Interviews

Es war am 8. Juni 2015, als Gerhild Vanis das Gummistiefelhaus in der Strozzigasse/Ecke Lerchenfelderstraße eröffnete. Damit erblickte in Wien der erste Fachstore für Regenbekleidung weltweit das Licht der Modewelt.

 

„Es hatte gefühlte 30 Grad“, erinnert sich Gerhild Vanis an den 8. Juni 2015, jenen Tag, an dem sie das Gummistiefelhaus in der der Strozzigasse/Ecke Lerchenfelderstraße in Wien eröffnete. „Mein Team und ich arbeiteten den ganzen Tag in Stiefeln aus Naturkautschuk. Das war ein wirklicher Härtetest“, lacht Gerhild Vanis. Seither hat sich viel getan: Hier in Wien hat sich das Gummistiefelhaus mittlerweile als fixe Mode-Institution etabliert und einen Namen gemacht. „Es kommen auch immer wieder Touristen aus regenreichen Gebieten wie Norddeutschland, Holland, Skandinavien oder Irland zu uns und wundern sich, dass es bei ihnen zu Hause ein derartiges Fachgeschäft nicht gibt“, zeigt sich Vanis bestätigt, was das Potenzial ihrer Geschäftsidee angeht.

Die Regenmodekollektion 2018 mit einer enormen Auswahl an superschicken Mänteln und Jacken von Marken wie Blaest, Danefae, Didriksons, Hunter, Rains oder Tom Joule, die sich nun auf der 250 m² großen Verkaufsfläche neben den Echtgummistiefeln tummeln, kann sich sehen lassen. „Regenfeste Materialien machen nicht nur bei nassem Wetter Spaß, sondern geben der Trägerin jederzeit ein ganz eigenes Gefühl von urbaner Coolness“, meint die Gummistiefelhaus-Gründerin, die nun in ihrer Fachboutique mehr Regenmode bietet denn je. Das Sortiment des Gummistiefelhauses kann ausschließlich im Geschäftslokal erworben werden. Denn Gerhild Vanis ist eine glühende Verfechterin des stationären Handels: „Wie sähe Wien wohl aus, wenn es nur noch Internet-Händler oder Online-Shops gäbe?"

Über das Gummistiefelhaus

Das Gummistiefelhaus wurde im Frühsommer 2015 von Gerhild Vanis gegründet. Der Shop für Gummistiefel aller Art, Regenbekleidung und Regenaccessoires in der Strozzigasse 1 im 8. Wiener Gemeindebezirk bietet für jeden Fuß den passenden Stiefel (Größen 19 bis 50) – auch Kautschuk-High-Heels oder modische Regenkleidung und Accessoires gehören zum Sortiment des Gummistiefelhauses, dem weltweit ersten Fachgeschäft seiner Art. Zu den angebotenen Marken zählen unter anderem Viking, Ilse Jacobsen Hornbæk, nat-2, Skellerup sowie Tretorn und jetzt eben auch Blaest, Danefae, Didriksons, Hunter, Rains oder Tom Joule. Das rund 250 Quadratmeter große Verkaufslokal bietet neben den bekannten Größen auch immer wieder Platz für frische, junge Labels. Schließlich wurde das Gummistiefelhaus von der Jury des Unternehmerinnen Awards 2017 mit dem 2. Platz in der Kategorie „Start-ups“ ausgezeichnet.

Foto: Hubert Rinnhofer

Prok. Doris Ragetté ist Head of Research & Communications des Audiovermarkters RMS Austria. Ein ABW-Porträt über eine Frau, die genau weiß, welche Zutaten für geschäftlichen Erfolg wichtig sind.

 

Doris Ragetté startet ihre berufliche Laufbahn 1987 in der Marketingabteilung der Tageszeitung „Kronen Zeitung“. Danach folgte sie ins Marktforschungsinstitut Fessel-GfK als Studienleiterin der Medienforschung. 1995 erfolgte ein Wechsel wieder auf Medienseite als Marktforschungsleiterin des Trend-Profil-Verlages.

Im Jahr 1998 – mit dem flächendeckenden Start der Privatradios in Österreich – zieht es Doris Ragetté zum Privatradio-Vermarkter RMS Austria, wo sie als Head of Research & Communications verantwortlich ist. Mit Dezember 2011 wurde Ragetté als Prokuristin der RMS Austria bestellt. Weiters ist Ragetté Mitglied der Technischen Kommission Radiotest, Mitglied im Programm-Ausschuss der Media- Analyse sowie Mitglied der Technischen Kommission des Media Servers. Darüber hinaus ist sie als Lehrbeauftragte an diversen Ausbildungsstätten tätig. An ihrer Tätigkeit schätzt sie besonders die Abwechslung. Und den Austausch, die Gespräche mit Kollegen/-innen – sowohl intern als auch extern.

Seit mittlerweile fünf Jahren ist Mag. Regina Seimann Leiterin des ARBÖ-Marketings. ABW erzählt sie, was sie an ihrer Tätigkeit besonders schätzt und warum man im Berufsleben neugierig bleiben sollte.

 

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Tätigkeit? 

Als Marketingleiterin beim ARBÖ bin ich mit unterschiedlichsten Themenbereichen betraut. So wird es nie langweilig und kein Tag gleicht dem anderen. Marketing ist ja weit mehr als Werbung und dass die Marke gesehen, gehört und gelesen wird. Es geht darum die Kunden und ihre Bedürfnisse zu kennen und diese zu erfüllen. Bei 400.000 Mitgliedern, neun größtenteils autonom agierenden ARBÖ-Landesorganisationen, den zahlreichen Leistungen der Mitgliedschaft, mehreren Mitgliedschafts-Arten, dem technischen Dienstleistungsangebot und allen sonstigen Serviceangeboten des ARBÖ gibt es zahlreiche Maßnahmen, die entwickelt und zu Angeboten geschnürt werden.  

