Sigrid Krupica, CEO Grayling: Planbarkeit ist in der jetzigen Situation Mangelware – quer durch alle Branchen

Grayling CEO Sigrid Krupica im ABW-Interview über die Sehnsucht der Medienkonsumenten, Kommunikationsdefizite und unternehmerische Verantwortung. 

 

Planbarkeit ist in der jetzigen Situation Mangelware – quer durch alle Branchen. Umso wichtiger ist es mir, die wertvollen Kontakte zu Kunden, Partneren und auch allen Mitgliedern meines Teams aufrecht zu erhalten. Auch wenn die Menschen mehrheitlich im Homeoffice sind, ist ein möglichst persönlicher Austausch wichtig. Für das Business, für die Motivation und für das eigene Gemüt“, so Grayling CEO Sigrid Krupica. 

Jetzt sei auch die Zeit, mutig nach vorne zu schauen, zu agieren und nicht in der Schockstarre zu verharren. Gemäß dem Motto „Anders als bisher!“ fordere man derzeit die bestehenden Kunden und potenzielle Neukunden heraus, ihre Positionierung neu zu (über)denken. Damit sollen alte Denkmuster aufgebrochen und frische Ideen greifbar gemacht werden. 

Neue Stories sind gefragt

Gute Kommunikation nach innen und außen war noch nie wichtiger als jetzt, ist Krupica überzeugt. Darüber seien sich auch die Kunden einig. „Viele Unternehmen haben gerade in dieser Situation die Möglichkeit ganz neue Stories zu erzählen. Zum Beispiel alle jene, die selbst einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten oder mit Empathie und Humor beweisen, dass sie die schwierige Situation der Konsumenten verstehen und wirklich ernstgemeinte Abhilfe schaffen möchten.“

Mehr Zeit für Medienkonsum

Die schon länger erkennbare Verschiebung Richtung digitale Plattformen und Onlinemedien hat durch die letzten zwölf Monate nochmal einen ordentlichen Antrieb bekommen. Gleichzeitig belegen viele Daten ein Wachstum im Bereich lineares Fernsehen. Lediglich Radio muss laut aktuellem Radiotest einen Rückgang an Hörerzahlen verzeichnen.

Bedingt durch Homeoffice fehlen den Sendern wertvolle Hörer, die auf dem Weg in die und bei der Arbeit gerne Radio hören. Dennoch haben die Menschen aktuell wegen der fehlenden Freizeitangebote und sozialen Kontakte für den Medienkonsum mehr Zeit und Muße als je zuvor“, sagt die PR-Expertin. Diese erhöhte Aufmerksamkeit biete viel Potenzial für die Kommunikation und für neue Formate – zum Beispiel im Bereich Gamification, bei Hörbüchern und Podcasts als auch bei Video-Inhalten.

Flexible Arbeitsgeber sind gefragt
Mit dem richtigen Fingerspitzengefühl können Unternehmen in der Coronakrise unternehmerische Verantwortung zeigen, sowie Haltung beweisen und sich so von der Konkurrenz abheben, glaubt Sigrid Krupica. Außerdem sei gute interne Kommunikation und Employer Branding in diesen Zeiten erfolgsentscheidend.

Mitarbeiter würden vor noch nie dagewesenen Hürden stehen – wie zum Beispiel dem Spagat zwischen Homeoffice und Distance Learning mit den Kindern – da müsse der Arbeitgeber Flexibilität und Unterstützung leisten. Gleichzeitig sei der gesamte Arbeitsmarkt im Umbruch, viele krisengebeutelte Branchen wie Kunst und Kultur, Tourismus oder Gastronomie würden ihre besten Mitarbeiter an vermeintlich sicherere Bereiche verlieren. Hier gäbe es aus Kommunikationssicht viel zu tun. 

Der tägliche weg ins Büro

Die Agenturchefin ist – zumindest stundenweise – fast täglich im Büro anzutreffen. „Ansonsten verbringe ich sehr viel Zeit im Homeoffice in virtuellen Meetings oder telefonierend am Handy. Dazwischen versuche ich möglichst viel Bewegung in der Sonne bzw. bei Tageslicht zu machen und frische Luft zu tanken.

Dafür hänge ich dann lieber noch ein paar Arbeitsstunden am Abend an.“ Auf das Ende von Corona freut sie sich schon:  „Dann werde ich mit meinem ganzen Team spontan eine Party in unserer Agentur am Siebensternplatz feiern, dazu allen Nachbarn im Haus, Freunde und Partner einladen. Ohne Maske: Frauen tragen wieder Lippenstift und Männer Bart. Alle reden laut durcheinander, umarmen sich nach Lust und Laune, lachen viel, shaken und singen lauthals bei super Musik bis in die frühen Morgenstunden – eine schöne Vorstellung.“

Foto: Grayling/P. Rigaud