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Kategorie: Steuerberater

Selbstständigenvorsorge- Abfertigung neu für Selbstständige


Selbstständigenvorsorge- Abfertigung neu für Selbstständige
Mag. Kurt WallnbergerWirtschaftsprüfer und Steuerberater, ist geschäftsführender Gesellschafter der TRUST Treuhand- und Steuerberatung GmbH mit Tätigkeitsschwerpunkten in der Beratung zur Steuerplanung und -strategie; Beratung im Stiftungsrecht; Beratung auf den Gebieten EDV-unterstützter Organisation, Finanzierungsberatung, steuerschonende Vermögensschaffung, Betreuung von Start-up‘s im Bereich Planung, Budgetierung und Finanzierung.
e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Ab dem 1.1.2008 kommen auch Selbstständige in den Genuss einer Abfertigung neu, die angesparten Beträge können in Form einer monatlichen Zusatzpension steuerfrei oder als einmaliger Barbetrag steuerbegünstigt ausbezahlt werden. Der Vorteil: Die Beträge können als Betriebsausgabe vom Einkommen abgesetzt werden und bei der Auszahlung als Einmalzahlung sind nur 6 % als Ertragsteuer zu bezahlen.
Unter das System der verpflichteten Abfertigung neu für Selbstständige fallen alle Personen, die bei der Pflichtversicherung in der Krankenversicherung nach dem GSVG (Gewerblichem Sozialversicherungsgesetz) versichert sind, somit Gewerbetreibende und auch „Neue Selbstständige“. An der Selbstständigenvorsorge nimmt jeder Unternehmer teil, solange er krankenversichert ist. Damit sind alle Wirtschaftskammermitglieder grundsätzlich erfasst. Angehörige der freien Berufe und Landund Forstwirte können das Modell der Selbstständigenvorsorge auch mit Opting-in nützen. Gleichzeitig mit der Einführung der Selbstständigenvorsorge wurden die Krankenversicherungsbeiträge für Selbstständige von 9,1 % auf das Niveau der Arbeitnehmer (7,65 %) gesenkt. Somit wird die neue Leistung in Form der „Abfertigung neu“ durch diese Betragssenkung finanziert und es entstehen im Wesentlichen keine Zusatzbelastungen. Der Beitrag zur Selbstständigenvorsorge beträgt 1,53 % der vorläufigen Beitragsgrundlage in der Krankenversicherung und wird von der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft an die ausgewählte betriebliche Vorsorgekasse abgeführt. Während es in der Krankenversicherung grundsätzlich zu einer Nachbemessung kommt, bleibt es aber bei der Abfertigung neu bei den einmal vorgeschriebenen Beiträgen, eine Anpassung an die tatsächlichen Einkünfte findet nicht statt. Ist ein Unternehmer auch gleichzeitig Dienstnehmer werden für ihn durch den Arbeitgeber Beiträge zur Abfertigung neu für diese Tätigkeit bezahlt. Als Unternehmer hat er dennoch Beiträge für die Abfertigung neu für Selbstständige abzuführen. In diesem Falle werden die Beiträge ebenfalls von der (Differenz-)Beitragsgrundlage berechnet, sodass nur das zusätzliche Einkommen der Abfertigung neu für Selbstständige unterliegt. Im Pflichtmodell werden die Beiträge ab dem 1. Quartal 2008 zunächst gemeinsam mit den –abgesenkten – Krankenversicherungsbeiträgen vorgeschrieben, dadurch entsteht dem Unternehmer kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Vom Unternehmer ist innerhalb von 6 Monaten eine betriebliche Vorsorgekasse auszuwählen und ein Beitrittsvertrag abzuschließen, sofern nicht bereits eine betriebliche Vorsorgekasse (vormals Mitarbeitervorsorgekasse) für das Unternehmen ausgewählt wurde. Es stehen neun betriebliche Vorsorgekassen zur Auswahl, genauere Informationen zur Anlagestrategie und zu der zu erwartenden Leistungshöhe kann bei den Instituten geholt werden. Falls die Bekanntgabe der betrieblichen Vorsorgekasse nicht rechtzeitig erfolgt, so wird der Unternehmer automatisch einer Vorsorgekasse zugeteilt. In jedem Fall informiert die gewählte bzw. zugeteilte Vorsorgekasse die SVA über den Vertragsabschluss. Ein Auszahlungsanspruch bzw. eine Verfügungsmöglichkeit erwirbt man nach mindestens drei