Mag. Bernd Vogl, Geschäftsführer Klima und Energiefonds: Wir leisten einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziel

Der Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds über die entscheidenden Weichenstellungen für eine klimaneutrale Zukunft.

 

Sie haben den „Wiener Klimafahrplan“ und die „Wärme- und Kälte-Strategie 2040“ maßgeblich geprägt. Welche Lehren und Erfahrungen aus Ihrer Zeit in der Wiener Energieplanung haben Sie in Ihre Rolle beim Klima- und Energiefonds mitgenommen – besonders für die nationale Umsetzung der Klimaziele?

Ich durfte den Wiener Klimafahrplan gemeinsam mit einem großartigen Team erarbeiten – ausgewiesene Expert:innen haben für eine hohe fachliche Qualität des Planes gesorgt, der soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Der Wiener Klimafahrplan war aber auch deshalb erfolgreich, weil wir von Beginn an alle politischen Parteien eingebunden haben.

Vier von fünf Parteien haben ihm zugestimmt. Dieser breite Konsens war die Basis dafür, dass die Strategie langfristig Bestand hat, denn gerade im Klima- und Energiebereich reden wir von langfristigen Investitionen. Ein Hin und Her bringt dabei niemanden etwas, schon gar nicht dem heimischen Wirtschaftsstandort. Genau diesen Gedanken einer verbindenden Zusammenarbeit auf Basis guter fachlicher Ideen habe ich auch in den Klima- und Energiefonds mitgebracht. Ich bin überzeugt, das wird mittelfristig Früchte tragen und einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele liefern. Wir haben uns jedenfalls gut aufgestellt und noch viele Ideen!

Aus den Erfahrungen mit der „Wärme- und Kälte-Strategie 2040” der Stadt Wien ist unmittelbar ein neues Programm im Klima- und Energiefonds entstanden – die „Leuchttürme der Wärmewende“ – in dem wir versuchen, Wissen aus sehr innovativen Forschungs- und Pilotprojekten in die bauliche Praxis zu bringen. Konkret wollen wir Quartiere unterstützen, von Öl oder Erdgas auf eine erneuerbare Wärme- und Kälteversorgung umzustellen. Im Bestand ist das eine große Herausforderung, die viele Innovationen und Investition braucht. Das Gute daran: Österreich ist in diesem Feld ein Innovationleader und, wenn wir weiter auf dieses Thema setzen, entstehen Exportchancen und Wohlstand in der Zukunft.

Die EU fordert einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Heizsystemen bis 2040. Wie bewerten Sie Österreichs Fortschritte – etwa bei der Umstellung auf Wärmepumpen oder Fernwärme? Und wo sehen Sie die größten Hürden, insbesondere im ländlichen Raum?

Österreich hat ambitionierte Pläne zur Reduktion fossiler Heizungen und ist damit bereits auf einem guten Weg. Die Umstellung ist aber sowohl in ländlichen als auch in urbanen Gebieten mit Herausforderungen verbunden. In urbanen Gebieten schreitet der Ausbau von Fernwärme immer weiter voran, das ist aber nicht überall in der Stadt möglich. In diesen Fällen müssen andere grüne Lösungen eingesetzt werden, wie die Umstellung der Fernwärme auf Abwärme und andere erneuerbare Energien.

Das braucht, vereinfacht gesagt, Fläche, und die ist im städtischen Raum knapp. Am Land gibt es zwar die Fläche, aber die großflächigen Fernwärmenetze noch nicht, um eine breite Versorgung zu gewährleisten. Hier sind maßgeschneiderte Lösungen gefragt, die die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen. Programme wie die Klima- und Energie-Modellregionen (KEM) spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie regionale Projekte fördern und so den Übergang zu erneuerbaren Energien unterstützen. Innovationen auf Basis von diversen Wärmepumpenlösungen können sowohl in der Stadt als auch am Land Abhilfe schaffen.  

Wichtig zu beachten ist, dass es bei all dem nicht allein auf die Wärmeversorgung ankommt. Gerade ältere Gebäude sind oftmals nicht ausreichend gedämmt. Man heizt zwar nachhaltig, aber de facto beim undichten Fenster und Dach hinaus. Das ist eine Hürde, die sowohl Stadt als auch Land betrifft. Mit der Heizungsumstellung sollte man daher auch Investitionen in die Effizienz des Gebäudes mitdenken. Das kostet zwar, die Bereitstellung von Förderungen, wie der oben genannten Ausschreibung „Leuchttürme der Wärmewende“, kann aber hier ansetzen und die richtigen Impulse auslösen. 