Mag. Elisabeth Sekulin-Kosmath, seit August 2017 Head of Global Recruiting, Marketing & Communications der Modul University Vienna, im Austrian Business Woman-Gespräch.

 

Ich schätze den internationalen Aspekt meiner Arbeit sehr, die Modul Universität rekrutiert jedes Jahr Studenten aus ca. 70 Ländern. Für das Marketing und Recruiting Team ist das eine ganz spezielle Herausforderung, die sehr viel Spaß macht“, sagt Elisabeth Sekulin-Kosmath über ihre berufliche Tätigkeit. Die Modul University ist eine junge Universität, die 2007 mit 70 Studenten gegründet wurde.

Heute studieren 700 Studenten in Wien, Dubai und Nanjing. „In den nächsten zehn Jahren wollen wir uns weiter internationalisieren und in den Masterprogrammen wachsen. Da 70 Prozent unserer Studenten international sind, müssen wir uns auch den strengeren Visabestimmungen stellen. Hier würden wir uns wünschen, dass im akademischen Bereich die Zugangsvoraussetzungen nicht unnötig erschwert würden. Österreich konkurriert mit vielen anderen europäischen Ländern, was den akademischen Austausch betrifft, und sollte dabei nicht ins Hintertreffen geraten.

Als Leiterin der Unternehmenskommunikation der Österreich Werbung ist Mag. Ulrike Rauch-Keschmann maßgeblich daran beteiligt, auf die Vorzüge unseres wunderschönen Landes aufmerksam zu machen.

 

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Wien und drei Monaten Gerichtspraxis startete Ulrike Rauch-Keschmann 1998 ihren beruflichen Karriereweg mit dem Einstig bei Austrian Airlines, wo sie nach mehreren Stationen im In- und Ausland zuletzt im Bereich Finanzkommunikation tätig war.Seit 2000 ist sie in der Kommunikationsbranche tätig. Nach zwei Jahren bei Pleon Publico, der größten PR-Agentur Österreichs, war sie von 2002 bis 2004 Pressesprecherin von Bundesministerin Elisabeth Gehrer. Anschließend wechselte Rauch-Keschmann wieder zu Pleon Publico als Beraterin für strategische Kommunikation und Lobbying. Seit 2009 ist sie Unternehmenssprecherin der Österreich Werbung und als Leiterin der Stabstelle Unternehmenskommunikation für die externe und interne Kommunikation der nationalen Tourismusorganisation verantwortlich. Dazu zählen neben der Pressearbeit auch die Branchen- und Stakeholder-Kommunikation in Österreich, unter anderem das Fachmagazin „bulletin“ und die wöchentlichen ÖW-News. 

Barbara Haas ist seit 2014 Chefredakteurin der Wienerin. Die Top-Blattmacherin ist eine selbstbewusste und moderne Frau – wie die Zielgruppe, die das Lifestyle-Magazin ansprechen will.

 

Ein ABW-Talk über das Business, gewolltes Chaos und Karriere im Journalismus.

Sie sind seit bald vier Jahren CR der Wienerin – was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit? 

Was ich bei der WIENERIN wirklich am meisten schätze, ist mein Team. Es gibt de facto keine cooleren und kreativeren Menschen, als jene, die bei uns arbeiten. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen abgehoben, aber es stimmt. Sowohl inhaltlich, als auch ästhetisch und egal, ob es um ein Geschichten-Brainstorming, ein Event, um große Shootings oder einfach eine witzige Insta-Story geht.

Ich merke hier so viel Engagement, so viel köstliche Ironie und dabei so große Ernsthaftigkeit, dass es mich immer wieder neu überrascht. Also meine Tätigkeit ist deshalb so toll, weil ich diesem Team helfen kann, so zu arbeiten, wie es möchte.  

Seit Anfang des Jahres leitet sie den Bereich RisikoControlling der D.A.S. Rechtsschutz AG. Ein ABW-Gespräch über ihren Werdegang, Teamgeist und Mut zu Veränderung.

 

Petra Kernecker studierte an der Universität Siena, absolvierte das Bachelor- und Masterstudium der Technischen Mathematik an der TU Wien mit Schwerpunkt „Finanz- und Versicherungsmathematik“. Zwischen 2012 und 2017 war sie als Aktuarin für das Gruppen Aktuariat und Risikomanagement der UNIQA Versicherung AG tätig und konnte hierbei internationale Erfahrung sammeln.

Seit Oktober 2017 ist sie bei der D.A.S. tätig und leitet seit zwei Monaten den Bereich RisikoControlling.Sie ist für quantitative wie qualitative Themen des Solvency II Risikomanagements zuständig und bekleidet sowohl die Governance-Funktion Risikomanagement- als auch die Versicherungsmathematische-Funktion, entsprechend der EU Eigenkapitalmittelvorschriften Solvency II. 

Sie ist Vorstandsvorsitzende der BKS Bank und spricht sich klar für eine Frauenquote in Führungspositionen aus. Ein ABW-Gespräch über Herausforderungen, Karrierefaktoren und Chancen.

