gesellschaft gelte es nun zu überwinden. „Ich fühle seit dem Beginn der Corona-Krise immer stärker, dass sich die Menschen voneinander entfernen. Für mich war es schockierend, wie sich Corona-Leugner, Impfgegner, Impfbefürworter, Quarantänebrecher, Wissenschaftler und Politiker begegnet sind. Von verbalen Entgleisungen, zu körperlichen Übergriffen. Letztlich verlief die Diskussion über Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit im Umgang mit der Krise hin zu einer nie für möglich gehaltenen Spaltung in der Gesellschaft. Dieser Konflikt muss aus meiner Sicht gelöst werden. Auch wenn es den Anschein hat, als wäre das Corona-Problem aus dem Alltag verschwunden, so bleibt dieser Riss bestehen“, sagt Cornelia Hagele, die auch einen Krieg vor unserer Haustüre für gänzlich ausgeschlossen hielt.

„Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat mein Weltbild gänzlich auf den Kopf gestellt. Europa, als prosperierender Ort des ewigen Friedens und des Wohlstands für alle Bürger, gehört wohl für immer der Vergangenheit an. Dieser Krieg betrifft uns alle. Wir alle müssen uns nun auf die drastisch geänderten Verhältnisse einstellen.“ Dabei müssten auch ungemütliche Wahrheiten angesprochen werden. Etwa von Wohlstandsverlust und Konsumverzicht. „Wir müssen uns gegen aggressive Kriegstreiber wehren. Diese Haltung ist unumstößlich. Umso widerlicher empfinde ich es, wenn nach dem 24. Februar 2022 so mancher Opportunist sich weiterhin an den Despoten im Kreml anbiedert und dessen Handeln verteidigt. Entweder wird verteidigen unsere Werte oder wir geben sie von vornherein auf. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage“, sagt die Juristin.

Sorgen erkennen und handeln

Als Politikerin kümmert sie sich um die Sorgen, Ängste und Probleme der Menschen. Daher sieht sie auch Negativschlagzeilen als Anregung, Probleme zu erkennen und zu handeln. 

„Ich empfinde es als Ansporn, Dinge besser zu machen und zu verbessern. Gerade die Politik-Verdrossenheit der Bevölkerung motiviert mich dazu, auf die Wählerschaft zuzugehen und sie davon zu überzeugen, dass nicht alle Politiker schlecht sind. Ich trachte danach, die Mitmenschen davon zu überzeugen, dass die schlechten Eigenschaften, welche auf Grund der vielen Schlagzeilen zu geschehenen oder lediglich erschriebenen Skandalen beinahe allen Politiker zugeschrieben werden, nicht richtig sind. Schwarzen Schafe mag es geben; diese gab es schon im antiken Athen. Von den schwarzen Schafen darf man aber nicht auf die weiße Schafherde schließen.“ Eine negative Haltung habe nie etwas zum Besseren gewandt. „Daher fordere ich alle Mitmenschen, die negativ über Politik sprechen, auf, sich selbst zu engagieren und Veränderung zu bewirken.“

Foto: Tiroler Volkspartei

  

Die hauptberufliche Lehrerin an der Volksschule Hermagor wünscht sich von den Menschen mehr Toleranz und den Mut selbst mitzugestalten.

 

Was ihr derzeit am meisten Sorgen bereitet, ist die zunehmende Aggressivität in der politischen – teilweise aber auch gesellschaftlichen – Kommunikation. In Zusammenhang mit dem Rückgang der Wahlbeteiligungen ergäbe sich aus ihrer Sicht daraus die derzeit größte Herausforderung.

„Hier müsste es dringend wieder zu einem Umdenken kommen, welches das Suchen nach dem gemeinsamen Nenner wieder in den Mittelpunkt stellt“, sagt Patterer, die davon überzeugt ist, dass man sich mit der Zeit in der Politik eine „dicke Haut“ aneignet.

Manche Nachrichten würden ihr trotzdem schlaflose Nächte bereiten, da sie eigentlich deshalb in die Politik gegangen sei, um das Leben der Menschen positiv zu beeinflussen. Ein wichtiger Ausgleich für sie ist der Sport und die Natur, hier kann sie am besten Energie tanken um Politik auf ihre Art zu machen: Ehrlich im Umgang mit ihren Mitmenschen, transparent für die Bevölkerung sowie solidarisch und gerecht für ein gemeinsamen Miteinander, denn eine Gesellschaft sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied. 

Foto: G. Gleiss

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