Wien setzt auf die „15-Minuten-Stadt“ zur Reduktion von Pendlerverkehr. Welche innovativen Mobilitätskonzepte fördert der Fonds, um solche Ansätze auch in kleineren Städten oder im ländlichen Raum zu verankern? 

Die Mobilitätswende ist einer der Schlüsselfaktoren zur Erreichung der Klimaziele. Wir alle wollen zwar nicht auf die Annehmlichkeiten moderner Verkehrsmittel verzichten, der Verkehrssektor trägt aber durch den massiven Einsatz von fossilen Treibstoffen nun mal stark zum Klimawandel bei. Wir investieren daher in marktnahe Mobilitätsforschung, fördern die Integration neuer Technologien in Mobilitätslösungen und bauen Hürden für eine multi-modale Mobilität nach dem Prinzip „vermeiden – verlagern – verbessern“ ab.

Für die Umsetzung in der Stadt sowie am Land steuern wir eine breite Palette an Unterstützungsleistungen bei. Unser Aktionsprogramm „klimaaktiv mobil“ widmet sich etwa der aktiven Mobilität, also dem Fuß- und Fahrradverkehr, in Gemeinden und dem Mobilitätsmanagement in Betrieben. Die Anschaffung von E-Fahrzeugen und Ladeinfrastrukturen für Privatpersonen, Gemeinden und Unternehmen wird ebenfalls mit einer passenden Ausschreibung gefördert. Neben der Praxis widmen wir uns aber genauso der Forschung und steigern die Innovationskraft Österreichs im Bereich der Mobilität durch die Programme “Zero Emission Mobility plus” und “Digitale Transformation in der Mobilität & Rail4Climate”. 

Kritiker:innen monieren, Österreichs Klimapolitik sei zu langsam: Nur 7,6 % der Fernwärme stammt aus Erneuerbaren. Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, dass ambitionierte Pläne oft in der Umsetzung stocken? 

Damit wir die Klimaziele erreichen können, braucht es Innovationen. Diese entstehen in der Forschung, doch der Weg in den Markt ist oft lang und mit erheblichen Kosten verbunden. Es stimmt, dass ohne gezielte finanzielle Unterstützung viele Projekte in der Entwicklungsphase stecken bleiben würden.

Genau diese Schwelle bauen wir mit unseren Förderungen ab: Wir helfen, neue Technologien zur Marktreife und klimafreundliche Lösungen rasch in die breite Umsetzung zu bringen, die wiederum Investitionen auslösen. Eine „grünere“ Fernwärme ist bereits Ziel unserer Ausschreibungen: Unser aktuelles Förderprogramm für Großspeicheranlagen zielt auf die Errichtung von Großwärmespeichern ab. Diese sollen die Dekarbonisierung der Fernwärmenetze ermöglichen, indem sie die ganzjährige Nutzung erneuerbarer Energie durch saisonale Speicherung ermöglicht. Die Wärme des Sommers auch noch im Winter zu nutzen, ist der Plan. Die bereits vielfache genannte Initiative „Leuchttürme der Wärmewende“ trägt ebenfalls zur Transformation hin zu einer erneuerbaren, zentralen und dezentralen Wärmeversorgung bei.

Die Energiepreiskrise 2022 hat viele Haushalte belastet. Wie stellen Sie sicher, dass Klimapolitik nicht als „Elitenprojekt“ wahrgenommen wird, sondern auch einkommensschwache Gruppen erreicht? 

Eine nachhaltige, saubere und sichere Energiezukunft kann nur gestaltet werden, wenn alle Menschen mitgenommen werden. Es braucht also gezielte Maßnahmen, die soziale Gerechtigkeit mit Klimaschutz verbinden. Eine zentrale Rolle in diesem Thema spielt die Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut (kea), die im Klima- und Energiefonds angesiedelt ist. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Klimaschutz sozial verträglich gestaltet werden kann.

Ganz klar ist, wer wenig Geld hat, darf nicht von klimafreundlichen Lösungen ausgeschlossen bleiben. Ein konkretes Beispiel, wie das gelingen kann, ist unser Förderprogramm „Energiesparen im Haushalt: Beratung und Gerätetausch“. Haushalte mit geringen finanziellen Mitteln können dabei kostenlos bis zu zwei alte, stromfressende Haushaltsgeräte gegen energieeffiziente Neugeräte tauschen. Das bedeutet: niedrigere Stromkosten, weniger Energieverbrauch und ein spürbarer Beitrag zum Klimaschutz – ohne zusätzliche finanzielle Belastung. 