 

Jüngst haben Sie sich für eine Frauenquote ausgesprochen, um die Anzahl von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich habe lange gedacht, wir brauchen in Österreich keine Quote, da Frauen in Österreich auch so gut vorankommen werden. In den letzten zwanzig Jahren hat sich in Österreich bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen oder in Aufsichtsräten nur wenig geändert. Der „Frauen.Management.Report.“ der Arbeiterkammer Wien belegt dies Jahr für Jahr mit trauriger Regelmäßigkeit.

Vor zwei Jahren haben Sie uns gesagt, dass auch der Frauenanteil in Führungspositionen bei der BKS bis 2020 merklich steigen wird — was hat sich seither getan?

Die BKS Bank konnte den Anteil an Frauen in Führungspositionen seit 2012 von 25,8 % auf 32,4 % steigern. 2017 haben wieder 13 Frauen unser Frauenkarriereprogramm „Frauen.Perspektiven.Zukunft.“ abgeschlossen. Von den 44 Absolventinnen der drei Lehrgänge haben bereits acht Frauen den Sprung in die Führungslaufbahn geschafft. Sechs weitere Mitarbeiterinnen schlugen den Weg einer Expertenkarriere ein, während acht Frauen derzeit in Karenz sind.

Ing. Susanne Krönes, Geschäftsführerin der Coface Austria Kreditversicherung und Regional Marketing & Communications Director Central and Eastern Europe über ihre Arbeitsschwerpunkte.

 

Das Herzstück des Teams Coface ist die Verschmelzung der unterschiedlichen Kulturen und Marktbedürfnisse, um als internationaler Konzern nachhaltig erfolgreich zu sein. „Das bedeutet, sicherzustellen, dass für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter unsere Werte Teil der professionellen DNA sind oder werden. Wir sind auf einem sehr guten Weg und es gibt immense Kraft und Motivation, die Begeisterung zu sehen, mit der die unterschiedlichen Werte zum Leben erweckt und weiter entwickelt wurden“, so Susanne Krönes. Selbstredend sei die Erreichung der im Strategieplan „Fit to Win“ definierten Ziele ein Schwerpunkt. Serviceorientierung ist für Coface mehr als nur ein Schlagwort und eine Vielzahl von Maßnahmen fokussieren darauf, die Zusammenarbeit zu einem Erlebnis zu machen und somit dem Kunden neben der „technischen“ Sicherheit auch „emotionale“ Sicherheit zu geben. 

Vor etwas mehr als fünf Jahren startete die Juristin bei der ARAG – und hat eine beachtliche Karriere gemacht. Seit 2016 ist sie Mitglied der Geschäftsführung. Ein ABW-Gespräch mit Birgit Eder.

 

Welche beruflichen Schwerpunkte stehen 2018 für Sie im Fokus? 

Sehr präsent ist derzeit unser Datenschutz-Projekt. Die Datenschutz-Grundverordnung tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und wir stecken in den abschließenden Umsetzungsarbeiten. Ein wichtiger Punkt wird 2018 auch der Ausbau der Schulungen für unsere Vertriebspartner sein – im Mittelpunkt stehen hier Rechtsschulungen statt reiner Produktpräsentationen. Wir wollen unsere Vertriebspartner gut informiert wissen. Mit der Ablöse eines alten IT-Systems erwarten wir 2018 schließlich einen weiteren Sprung in Sachen Digitalisierung.

Dürfen die Kunden 2018 neue Produkte erwarten? 

Wir haben Anfang Jänner dieses Jahres einen neuen Tarif für Privat-und Firmenkunden heraus gebracht. In vielen Bereichen wurden Leistungen erweitert, insbesondere im außergerichtlichen Bereich. Neu ist bei Vermietung von Wohneinheiten der Versicherungsschutz bei einem Mietausfall – dieser schützt vor finanziellen Nachteilen durch sogenannte Mietnomaden. Unsere Firmenkunden sind in unserem Premium Produkt zukünftig mit dem neuen Cyber-Rechtsschutz auf der sicheren Seite.

Michaela Keplinger-Mitterlehner hat eine beachtliche Karriere im Bankensektor gemacht. ABW sprach mit der Finanzexpertin über jene Themen, die die Branche derzeit besonders beschäftigen.

 

Welche Veranlagungsstrategie empfehlen Sie?

Welche Spar- und Veranlagungsprodukte zum Einsatz kommen, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Sparziel, der persönlichen Risikobereitschaft und der Laufzeit ab. Ein Muss ist die „eiserne Reserve“ am Sparbuch, mit der für unvorhersehbare Ereignisse vorgesorgt wird. Darüber hinaus sollte man auf ertragsorientierte Anlageformen wie Fonds oder Anleihen setzen.

Hier ist eine entsprechende Streuung wichtig. Das gilt für die Produkte ebenso wie für die Laufzeiten. Bei einem entsprechend langen Veranlagungshorizont von mehreren Jahren kann man durchaus einen Teil des Vermögens auch in Aktien oder Aktienfonds investieren. Bei Investitionen in Einzelaktien sollte allerdings sehr selektiv vorgegangen werden. Generell sollte man sein Geld aber nur dann in risikoreichere Produkte veranlagen, wenn man zumindest einen teilweisen Verlust auch verschmerzen kann.

Wo sehen Sie künftig die größten Herausforderungen für die RLB OÖ? 

Neben dem weiterhin historisch niedrigen Zinsniveau und den überbordenden Regularien ist und bleibt sicherlich die Digitalisierung die größte Herausforderung. Sie wird das Bankgeschäft weiter rasant verändern. Gleichzeitig werden damit die Anforderungen und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zunehmend differenzierter.

