Mag. Claudia Froschauer: Zeit für purposeful business, oder: Wie man es so richtig falsch machen kann

Sie kennt sowohl die Kunden- als auch die Agenturseite. Seit einigen Monate ist sie wieder im Kreativbusiness tätig. Ein ABW-Interview mit Claudia Froschauer, Head of Strategy bei primeconcept+.

 

Seit bald einem halben Jahr sind Sie Head of Strategy bei primeconcept+ – was fasziniert Sie an Ihrer neuen Tätigkeit? 

Filme waren immer schon meine Leidenschaft. Und die Abwechslung ist einfach großartig. Besonders gefällt mir an dieser Position, dass ich mich um die Transformationsprojekte im Unternehmen kümmern kann. Nach 15 Jahren in leitender Funktion in verschiedensten Branchen (Media, Stahlindustrie und zuletzt Bank- und Finanzdienstleistung), widme ich mich jetzt voll und ganz dem Kernthema Markenaufbau  und -führung.

Ich kann kreativ sein, bei Filmproduktionen mitwirken und hier eben auch meine Expertise als Markenspezialistin ausleben. Wir verwandeln uns gerade von der Filmproduktionsfirma zur Agentur für bewegende Markenführung. Am Unternehmen zu arbeiten, die zwei Geschäftsführer dabei zu unterstützen den Wandel so effizient wie möglich zu gestalten, das Team ins Boot zu holen, sich weiter zu entwickeln: All das sind spannende Herausforderungen, die sich mit meiner Leidenschaft für Strategiearbeit und Geschäftsmodell-Entwicklung sowie für den Aufbau von integrierter Kommunikation in Unternehmen optimal ergänzt. Zu gestalten, etwas zu bewegen, etwas Wertvolles zu erschaffen, macht eben nicht nur Sinn, sondern auch verdammt viel Spaß. ;) 

Bitte beschreiben Sie uns Ihre konkreten Aufgabengebiete, wie hilfreich ist Ihre Marketingerfahrung? 

Als Head of Strategy bin ich für das große Ganze verantwortlich. Ich übernehme die strategische Beratung. Sowohl für unsere Kunden bei der Konzepterstellung von konkreten Filmproduktionen, als auch in der Beratung von Branding Prozessen arbeite ich mit unserem internen Team und den Experten aus unserem Netzwerk zusammen. Ich bin ein kommunikativer Mensch, arbeite am liebsten mit unterschiedlichen Menschen.

In einer Welt, in der es keine subjektive Wahrheit gibt, hilft mir insbesondere auch meine branchenübergreifende Markenerfahrung dabei, ganz kompromisslos und mutig im Sinne der Marke zu agieren. Denn es gefällt nicht zwingend gleich jeder Vorschlag auf den ersten Blick. Richtig spannend wird es dann, wenn die Kunden zu Beginn erst einmal irritiert sind. Dann wissen wir: Unsere Methode wirkt, denn sie bewegt. 

Um die Marken-DNA zu eruieren und das Reason Why der Marke abzuleiten, nutze ich meinen Methodenkoffer. Dieser beinhaltet Tools aus den Bereichen Kommunikation, Marketing, Innovationsmanagement und Coaching. Zum Einsatz kommt, was das jeweilige Unternehmen benötigt. Insbesondere das Warum der Marke ist uns wichtig. Nur damit lassen sich Geschichten erzählen, die langfristig begeistern.

Alles andere sind schnell verpuffende Kurzzeit-Effekte. Wobei dabei die Kommunikation und damit die lösungsorientierte Zukunftsgestaltung vorrangig im Mittelpunkt stehen und ich persönlich auch in diesem Bereich meine besondere Leidenschaft und daher auch künftig verstärktes Aufgabengebiet für Unternehmen sehe. 

In welchen Bereichen sehen Sie derzeit die größten Chancen für Agenturen, wo die größten Hürden? 

Ich habe ja die Seiten gewechselt. Als Auftraggeberin kenne ich die Vor- aber auch Nachteile von Spezial- und Full Service Agenturen nur zu gut. Für mich waren immer schon Expertise und Handschlagqualität wichtig, die sich vor allem durch transparente Kommunikationswege auszeichnet. Full-Service-Agenturen konnten mich in diesem Punkt nie wirklich überzeugen. Top-Qualität in allen Bereichen zu bieten, geht immer zu Lasten von Preis und Ressourcen. 