Doch Klimaschutz für alle geht noch weiter. Wir unterstützen auch solidarische Energiegemeinschaften. Diese arbeiten daran, dass überschüssiger Strom aus Energiegemeinschaften gezielt Haushalten mit geringem Einkommen zugutekommt – aber auch Sozialorganisationen, die wichtige Leistungen für diese Haushalte bereitstellen. So profitieren nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Einrichtungen, die Wohnraum, Beratung oder andere essenzielle Unterstützungen anbieten.

Zur Person

Bernd Vogl ist seit Jänner 2023 Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds. Nach seinem BWL-Studium mit Schwerpunkt Umweltökonomie startete er 1993 als Energieexperte im Umweltministerium, wo er ab 2004 das Klimaschutzprogramm „klima:aktiv“ leitete und ab 2006 stellvertretender Abteilungsleiter für Umweltökonomie und Energie war.

Zudem verantwortete er den „Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit“ und war Mitglied im Baukultur- sowie Energielenkungsbeirat. Von 2011 bis 2022 leitete er die Energieplanung der Stadt Wien, koordinierte den „Wiener Klimafahrplan“ und entwickelte die Strategie „Wiener Wärme und Kälte 2040“. Seine Schwerpunkte: Förderung erneuerbarer Energien, Pilotprojekte zum fossilen Heizungs-Ausstieg, Integration von Energie- in die Stadtplanung, Sonnenstromoffensive und das Beteiligungsprogramm „Wiener Klimateam“. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Klimaschutzpreis, Verwaltungspreis 2021 und Solarpreis. Von 2016 bis 2022 war er zudem Aufsichtsrat der Wien Energie.

Foto: Klima und Energiefonds

 

The managing director of the Climate and Energy Fund on the decisive steps towards a climate-neutral future.

You have played a major role in shaping the ‘Vienna Climate Roadmap’ and the ‘Heating and Cooling Strategy 2040’. What lessons and experiences from your time in Vienna's energy planning have you brought into your role at the Climate and Energy Fund – particularly for the national implementation of climate targets?

I had the opportunity to develop the Vienna Climate Roadmap together with an amazing team – proven experts ensured that the plan was of a high technical quality, taking into account social and economic aspects. However, the Vienna Climate Roadmap was also successful because we involved all political parties from the outset.

Four out of five parties approved it. This broad consensus was the basis for the strategy's long-term success, because when it comes to climate and energy, we are talking about long-term investments. Back and forth gets us nowhere, and certainly not when it comes to Austria as a business location. It is precisely this idea of unifying cooperation based on good technical ideas that I have also brought to the Climate and Energy Fund. I am convinced that this will bear fruit in the medium term and make a decisive contribution to achieving climate targets. In any case, we are well positioned and have many more ideas!

The City of Vienna's ‘Heating and Cooling Strategy 2040’ has given rise to a new programme in the Climate and Energy Fund – the ‘Beacons of the Heating Transition’ – in which we are trying to transfer knowledge from highly innovative research and pilot projects into practical construction. Specifically, we want to support neighbourhoods in converting from oil or natural gas to a renewable heating and cooling supply. In existing buildings, this is a major challenge that requires a lot of innovation and investment. The good thing about it is that Austria is an innovation leader in this field and, if we continue to focus on this topic, export opportunities and prosperity will arise in the future.

The EU is calling for a complete phase-out of fossil fuel heating systems by 2040. How do you rate Austria's progress – for example, in the switch to heat pumps or district heating? And where do you see the biggest hurdles, especially in rural areas?

Austria has ambitious plans to reduce the use of fossil fuels for heating and is already on the right track. However, the switchover poses challenges in both rural and urban areas. In urban areas, the expansion of district heating continues to progress, but this is not possible everywhere in the city. In these cases, other green solutions must be used, such as converting district heating to waste heat and other renewable energies.

Put simply, this requires space, and space is scarce in urban areas. In rural areas, there is space, but the large-scale district heating networks to ensure a broad supply do not yet exist. Tailored solutions are needed here that take local conditions into account. Programmes such as the Climate and Energy Model Regions (KEM) play a crucial role in this by promoting regional projects and thus supporting the transition to renewable energies. Innovations based on various heat pump solutions can help both in urban and rural areas.