Der Zahlungsverkehr stellt hier eine besondere Innovations-Speerspitze dar, weil Neuerungen in diesem Bereich für die Kundinnen und Kunden unmittelbar nutz- und erlebbar werden. Wir setzen uns daher hier sehr intensiv mit neuen Entwicklungen auseinander, um mit innovativen Produkten einen echten Mehrwert zu bieten. Erfolgreich wird jene Bank sein, die eine Digitalisierungsstrategie und die damit in Zusammenhang stehende Aufbau- und Ablauforganisation erfolgreich umsetzen kann. Es werden verstärkt Synergien zu nutzen sein. Dazu braucht es Kooperationen – innerhalb eines Bankensektors, aber auch darüber hinaus, beispielsweise mit FinTechs. Darüber hinaus gehen wir auch mit neuen Bankstellenkonzepten neuen Wege.

 

 

Sie arbeitete bei der Chase Manhattan Bank in Brasilien, 2002 startete sie bei der Wiener Städtischen. Heute, 16 Jahre später, ist sie Vorstandsdirektorin.

 

Ein Austrian Business Woman-Interview.

Welche beruflichen Schwerpunkte stehen dieses Jahr für Sie im Fokus?

Die Wiener Städtische wird heuer den Fokus auf das Thema Vorsorge legen. Dazu zählt neben der Altersvorsorge auch die Gesundheitsvorsorge. Bei beiden spielt die demografische Entwicklung eine entscheidende Rolle: Jeder will alt werden – allerdings finanziell gut abgesichert und bei bester Gesundheit. Genau dafür ist eine individuelle Vorsorge wichtig, die über eine staatliche Grundversorgung hinausgeht. Für beide Themen wollen wir mehr Bewusstsein schaffen.

Dürfen die Kunden neue Produkte erwarten?

Die Wiener Städtische wird auch im laufenden Jahr wieder zahlreiche Innovationen auf den Markt bringen. Wir planen sowohl in der Lebens- und Krankenversicherung als auch in der Kfz-Sparte attraktive Neuerungen. Darüber hinaus werden wir auch unsere Online-Produktpalette konsequent erweitern.

Was unterscheidet die Kathrein Privatbank von anderen Banken, was bietet sie ihren Kunden? Mag. PhDr. Susanne Höllinger im ABW-Interview.

 

Sind langfristige Anlagen im derzeiten Zinsumfeld sinnvoll?

Die reale Vermehrung des Vermögens (nach Inflationsabgeltung) ist für den langfristig orientierten Investor von entscheidender Bedeutung. Durch das aktuelle ultra-tiefe Zinsniveau bedingt durch eine einmalige Notenbankpolitik rund um den Globus bieten aber klassische Staatsanleihen sowie Geldmarktveranlagungen oder das Sparbuch keinen realen Werterhalt mehr.

Daher ist man gezwungen in Veranlagungen mit höherem Risiko auszuweichen. Wir setzen bei unserer Strategie auf ein breit diversifiziertes Portfolio mit dynamischer Aktiengewichtung und einer aktiven Laufzeitensteuerung im Anleihebereich. Bei Anleihen empfehlen wir nicht nur Euro-Staatsanleihen, sondern durchaus auch Anleihen aus Emerging Markets, wobei wir die Gewichtung und Duration (Zinssensivität) regelmäßig anpassen. Staatsanleihen von Entwicklungsländern in lokaler Währung bieten derzeit sehr attraktive Renditen und gleichzeitig eine Perspektive bei der Währungsentwicklung, da viele dieser Währungen nach Kaufkraftparität unterbewertet sind. Auch Unternehmens- und High Yield Anleihen bieten weiterhin eine attraktive Rendite im Niedrigzinsumfeld. Inflationsgeschützte Anleihen wie auch Cash plus Fonds bieten den besten Schutz bei steigenden Inflationszahlen.

Prof. Elisabeth Stadler, Generaldirektorin der Vienna Insurance Group, ist die erste Frau, die es vor etwas mehr als zwei Jahren an die Spitze eines ATX-Unternehmens geschafft hat.

 

Austrian Business Woman erklärte die Spitzenmanagerin, wie sie eine knapp 200 Jahre alte Versicherungsgruppe in das digitale Zeitalter führt.

Stichwort Digitalisierung – welche Veränderungen bringt diese mit sich?

Sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens werden sich im Zuge der Digitalisierung grundlegend verändern. Das stellt auch Versicherungen vor großen Herausforderungen: Durch „Smart Home“ und die Steuerung der Risiken durch computergenerierte Systeme wird sich beispielsweise das Haushaltsversicherungsrisiko verändern.

Durch selbstfahrende Autos werden weniger Unfälle erwartet. Durch Cyberkriminalität oder Drohnen werden wir uns intensiver mit neuen Geschäftsfelder beschäftigen müssen. Daraus ergeben sich veränderte Risikofaktoren und neue Prämienkalkulationen.

Seit zwei Jahren ist sie im Vorstand und führt gemeinsam mit dem CEO die Geschäfte der auf Aktien und Zertifikate spezialisierten Bank. Ein ABW-Gespräch mit Valerie Brunner.

 

Welche Veranlagungsstrategie empfehlen Sie in Zeiten wie diesen? Wie beschreiben Sie die Veranlagungspolitik der Raiffeisen Centrobank?

Viele Umfragen und Studien zeigen, dass gerade in Österreich eine hohe Skepsis gegenüber Aktieninvestments vorherrscht. Sowohl direkte als auch indirekte (z.B. über Fonds) Aktienquoten sind im europäischen und internationalen Vergleich niedrig, Bankeinlagen werden hingegen geschätzt. Solange sich Inflation und Zinsen die Waage halten, braucht der sicherheitsorientierte Anleger den realen Wertverlust seines Vermögens bei Spareinlagen nicht zu fürchten. Doch taucht die Inflation auf und keine Zinsen stellen sich ihr in den Weg, braucht es den Blick über den Tellerrand, um einem Kaufkraftverlust entgegenzusteuern.

