Michaela Keplinger-Mitterlehner, Raiffeisenlandes-bank OÖ: "Ein Teil der Veränderungen wird nachhaltig bleiben"

Wie die Raiffeisenlandesbank OÖ mit Corona und den Folgen umgeht, erzählt die Generaldirektor-Stellvertreterin im ABW-Interview.

 

Dass wir unseren Kunden, gerade in herausfordernden Zeiten wie jetzt, Sicherheit und Stabilität geben können, setzt voraus, dass wir selbst entsprechend gerüstet sind – das ist insbesondere durch unsere gute Eigenkapitalausstattung der Fall. Die guten Bilanzergebnisse aus dem Jahr 2019 und auch unsere Struktur sind die besten Voraussetzungen, um diese Krise gemeinsam mit unseren Kunden zu meistern“, versichert Mag. Keplinger-Mitterlehner und sieht es als wichtige Aufgabe, für Stabilität zu sorgen. 

Man setze alle zur Verfügung stehenden Mittel ein, damit die Kunden und der gesamte Wirtschaftsstandort so gut wie möglich aus dieser noch nie da gewesenen Situation kommen können. 

Bei den Unternehmen ging es anfangs vor allem darum, die Liquidität sicherzustellen. Dort, wo es notwendig ist, wurden und werden auch Zinsen und Kreditrückzahlungen nach hinten geschoben. „Uns ist dabei besonders wichtig, möglichst schnell und unbürokratisch zu helfen. Wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden die besten Lösungen im Zusammenhang mit den staatlichen Förderungen. Hierbei kommt den Kunden unsere Finanzierungs- und Förderkompetenz besonders zugute“, so die Finanzexpertin.

Die Stimmung ist von Unsicherheit geprägt

Jedes Unternehmen und jeder Einzelne sei in irgendeiner Form von der COVID-19-Pandemie betroffen. Weil sich derzeit nur schwer abschätzen lasse, wie sich die nächsten Monate wirtschaftlich entwickeln werden, ist auch die Stimmung der Unternehmer von Unsicherheit geprägt. Bereiche wie etwa der Dienstleistungssektor und besonders Tourismus-Betriebe würden auch über den Sommer hinaus enorme Herausforderungen bewältigen müssen. Aufgabe als Bank sei es, die gesamte Schlagkraft zugunsten der positiven Entwicklung einzelner Unternehmen und des gesamten Wirtschaftsstandortes einzusetzen. 

Wir wollen Schrittmacher sein

Die Raiffeisenbankengruppe OÖ hat im Kontext von COVID-19 bis Mitte Juni fast 12.000 Kreditstundungen abgewickelt, 59 Prozent davon betreffen Privatkunden. Das Stundungsvolumen beträgt rund 83 Millionen Euro. Außerdem waren mit Stand Mitte Juni mehr als 2.100 Anträge für Überbrückungshilfen der staatlichen Förderstellen wie AWS, ÖHT oder OeKB in Bearbeitung bzw. bereits abgewickelt, was einem Volumen von mehr als 1,1 Milliarden Euro entspricht. 

„Diese Zahlen machen deutlich, dass wir wirklich alles unternehmen, um unseren Kunden zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen. Unser oberstes Ziel ist es, niemanden im Regen stehen zu lassen“, sagt Keplinger-Mitterlehner und betont, auf Krisensituationen gut reagieren zu können: Die Mitarbeiter der Organisation seien hervorragend aufgestellt. Alle seien mit Notebooks ausgestattet und könnten auch außerhalb des Büros auf die Systeme zugreifen. „Außerdem haben wir ein sehr gutes System für Telefon- bzw. Videokonferenzen. Dieser große Digitalisierungsschritt, den wir bereits vor einiger Zeit gesetzt haben, hat es uns in der Krise ermöglicht, unsere Arbeitsweise in der Bank rasch umzustellen. Innerhalb kürzester Zeit war ein Großteil unseres Konzerns im Home-Office. Der gerade in dieser Zeit so wichtige persönliche Kontakt zu den Kunden wurde via Telefon und E-Mail gehalten. Gleichzeitig können unsere Kunden eine Reihe von aktuellen Prozessen digital abwickeln, wie zum Beispiel Anträge auf gesetzliche Kreditstundungen oder Förderanträge, wie etwa beim aws. Die Digitalisierung hat durch die Corona-Krise sicher noch einmal einen zusätzlichen Schub erfahren. Wir wollen hier Schrittmacher sein und unseren Kunden auch künftig modernste Dienstleistungen anbieten.“

Förderspezialist Nummer eins in Österreich

Raiffeisen sei seit jeher mit den Attributen Sicherheit, Stabilität, Regionalität, Nachhaltigkeit und Kundenorientierung verbunden. Diese Stärken seien in den vergangenen Monaten für Kunden noch sichtbarer und spürbarer geworden. 