It is important to note that the heat supply is not the only thing that matters. Older buildings in particular are often not sufficiently insulated. They may be heated sustainably, but the heat is actually lost through leaky windows and roofs. This is a hurdle that affects both urban and rural areas. When changing the heating system, investments in the efficiency of the building should therefore also be considered. This costs money, but the provision of subsidies, such as the above-mentioned ‘Lighthouses of the Heat Transition’ call for proposals, can be used to set the right incentives.

Vienna is committed to the ‘15-minute city’ to reduce commuter traffic. What innovative mobility concepts is the fund promoting to anchor such approaches in smaller cities or rural areas?

The mobility turnaround is one of the key factors in achieving climate targets. While we all want to continue enjoying the convenience of modern means of transport, the transport sector is a major contributor to climate change due to the massive use of fossil fuels. We are therefore investing in market-oriented mobility research, promoting the integration of new technologies into mobility solutions and removing obstacles to multi-modal mobility based on the principle of ‘avoid – shift – improve’.

We provide a wide range of support services for implementation in urban and rural areas. Our ‘klimaaktiv mobil’ action programme, for example, is dedicated to active mobility, i.e. walking and cycling, in communities and mobility management in companies. The purchase of e-vehicles and charging infrastructure for private individuals, communities and companies is also supported with a suitable call for tenders. In addition to practical implementation, however, we are also focusing on research and increasing Austria's innovative strength in the field of mobility through the programmes ‘Zero Emission Mobility plus’ and ‘Digital Transformation in Mobility & Rail4Climate’.

Critics complain that Austria's climate policy is too slow: only 7.6% of district heating comes from renewables. How do you respond to the accusation that ambitious plans often falter in implementation?

We need innovation to achieve our climate goals. This innovation is created in research, but the path to market is often long and involves considerable costs. It is true that without targeted financial support, many projects would get stuck in the development phase.

Our funding programmes help to overcome precisely this hurdle: we help to bring new technologies to market maturity and to quickly implement climate-friendly solutions on a broad scale, which in turn trigger investments. A ‘greener’ district heating system is already the goal of our calls for tenders: our current funding programme for large-scale storage facilities aims to establish large-scale heat storage systems. These are intended to enable the decarbonisation of district heating networks by enabling the year-round use of renewable energy through seasonal storage. The plan is to use the heat from summer even in winter. The ‘Lighthouses of the Heating Transition’ initiative, which has already been mentioned many times, also contributes to the transformation towards a renewable, centralised and decentralised heating supply.

The energy price crisis in 2022 has put a strain on many households. How do you ensure that climate policy is not perceived as an ‘elite project’ but also reaches low-income groups?

A sustainable, clean and secure energy future can only be shaped if everyone is taken along. Targeted measures are therefore needed that combine social justice with climate protection. The Coordination Office for Combating Energy Poverty (kea), which is based in the Climate and Energy Fund, plays a central role in this area. It is working intensively on the question of how climate protection can be made socially acceptable.

It is clear that those with little money must not be excluded from climate-friendly solutions. One specific example of how this can be achieved is our funding programme ‘Saving energy in the home: advice and appliance exchange’. This allows households with limited financial means to exchange up to two old, energy-guzzling household appliances for new, energy-efficient ones free of charge. This means lower electricity costs, reduced energy consumption and a tangible contribution to climate protection – without any additional financial burden.

But climate protection for all goes even further. We also support solidarity-based energy communities. These work to ensure that surplus electricity from energy communities specifically benefits low-income households – but also social organisations that provide important services for these households. This means that not only individuals benefit, but also institutions that offer housing, advice or other essential support.

About the person

Bernd Vogl has been managing director of the Climate and Energy Fund since January 2023. After studying business administration with a focus on environmental economics, he started out as an energy expert at the Ministry of the Environment in 1993, where he went on to head the ‘klima:aktiv’ climate protection programme from 2004 and became deputy head of the department for environmental economics and energy in 2006.

He was also responsible for the Austrian State Prize for Architecture and Sustainability and was a member of the Austrian Advisory Board on Building Culture and the Austrian Energy Steering Committee. From 2011 to 2022, he was head of energy planning for the City of Vienna, coordinated the Vienna Climate Roadmap and developed the Vienna Heating and Cooling Strategy 2040. His priorities: promoting renewable energy, pilot projects for phasing out fossil-fuel heating, integrating energy into urban planning, solar power initiatives and the ‘Wiener Klimateam’ (Vienna Climate Team) participation programme. His work has received numerous awards, including the Climate Protection Prize, the 2021 Public Administration Prize and the Solar Prize. From 2016 to 2022, he was also a member of the supervisory board of Wien Energie.

Photo: Climate and Energy Fund


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