In Zeiten wie diesen wird oftmals auch in der Agenturszene von Konzentration und Disruption gesprochen. Dazu habe ich aber eine klare Meinung: Fusionen, Totgeburten und Neuerfindungen in der Agentur-Szene gab es schon immer. Die Branche ist und bleibt eine volatile und Agenturen neigen dazu, sich selbst zu kannibalisieren. Damit hat Corona wenig zu tun.

Es liegt an der fehlenden Spezialisierung und dem Mut zur Lücke. Beides braucht es, um schlank organisiert und dadurch schlagkräftig sein zu können, meiner Meinung nach. Statt massiven Overhead-Kosten besser ein Netzwerk an verlässlichen Partnern, wie z.b. Texter, Fotografen etc. abgestimmt auf die Bedürfnisse der Kunden. 

Was Agenturen erfolgreich macht, lässt sich meiner Meinung nach leicht zusammenfassen: Entweder positioniert man sich als breit aufgestellte externe Marketingabteilung für Unternehmen. Oder man geht den Weg wie primeconept+: mit Fokus auf ein Spezialgebiet , mit einem konkreten, greifbaren Produkt (in unserem Fall hochwertige Filme), mit einer smarten Kompetenz-Cloud bestehend aus Experten, sowie mit gezielten strategischen Kooperationen. Das geniale an Spezialagenturen wie uns ist, dass wir flexibel und zugleich gezielt agieren können. 

Wie hilfreich ist der Umstand, dass die Agentur im Wirtschaftsstandort Linz angesiedelt ist? 

Unsere Kunden sind in ganz Österreich daheim. Wir profitieren von unserem Netzwerk und haben ein loyales, vielseitiges Bestandskunden-Portfolio in den Bereichen der verarbeitenden Industrie, Maschinen- und Anlagenbau, Gesundheitswesen, Interessenvertretung und FMCG u.v.m. Auch wenn der Standort für uns unerheblich ist: Oberösterreich als innovativer Wirtschaftsstandort und mit seinem großen Einzugsgebiet bedingt durch zahlreiche international exportorientierte Industriebetriebe hat natürlich großes Potenzial. 

Ihre Startegien in diesen herausfordernden Zeiten? 

Maximale Leidenschaft, kompromisslose Strategiearbeit im Sinne der Marken, Perspektiven-Wechsel und Out-of-the-box-Denken. Dafür sind wir bekannt und das wollen wir noch weiter kultivieren. Wir beginnen, wo Werbung aufhört – indem wir bereits ab Beginn der Akquise in die Konzepterstellung investieren. Warum? Weil nur so purposeful business mit sinnvollen Ergebnissen möglich ist.

Als Filmproduktionsfirma hat primeconcept schon immer gut durchdachte Geschichten erschaffen. Damit diese Geschichten bei der Zielgruppe auch wirklich ankommen, basiert jedes Projekt auf umfassendem strategischem Know-how und das wird nun bei primeconcept + stärker angeboten. Das kürzlich ergänzte Plus im Firmennamen steht für eben diese Weiterentwicklung und Schärfung des Portfolios im Bereich Strategie. 

Unser Wachstum und die enge Verknüpfung mit der Tochterfirma involve ist primeconcept+ ganz natürlich entstanden.Digitale Erlebnisse zu schaffen, gehört heutzutage natürlich zu bewegender Markenführung. Gemeinsam nutzen wir digitale Kanäle, um Menschen für Marken und Ideen zu begeistern. Dabei immer im Mittelpunkt: Der Mensch. Unsere KundInnen haben im Herbst verstärkt unsere Hilfe im Bereich Brand Management angefragt – das haben wir genutzt. 

Wie gelingt es eine Marke stark zu machen? 

Die meisten Marken werden heute durch eine fulminante Story gepusht. Aber nach kurzer Zeit geht ihnen die Luft aus, weil die Substanz fehlt. Für uns ist wichtig, dass eine Marke Sinn stiftet und ihr Versprechen hält. Das gelingt mit der richtigen Strategie. Wir sind überzeugt, jede Marke braucht ein klares Warum.