„Unsere Kundinnen und Kunden schätzen die persönliche Beratung und Betreuung vor Ort in Kombination mit modernsten digitalen Bankdienstleistungen. An diesen Werten werden wir selbstverständlich auch in Zukunft festhalten. Unsere Unternehmenskunden profitieren darüber hinaus von unserer besonderen Kompetenz im Finanzierungs- und Förderbereich. Wir sind als Raiffeisenbankengruppe OÖ – auch abseits von Corona – der Förderspezialist Nummer eins in ganz Österreich. Das spiegelt sich jetzt auch in den aktuellen Zahlen zu den Kreditstundungen, Überbrückungsfinanzierungen wider. Darüber hinaus bieten wir mit unserem erfahrenen Beteiligungsbereich professionelle Eigenkapitallösungen.“

Bei der Geldanlage kommt es auf die Mischung an

Die Corona-Pandemie habe alle Menschen vor neue Herausforderungen gestellt, sagt Michaela Keplinger-Mitterlehner. Die Sicherheit der Kunden sowie der Mitarbeiter sei dabei stets im Mittelpunkt gestanden. 

„Wie alle anderen auch mussten wir unsere Arbeitsorganisation neu denken, was aufgrund einer bereits bestehenden Infrastruktur und dem großen Engagement aller aber umgesetzt werden konnte. Weil uns als Bank eine besondere Rolle in der Bewältigung der Corona-Krise zukommt, war es unser oberstes Gebot, die individuelle, professionelle Kundenbetreuung auch unter veränderten Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Das ist uns gelungen, wie uns auch das gute Feedback unserer Kunden bestätigt. Ich bin überzeugt, dass ein Teil dieser Veränderungen nachhaltig bleiben wird, wenn ich an die Wertschätzung der regionalen Dienstleistungen oder die Akzeptanz von Telearbeit denke. Wie bereits zuvor erwähnt, hat die Digitalisierung in den vergangenen Monaten einen großen Anschub erfahren – da gibt es noch viel Potenzial, wenn ich etwa an die Prozesse beim Abschluss von Rechtsgeschäften denke. Außerdem wurde die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens - vor allem auch des kontaktlosen Bezahlens am Point of Sale mit Karte oder Smartphone – noch stärker genutzt als bisher: Bereits vier von fünf unserer Kunden nutzen diese Bezahlweise an der Kassa. Das Smartphone und andere Geräte wie Smartwatches werden in diesem Zusammenhang künftig immer wichtiger. Die Bedürfnisse unserer Kunden sind in diesem Zusammenhang sehr unterschiedlich, deshalb wollen wir ihnen auch viele Optionen anbieten, egal ob sie bar, mit Karte oder via Smartphone zahlen möchten“, so die Generaldirektor-Stellvertreterin, die davor warnt, die Corona-Krise zum Anlass zu nehmen, um seine bisherige Spar- und Veranlagungsstrategie von einem Tag auf den anderen über den Haufen zu werfen. 

Es sei aber ein guter Anlass, sich Gedanken über den eigenen Finanzhaushalt zu machen. Jetzt gelte, wie sonst auch, dass es bei der Geldanlage auf eine gute Mischung ankomme, was die Laufzeiten der Produkte und vor allem auch die persönliche Risikobereitschaft anbelange. Die Basis bilde dabei immer noch das Sparbuch. Und gerade jetzt erkenne man, wie wichtig es sei, auf eine Reserve zurückgreifen zu können. „Natürlich bieten sich in der aktuellen Situation auch Chancen – etwa am Aktienmarkt“, so Keplinger-Mitterlehner,  „aber hier sollte man sich unbedingt von einem Spezialisten beraten lassen und sich auf keinen Fall aus einer Emotion heraus zu unüberlegten Käufen oder Verkäufen verleiten lassen. Ich kann daher nur raten, gemeinsam mit dem persönlichen Bankberater die Ist-Situation zu bewerten, mögliche Szenarien durchzudenken und abgestimmt darauf zu handeln.“ 

Foto: RLB OÖ