In dieser für "sparbuch-affine" Anleger schwierigen Zeit befinden wir uns. Gerade dies motiviert uns als Raiffeisen Centrobank, den Mehrwert von Anlagezertifikaten in den Fokus zu stellen. Denn während das Risiko einer direkten Aktieninvestition vielen Anlegern zu hoch ist, stellen insbesondere Teilschutz-Zertifikate mit großzügig bemessenen Sicherheitspuffern eine renditestarke und risikoreduzierte Veranlagungsmöglichkeit mit überschaubarer Laufzeit dar.

Mag. Valerie Brunner, Vorstand Raiffeisen Centrobank

 

Stichwort Datenschutz – wie gut ist die Raiffeisen Centrobank auf die neuen Anforderungen vorbereitet?


Wir arbeiten seit fast einem Jahr an der Umsetzung der DSGVO. Der Aufwand ist hoch, aber wir halten die strenge Regulierung des Themas Datenschutz grundsätzlich für gerechtfertigt und im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung für absolut notwendig und sinnvoll. Daher unternehmen wir alle erforderlichen Anstrengungen, die DSGVO auf Punkt und Beistrich zu erfüllen. Mit dem Instrument des risikobasierten Ansatzes und der damit verbundenen Pflichten ist die Raiffeisen Centrobank AG bereits aus einer Vielzahl von anderen regulatorischen Vorgaben für Kredit- bzw. Finanzinstituten bestens vertraut.

Auch die neu eingeführten - durchaus sehr hohen - Strafandrohungen (bis zu EUR 20 Mio. bzw. 4% des weltweiten Jahresumsatzes) einhergehend mit weiten Befugnissen der Aufsichtsbehörde sind im Finanzmarkt keine Unbekannten.
Unabhängig davon sind uns als Finanzinstitut das Vertrauen unserer Kunden und Geschäftspartner und somit der Schutz ihrer Daten schon jeher ein großes Anliegen gewesen. Ein Grundsatz, der auch bei Entwicklung und Einführung innovativer Produkte oder neuer

Dienstleistungen stets berücksichtigt wird, sodass wir die Integrität und Vertraulichkeit von Kundendaten gewährleisten können. Die frühzeitige Befassung mit der Datenschutz- Grundverordnung durch ein Expertenteam der Bank sowie die umfassenden und unternehmensweiten Anstrengungen, die in den letzten Monaten bereits unternommen wurden, stimmen uns aber zuversichtlich, dass wir für den 25. Mai 2018 (Anwendbarkeit der Datenschutz-Grundverordnung) gut gerüstet sind.

In welchen Bereichen sehen Sie künftig die größten Herausforderungen für die Raiffeisen Centrobank?


Als kleine Spezialbank haben wir immer unsere Nischen gesucht und gefunden, um gegen die großen Bankhäuser zu bestehen. Dies gelang uns durch aufmerksame Marktbeobachtung und mit der notwendigen Flexibilität bei der Erfüllung der Anforderungen unserer Kunden. Darum sind wir seit Jahren Marktführer im Bereich der Zertifikate und ebenso einzigartig in dem Aktien- und Research-Universum, welches wir qualitativ hochwertig mit unserem Team von Analysten und Market-Makern für unsere Kunden betreuen. Die permanent verschärften Regulierungen der Finanzindustrie machen es immer schwieriger, solche Nischen zu finden.

Wir müssen daher noch aufmerksamer, noch schneller, noch hellhöriger werden und die Kundenerwartungen antizipieren. Als herausfordernd empfinde ich, für unsere Mitarbeiter die richtige Balance zu finden zwischen systematischen und dokumentierten Prozessen in jedem Geschäftsfeld und gleichzeitigem Fokus auf die für uns als Nischenplayer so wichtige Innovationskultur. Zu leicht bleibt der Pioniergeist auf der Strecke, wenn man ihm zu viel effizientes Prozessdenken, unbedingte Regularientreue, überbordende Meldeverpflichtungen, etc. abverlangt.

Was halten Sie von Kryptowährungen?

Dem allgemeinen Kryptowährungs-Bashing schließen wir uns nicht an. Ja, es ist ein aktuell noch völlig unregulierter und inhomogener Markt, der sehr viele Risiken birgt. Ich würde heute niemandem empfehlen, Kryptowährungen als Anlageprodukt zu sehen. Jedoch ist das zugrundeliegende Konzept eines von einzelnen Staaten bzw. Regierungen unabhängigen Währungssystems durchaus sehr interessant.

Und ich finde es für uns als Bank wichtig, dass wir uns mit der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie ausführlich auseinandersetzen, um die Potentiale daraus für unsere Bank nicht zu verschlafen.
Wir glauben, dass Kryptowährungen in einem regulierten Umfeld, gehandelt an zuverlässigen Handelsplätzen, durchaus hohes Zukunftspotential haben. Jedenfalls halte ich es für unwahrscheinlich, dass diese Themen einfach vom Markt verschwinden werden.

Die Digitalisierung macht immer mehr Arbeitsplätze überflüssig – welche Chancen und Risiken sehen Sie für die Bankenbranche?