Denn: eine Marke ist mehr als nur ein Logo, ein Produkt oder eine Leistung. Eine Marke braucht ein klares Warum und besteht aus einem funktionalen und auch emotionalen Nutzenversprechen. Darin steckt auch das wesentliche Erfolgspotenzial von Unternehmen. Und genau das ist es auch, was wir in Zeiten wie diesen brauchen. Unsere Gesellschaft erlebt einen Wandel.

Corona verändert uns nachhaltig – nicht nur unser Konsumverhalten, sondern unsere gesamte Wertewelt. Warum? Kommunikation hat natürlich viel mit Werten zu tun! Wenn sich das Wertegefüge ändert, dann hat das Einfluß auf das Entscheidungsverhalten also konkret, wie reagiert jemand auf die Kommunikation vom Unternehmen. Nun ist es wichtig vor allem eben auch die emotionalen Bedürfnisse von Menschen zu stillen. 

Wir verstehen das als Chance und als klaren Auftrag, mehr denn je authentisch zu sein, auch und gerade in der Kommunikation erfordert das eine andere Tonalität. 

Waren es oftmals der maximale Genuss und die Lust auf „höher, weiter, mehr”, der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Exklusivität, so geht es jetzt mehr um Stabilität, Sicherheit, Planbarkeit und aber auch Gemeinschaft und Zusammenhalt. Verlässlichkeit wird auch in der Kommunikation wichtiger. Klare transparente Kommunikation mit einem echten Wert: Das ist der Megatrend. 

Zu glauben, man brauche momentan nichts in Werbung zu investieren, ist ein schwerer Irrtum. Es braucht Unternehmen, die sich mit einem starken, authentischen Warum präsentieren. Dafür ist es für Unternehmen nun notwendig die Kommunikation zu überprüfen und nicht gänzlich einzustellen. Wo physischer Rückzug aufgrund des Lockdowns vorherrscht, ist die digitale Präsenz immer wichtiger. 

Wir helfen Unternehmen dabei sich z.b. zu überlegen, wie der Gemeinschaftssinn gestärkt wird, mehr Stabilität vermittelt werden kann und schauen, dass Sie die Kundenbrille aufsetzen bei all Ihren Überlegungen und sich eben dabei die Frage zu stellen “Was nutzt meinen KundInnen jetzt besonders?!” 

So nutzen wir derzeit mit gezielten Fragen, die Budget Shifts z.B. durch den Wegfall von Messen, dass wir gemeinsam mit Unternehmen Formate und dafür Storys zu entwickeln, die eben Sinn machen. Es fällt derzeit durchaus leichter “oft festgefahrene” Einsatzebenen zu hinterfragen und zu verändern. Das macht richtig Spaß. 

Purposeful Business bedeutet für uns, wie man den Nutzen bei anderen maximieren kann und zwar eben neben der funktionalen Ebene auch auf der emotionalen Ebene. 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in Corona Zeiten aus? 

Wir haben schnell reagiert und FFP2-Masken schnell zur Pflicht gemacht, ebenso regelmäßige Tests auf Firmenkosten. Die Arbeit am Filmset erfolgt ebenfalls unter strengster Einhaltung aller Sicherheits- und Hygienebestimmungen. Wir vermissen den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden, die durch die virtuellen Meetings nicht ersetzt werden können. Aber es läuft und man gewöhnt sich rasch an alles, wenn die Begeisterung stimmt. 

Wenn morgen der „Corona-Spuk“ vorbei und ein ganz normales Leben wieder möglich wäre, was würden Sie als Erstes tun? 

Ich würde Freunde und Familie einpacken und ans Meer fahren, am Strand ein Picknick machen und dabei die Sorglosigkeit genießen. Und Kino! Darauf freue ich mich auch schon wieder! Ich bin aber auch dankbar: Corona hat uns gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. So vieles war eine Selbstverständlichkeit. Ob ein gemütliches Abendessen im Lieblingsrestaurant, kulturelle Besonderheiten, wie Konzerte, oder Feierlichkeiten, wie Hochzeiten, Kindergeburtstage, Ostern: All das ist heute nicht mehr „selbstverständlich” und und wir erleben vieles wieder mit mehr Wertschätzung und Bedeutung, dass empfinde ich persönlich als einmalige Chance für die Gesellschaft. 

Foto: primeconcept+