Einzahlungsjahren und nach mindestens zwei Jahren des Ruhens der Gewerbeausübung bzw. auch nach Beendigung der betrieblichen Tätigkeit und bei Pensionsantritt. Im Falle des Ablebens fällt der Kapitalbetrag an Ehegatten, Kinder bzw. in die Verlassenschaft. Über den vorhandenen Kapitalbetrag kann in anschließend verschiedenen Formen verfügt werden. Neben der Auszahlung kommen die Übertragung in eine neue Vorsorgekasse (wenn eine andere Tätigkeit aufgenommen wird) oder die Überweisung an eine Pensionskasse oder an eine Privatversicherung zwecks Auszahlung als Rente in Frage. Bei gleichzeitig oder hintereinander ausgeübten unselbstständigen und selbstständigen Tätigkeiten werden die Leistungsansprüche aus der Selbstständigenvorsorge bzw. aus der betrieblichen Vorsorge unabhängig voneinander geprüft. Anwartschaftszeiten werden nicht zusammengerechnet. Sämtliche steuerliche Begünstigungen für Arbeitnehmer gelten auch für Selbstständige: Damit gilt der Beitrag zur Selbstständigenvorsorge als steuerliche Betriebsausgabe und die Veranlagung in der Betrieblichen Vorsorgekasse ist steuerfrei. Die Auszahlung des angesparten Kapitals ist als Einmalbetrag mit sechs Prozent steuerbegünstigt bzw. als Rente steuerfrei.
STEUERTIPPS Jene Selbstständigen, die nicht in der GSVG Krankenversicherung pflichtversichert sind (freiberuflich Selbstständige und Land- und Forstwirte), können freiwillig in die Abfertigung neu optieren. Der Vorteil: Die Beiträge werden als Betriebsausgabe anerkannt. Erträge, die aus den veranlagten Beträgen erzielt werden, sind von der Kapitalertragsteuer befreit. Im Falle der einmaligen Auszahlung der Abfertigung wird der angesparte Betrag mit nur sechs Prozent besteuert. Erfolgt die Auszahlung in Rentenform, so entfällt die Besteuerung zur Gänze. Die Option kann bis Ende 2008 durch Abschluss eines Beitrittsvertrages bei der ausgewählten betrieblichen Vorsorgekasse ausgeübt werden.
FACTBOX Zusätzlich gibt es auch Bestrebungen zur Einführung einer Arbeitslosenversicherung für Selbstständige und freie Dienstnehmer. Freie Dienstnehmer werden in der Arbeitslosenversicherung den Arbeitnehmern gleichgestellt, sowie in die Insolvenzentgeltsicherung einbezogen. Diese Regelung tritt mit 1.1.2008 in Kraft. Ab dem 1.1.2009 ist eine Arbeitslosenversicherung für selbstständig Erwerbstätige geplant. Diese freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige kann nach dem Opting-in-Modell erfolgen. Dabei ist man an seine Entscheidung für acht Jahre gebunden. Der Beitragssatz soll 6 % betragen, die Beitragsgrundlage kann wahlweise 25 %, 50 % oder 75 % der Höchstbeitragsgrundlage sein. Die Rahmenfristerstreckung für jene Selbstständigen, die im Rahmen eines Dienstverhältnisses die Ansprüche für die Arbeitslosenversicherung
erworben haben, gilt unbeschränkt weiter.
WUSSTEN SIE? Die Kalte Progression ist eine jährliche Mehrbelastung der Lohnsteuerzahler und kommt dadurch zustande, dass die Steuertarife nicht an die Inflation angepasst werden. Die Grenze für den Höchststeuersatz wurde zuletzt vor 20 Jahren geändert. Es wurde die Grenze für den Spitzensteuersatz mit (umgerechnet) 51.000 Euro festgelegt, jeder, der mit seinem Einkommen über diese Grenze kommt, hat für seinen zusätzlichen Verdienst 50 % an Steuer an den Staat abzuführen. Damals waren an die 5.000 Österreicher betroffen, aktuell sind es rund 350.000. Zum Vergleich: In Deutschland wird der Spitzensteuersatz erst ab 250.000 Euro Jahreseinkommen fällig– und er ist niedriger als in Österreich. Für den Finanzminister bedeutet das laut AK-Berechnung allein heuer 1,1 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen. Bis zur geplanten Steuerreform im Jahr 2010 macht die Kalte Progression demnach 1,8 Milliarden Euro aus. Bei einer Lohnsteuersenkung müsste dieser Betrag ausgeglichen werden – erst darüber hinaus könnte von einer tatsächlichen Entlastung gesprochen werden.