Automatisierbare Bankaufgaben, die heute noch von Menschen erledigt werden, werden zunehmend automatisiert, daran besteht kein Zweifel. Banken, die hier eine Vorreiterrolle einnehmen, werden davon profitieren. Die Mitarbeiter werden letztlich auch profitieren, da ihnen repetitive, vielleicht gar langweilige Arbeiten abgenommen werden und sie mehr Zeit bekommen, sich mit wichtigen Fragestellungen in ihrem Spezialgebiet zu beschäftigen. Arbeitsplätze in Banken werden dadurch nicht zwangsweise verloren gehen, jedoch das Anforderungsprofil an Mitarbeiter wird sich verschieben und zwar in Richtung Business- Analysten und IT-Spezialisten.

Auf welchen Bereichen liegt dieses Jahr der Fokus Ihrer Arbeit?

Wir haben im letzten Jahr einige Digitalisierungs-Initiativen gestartet, die heuer finalisiert werden. Mitte April starten wir mit einer neuen benutzerfreundlicheren Webpage, die interessante Features für jeden interessierten Anleger enthalten wird. Als führender Zertifikate-Anbieter in Österreich und CEE werden wir uns noch stärker auf risikoarme Anlageprodukte konzentrieren, die zwischen Sparbuch und Aktien angesiedelt sind.

Wir wollen damit ein noch breiteres Anlegerpublikum erreichen, insbesondere alljene, die aus Risikoüberlegungen nicht direkt in Aktien investieren möchten, aber dennoch höhere Renditen als am Sparbuch erwarten. Für diese breite Kundenbasis möchten wir den Zugang zu unseren Anlageprodukten möglichst einfach und barrierefrei gestalten. Dazu gehört viel Kreativität und ein agiles Vorgehen bei unseren digitalen Innovationen. Besonders spannend und herausfordernd ist es, diese digitalen „einfachen“ Lösungen an der Kundenfront auch durch kluge Automatisierungsschritte in den internen Abläufen zu begleiten.

Ein weiterer Schwerpunkt des heurigen Jahres ist die Erweiterung unseres Kundenfokus in den südosteuropäischen Bereich. Ich darf hier ein Kooperationsprojekt mit unserer Schwesterbank in Rumänien begleiten, welches für uns einerseits sehr komplex ist, andererseits aber auch sehr lohnend sein kann.
 Nicht zuletzt werde ich mich mit meinem Team wie schon bisher darauf konzentrieren, für unsere Kollegen an der Sales-Front die optimalen Bedingungen und Prozesse bereitzustellen, damit deren Akquisitionsstärke und Kundennähe voll zur Geltung kommen kann.

Sie sind nun seit etwas mehr als zwei Jahren im Vorstand der RCB – Ihr bisheriges Resümee?

Die Bank versucht, in all ihren Geschäftsbereichen eine führende Position in Österreich bzw. Osteuropa einzunehmen. Das gelingt jetzt schon immer öfter, aber wir wollen natürlich noch besser werden. Wir haben ein ausgezeichnetes Produktportfolio und ein junges und erfolgsorientiertes Team mit hohem Innovationsanspruch. Ein in so hohem Ausmaß für den

gemeinsamen Erfolg verschworenes und engagiertes Team an Topleuten auf allen Ebenen begegnet einem nicht so oft im Leben glaube ich Mein Resümee: Eine sehr coole Bank. Ich schätze mich glücklich, mit meinen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam die Zukunft der RCB als Teil der RBI Group gestalten zu dürfen.

Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?

Vorausschauende, über den nächsten Wahltag hinausgedachte Wirtschaftspolitik. Ein Umfeld, das die Österreicher endlich animiert, stärker in den Kapitalmarkt zu investieren, sei es durch steuerliche Anreize oder durch positive Meinungsbildung. Die Aufsichtskosten massiv zu senken gehört auch fix zu meinen Top 3 Wünschen.

Mehr Impulse für eine eingehende Finanzbildung von Jung und Alt unter Zuhilfenahme von Experten aus der Praxis. Top- Stellung innerhalb der EU bezüglich Förderung von Innovation. Die vielbesprochene Proportionalität diverser Regularien für kleinere Institute in den Bereichen umzusetzen, die uns viel Arbeit machen und keinerlei Mehrwert bringen.

Foto: Raiffeisen Centrobank

Seit 17 Jahren ist Eva Aichmaier bei Bahlsen, seit September 2016 leitet sie das Österreich-Geschäft des Familienunternehmens. Eine überaus süße Erfolgsgeschichte.

 

Ob Messino, Chokini, Leibniz Butterkekse oder Pick Up – die Bahlsen-Welt ist ihre Leidenschaft. Wer mit Mag. Eva Aichmaier spricht, bemerkt sofort: Diese Managerin liebt ihren Job. Und das seit nunmehr 17 Jahren. „Wichtig ist für mich, dass es spannend bleibt und ich mich weiterentwickeln kann“, so Aichmaier.

Bei Bahlsen hatte sie von Beginn an spannende Herausforderungen, alle eineinhalb Jahre konnte sie einen neuen Verantwortungsbereich oder neue Aufgaben übernehmen. Eva Aichmaier betreute seit ihrem Start im Unternehmen alle Brands, übernahm dann zusätzlich Category Management und im Jahr 2006 die Marketing Leitung.

Die Betriebswirtin schloss 2008 und 2010 berufsbegleitend das Executive MBA PGM der WU-Wien ab und leitete ab 2011 internationale Brand-Strategieprojekte für die Gruppe. 2013 erblickte ihr Sohn das Licht der Welt, nach einer siebenmonatigen Karenz leitete Aichmaier dann die Marketing-Abteilung in Teilzeit. Im September 2016 übernahm sie als Managing Director die Leitung des Bahlsen Österreich-Geschäfts. 

Julia Auckenthaler ist Leiterin des Bereichs Veranlagung bei der Tiroler Versicherung. Ein ABW-Gespräch über ihren Karriereweg, männerdominierte Branchen und die vielen Vorteile ihres Jobs.

 

Welche beruflichen Schwerpunkte stehen 2018 für Sie im Fokus?

In der TIROLER ist das Thema Solvency II inzwischen vollständig im Alltag angekommen. In den letzten Jahren war die Implementierung von SII für die Versicherungsbranche eine große zusätzliche Herausforderung, vor allem, weil das Regulativ für das Geschäft nicht nur sinnvolle Vorgaben beinhaltet. 2018 gilt es für mich wie jedes Jahr, besonders kritisch auf externe Einflussfaktoren zu achten und zum Unternehmen passende, nachhaltige Veranlagungsentscheidungen zu treffen. 

Der Tourismus boomt, doch die Mitarbeiter fehlen. Was tun? Austrian Business Woman sprach darüber mit HOTREC-Präsidentin Mag. Susanne Kraus-Winkler.

 

Viele Nächtigungen, zu wenig Personal – wo sehen Sie die Ursachen des Fachkräftemangels im Tourismus?

Der derzeit weltweite Fachkräftemangel hat viele unterschiedlichste Ursachen. Wie Sie schon sagen, der Tourismus wächst rasant und dies weltweit, manchmal zwar mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, aber es werden dennoch immer mehr Hotels gebaut und Restaurants, Bars und Cafes eröffnet bzw. neue Destinationen entwickelt. Alleine damit steigt der Bedarf an Mitarbeitern in unserer Branche enorm. Die Kreuzschifffahrtindustrie hat ebenso riesige Wachstumsraten zu verzeichnen, immer mehr und immer größere Schiffe fahren weltweit und benötigt zusätzlich eine immer größere Anzahl an Mitarbeitern. In etlichen neuen Tourismusdestinationen gibt es derzeit noch wenige oder zu wenige Ausbildungsstätten und auch die Hautpausbildungsländer kommen im Grunde nicht damit nach, ausreichend junge Menschen entsprechend auszubilden. Dazu kommen viele neue, oftmals für junge Menschen spannendere Berufe und Möglichkeiten rund um die Digitalisierung. Bei der letzten OECD Tourismuskonferenz im Herbst in Paris, gab es kein einziges Land weltweit, das nicht über akuten Fachkräftemangel im Tourismus berichtet hätte. Es gibt derzeit einen weltweiten Wettkampf um Mitarbeiter in unserer Branche,  vor allem in den Bereichen Küche und Service.

Wie kann man Tourismusberufe attraktiver machen?

Tourismus ist eine attraktive Branche. Arbeit im Tourismus ist bunt und erfindet sich immer neu. Arbeit mit Menschen ist oft sehr befriedigend und kann individuell und oft kreativ in der täglichen Umsetzung gestaltet werden. Aber Dienstleistung und Arbeit im Tourismus haben natürlich auch ihre Herausforderungen. Service am Gast ist nicht immer ein leichter Job, oftmals auch sehr emotional geprägt, Stoßzeiten in der Küche, an der Rezeption oder auf der Etage erzeugen Druck, den man verkraften können muss und flexible Arbeitszeiten passen nicht für jeden Lebensabschnitt. Wie also Jobs attraktiv machen? Wir müssen in Zukunft noch viel mehr die Führungsqualitäten aller Führungskräfte, vom jungen Stationskellner mit erster Teamverantwortung bis zur Rezeption,  entwickeln. Junge Menschen müssen heute noch viel intensiver und sorgfältiger bei ihren ersten Berufsschritten in unserer Branche begleitet werden. Wir werden die Managementfähigkeiten in allen Bereichen eines Betriebs stärker vermitteln lernen müssen, damit wir noch besser strukturierte Arbeitsabläufe, optimierte Dienstpläne und Lebenszeit gerechte Dienstzeiten anbieten können. Es geht um die Kultur des Miteinander und die Kunst Arbeit gut zu gestalten. Arbeit im Tourismus ist geprägt von einem großen Miteinander innerhalb der Teams, die Balance zwischen Job und Familie oder Privatleben gewährleisten zu können, wird in Zukunft eine noch wichtigere Herausforderung für jeden einzelnen Betrieb. 

Eine Lehre/Tätigkeit im Tourismusbereich liegt auf der Wunschliste junger Menschen nicht unbedingt an erster Stelle. Ist die Verantwortung für diese Entwicklung auch bei den Betrieben zu suchen oder handelt es sich dabei um ein gesellschaftspolitisches Phänomen und Versagen der Politik?

Ich denke, wir werden uns überlegen müssen, wie wir Ausbildung moderner, flexibler und zukunftsorientierter gestalten können. Auch Ausbildung ist heute ein Prozess und darf nicht mit zu starren Ausbildungsplänen agieren, die die heutigen Anforderungen nicht beantworten und unantastbar erscheinen. Hier ist aus meiner Sicht die Politik gefragt, Veränderung ist nicht einfach im Österreichischen Ausbildungssystem. Andererseits ist das Problem sicherlich auch ein gesellschaftspolitisches Phänomen. Die Gesellschaft, die Menschen verändern sich durch die Digitalisierung. Kommunikation und Emotionalität werden anders gelebt, Korrektive für richtiges Verhalten von Menschen gibt es immer weniger, die Feedbackgesellschaft korrigiert alles nur nicht sich selbst. Das erzeugt viele Phänomene rund um die Themen Dienstleistung und Service am Menschen. Da will nicht jeder mitmachen und dazu gibt es die große Konkurrenz der neuen, digital getriebenen Jobs, die noch nicht so ganz den Weg in den operativen Alltag unserer Branche gefunden haben. In Zeiten so großer Veränderungen braucht es viel Flexibilität im Umgang mit Althergebrachtem und ein gutes Gespür, wie man dabei richtig agiert. Ich denke, die jungen Menschen werden den Weg in unsere Branche wieder stärker finden, nur muss die Branche auch ihren Weg zu den neuen jungen Menschen und ihren Bedürfnissen finden.

Die Digitalisierung ist eines der Kernthemen der Branche. Hinkt man in den Bereichen Kundendatenverarbeitung und -vermarktung den großen Buchungsplattformen nicht längst hinterher? 

Ja, wir hinken teilweise hinten nach, aber nicht weil wir nicht wüssten was wir wollten, sondern weil es einfach nicht möglich ist, dass eine Branche, die geprägt von vielen kleinen Unternehmen ist, die Ressourcen aufbringen kann, die erforderlichen technologischen Innovationen zu erforschen und zu finanzieren. Dass sich hier die Großen den Luxus der hochtechnischen Entwicklungen gesichert haben, hat ja nicht nur in unserer Branche stattgefunden. Hier geht es nun ganz einfach um ein faires Miteinander, vor allem wo es noch keine fairen Regeln gibt, die “leben und leben lassen“ garantieren.

Wie sensibilisiert man Betriebe für das Thema Digitalisierung (diese ist ja auch mit Kosten verbunden)?

Derzeit kommt es vor allem darauf an, dass wir uns viel aktiver mit allem was so rund um Digitalisierung und neue Technologien passiert, auseinander setzen. Wer dieses Jahr beim ÖHV Kongress war, konnte dazu viel hören oder wer auf die ITB fährt, hat die Möglichkeit in den IT Hallen vieles dazu mitzubekommen. Die HOTREC wird bei unserer Generalsversammlung in Wien im April auch eine neue Hospitality Start Up Plattform vorstellen, um einen Überblick über alle Arten von neuen Start Up Lösungen für unsere Branche  und unsere Betriebe online sichtbar zu machen.

Man muss nicht immer „first mover“ sein, aber man sollte immer einen gewissen Überblick haben, wohin die Reise geht. Wissen ist hier die erste Pflichtaufgabe. Heute geht es bei vielen Systemen ja nicht mehr um den Kauf des Systems, sondern meist sind es Softwarelösungen die man gegen Gebühr für eine bestimmte Zeit nutzt. Man kann daher beginnen, das eine oder andere System auszuprobieren um ein Gefühl zu bekommen, wo muss man dabei sein oder wo sollte man noch auf andere Lösungen warten.

Zuweilen entsteht der Eindruck, es herrscht in manchen Betrieben Abneigung gegen die Technik. Woran kann das liegen?

Na ja, ist ja nicht verwunderlich. Viele Unternehmer haben kaum Zeit sich mit den vielen Neuerungen auseinander zu setzen, für sie wirkt das eher bedrohlich. Vieles kann man sich auch gar nicht vorstellen und bei vielem, wie z.B. den OTSs gab es erst den großen Run und danach das Heulen und Zähne knirschen, weil man die unfairen Praktiken und das Leck zwischen Hotel und Gast erst zu spät erkannt hat. Da ist manchmal Kopf in den Sand schon auch eine Strategie, die kurzfristig Kopfschmerzen abhaltet.

Wo sehen Sie in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen und wie stellen Sie sich darauf ein?

Alles was rund um Digitalisierung und Technologie so läuft, wird uns in Atem halten. Wie und wann am besten darauf reagieren, ist die große Frage. Der Digitale Vertrieb wird sich möglicher Weise  wieder völlig verändern. Ich denke Blockchain könnte hier nochmals eine nächste Welle der Veränderung bringen. Zu all dem gehören auch die Themen Zahlungssysteme und natürlich alles rund um Podcasts und Sprachassistentin und wie unsere Webseiten in Zukunft gestaltet sein müssen, daß sie maschinenlesbar sind, sonst wird Alexa beim Wort LOISIUM fragen, ob das ein Fremdwort ist. Für uns ist aber auch das Thema starke Mitarbeiter ein ganz wichtiges, denn ohne gute Teams, werden wir auch in Zukunft keine zufriedenen Gäste und erfolgreiche Betriebe haben.

Was sind Ihre Pläne und Ziele für 2018?

Wir sind gerade dabei verstärkt nach Standorten für weitere LOISIUM Hotels in Europa zu suchen, wollen aber nur als Betreiber auftreten und nicht als Investoren oder Developer. LOISIUM ist so ein schönes Produkt und Wein ist so ein innovatives, emotionales Thema, daß es eine große Freude ist, daran weiter zu arbeiten. Bei der HOTREC habe ich noch 2018 bis zum Ende meiner 2. Präsidentschaft, da wollen wir noch einige der Pläne rund um Digitalisierung, Kommunikation und stärkeres Lobbying umsetzen.

Was zeichnet den idealen Gastgeber aus?

Der ideale Gastgeber ist, wer Leidenschaft für seine Gäste und sein Produkt leben gelernt hat und Menschen liebt. Gleichzeitig muss ein guter Gastgeber aber auch ein guter Kaufmann mit vorbildlichem Führungsstil sein können.

Abschließend: Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?

Die Umsetzung der Versprechen und Aufrichtigkeit in dem was sie sagen und tun.

Foto: WKO

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