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Kategorie: Aktuell
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Luxus-Boom

Wiens Tourismusdirektor Martin Kettner kann ein Top-Ergebnis vorweisen – Wiens touristische Bilanz 2013 übertrifft das Klimt-Jahr 2012 mit einem Nächtigungszuwachs von 3,7 Prozent auf insgesamt 12,7 Millionen Gästenächtigungen. Besonders gewachsen sei das Aufkommen aus Russland, den USA und asiatischen Ländern. „Dass es insgesamt gelungen ist, den Nächtigungsrekord des Klimt-Jahres zu überholen, reflektiert wiederum Wiens ungebrochene Attraktivität, aber ebenso, wie sehr sich unsere langjährige, systematische Internationalisierungsstrategie mit Diversifikation auf viele Märkte auszahlt. – Eine klare Absage an die vorwiegende Konzentration auf Nahmärkte und Scheu vor Expansion“, betont Kettner.

Herausforderung für die Hotellerie
Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner hob bei der Bilanz besonders die Hotellerie hervor, die es aber zur Zeit nicht leicht habe, „weil sie sich durch die vielen Neuzugänge am Wiener Hotelmarkt in einer harten Binnenkonkurrenz befindet.“ Die Erhöhung der Beherbergungskapazität um 3.450 Betten zeige zwar das große Vertrauen von Investoren in Wiens touristische Weiterentwicklung, „doch für jeden einzelnen Betrieb ist es eine Herausforderung, dabei die Auslastung hoch zu halten und guten Ertrag zu erzielen.“ Wien habe aber solche Kapazitätsschübe schon mehrfach erlebt und sie jedes Mal nicht nur innerhalb kurzer Zeit bewältigt, sondern die Hotellerie hat letztlich immer davon profitiert. Brauner: „Es waren stets gleichzeitig Qualitätsschübe für die Destination, die die Ergebnisse der Hotels auf ein höheres Niveau gehoben haben als vor der Wachstumsphase.“

Vertrauen in die Destination Wien
Bezüglich der starken Bettenzuwächse verweist Tourismusdirektor Kettner auf eine Langzeitbeobachtung, die Anlass zu Optimismus gibt. Kettner:  „Wir sehen anhand unserer Aufzeichnungen, dass Wiens Betten- und Nächtigungsentwicklung bisher immer parallel verlaufen sind – bisweilen zwar ein wenig zeitversetzt, aber stets bergauf: Von 1962 bis 2012, also in den letzten 50 Jahren, haben die Betten um 363 Prozent zugenommen, die Nächtigungen um 371 Prozent. Auch die kurzfristigere Betrachtung 2003 bis 2013 ergibt das gleiche Bild: Bettenzuwachs 53 Prozent, Nächtigungszuwachs 58 Prozent. Das macht die momentane ,Durststrecke‘, unter der die Hoteliers leiden, zwar nicht leichter, sollte ihnen aber Zuversicht geben und ihr Vertrauen in die Destination Wien stärken.“

Russen, Amerikaner und Asiaten stark im Kommen
Nach einem beachtlichen Dezemberergebnis von + 6,5 Prozent (1.153.000 Nächtigungen) schlüsselt sich die Nächtigungsbilanz des Gesamtjahres 2013 folgendermaßen nach Ländern auf: Von den 12,7 Millionen Gästenächtigungen kamen 82 Prozent aus dem Ausland. Unter Wiens zehn nächtigungsstärksten Märkten erbrachte Russland mit 12 Prozent die stärkste Steigerung gegenüber 2012, gefolgt von den USA mit 6 Prozent. 124.000 Nächtigungen aus Südkorea repräsentieren eine Steigerung um 24 Prozent, die höchste aller Länder. China trug 208.000 Nächtigungen (+ 5 Prozent) zur Bilanz bei. „Gerade bei luxusaffinen Märkten wie Russland, China, dem arabischen Raum oder den USA gibt es tolle Zuwachsraten bei den Nächtigungen“, betont man bei WienTourismus.

20 5-Stern-Hotels
Wien hat derzeit über 20 5-Stern-Betriebe mit rund 8.000 Betten. Trotz des derzeitigen Betten-Wachstums - auch im Luxussegment - zieht Wien hier im internationalen Vergleich aber erst nach, heißt es von WienTourismus. Laut Landeskategorie haben London 78 (Stand = 4.Quartal 2012), Prag 42, Paris 44, Berlin 27 und Barcelona 24 5-Stern-Betriebe (Stand Juli 2013) verfügbar). In den letzten Jahren haben große internationale Hotelketten Wien verstärkt als Standort für Luxus-Hotels entdeckt:



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Luxus-Boom

Sechs neue 5-Stern-Hotels
So öffnete 2010 das Sofitel Vienna seine Pforten. Das Hotel verfügt über 182 Zimmer und Suiten. Sofitel ist die Leitmarke der französischen Accor Gruppe (4.100 Hotels und fast 500.000 Zimmer in 90 Ländern). 2012 folgte das Ritz-Carlton mit 202 Zimmern inklusive 43 Suiten, das Hotel liegt am Schubertring. Das Unternehmen Ritz-Carlton befindet sich seit 1998 zu 99 Prozent im Besitz von Marriott International, betreibt weltweit 85 Hotels und beschäftigt ca. 40.000 Mitarbeiter. Ende 2012 öffneten sich die Türen des Hotels Sans Souci Wien in der Burggasse – Original-Werke von Roy Lichtenstein, Allen Jones oder Steve Kaufman Designermöbeln von Tom Dixon oder Egg Chairs von Arne Jacobsen Platz finden sich in den öffentlichen Bereichen und in den Zimmern. Im Jahr darauf war Wien wieder um zwei luxuriöse Herbergen reicher. Das Palais Hansen Kempinski Wien – 98 Zimmer und 54 Suiten – liegt in einem denkmalgeschützten Palais am Schottenring. Kempinski Hotels ist die älteste Luxushotelgruppe Europas. Das mehr als 110 Jahre alte Unternehmen betreibt insgesamt 74 Fünf-Sterne-Hotels in 30 Ländern – und expandiert weiter in Europa, dem Nahen Osten, in Afrika und Asien erweitert. Außer Kempinksi eröffnete vergangenes Jahr eine weiteres Hotel der Fünf-Sterne-Kategorie: The Guesthouse. Und heuer eröffnete das Park Hyatt Vienna seine Pforten, das erste Hyatt Hotel in Österreich und das siebente in Europa. Wien punktet aber nicht nur mit solchen neuen Luxus-Hotels, sondern natürlich auch mit Fünf-Stern-Klassikern wie dem Traditions-Hotel Sacher, wie Walter Straßer, stellvertretender Pressechef von WienTourismus betont.

Wien boomt als Stadt
Was aber macht Wien als Stadt so attraktiv und für Investoren im Luxussegment so interessant? Für die Experten von WienTourismus hat das mehrere Gründe: Zum einen: Wien boomt einfach als Stadt. Ein weiterer Faktor sind Sicherheit und Sauberkeit der Stadt sind ein weiterer Faktor. Wien hat einzigartiges High-Class Kulturangebot: Opernball, Neujahrskonzert, Staatsoper, die Liste ist lang. Das bestätigt auch eine Studie des internationalen Beratungs-Unternehmens Mercer. Jedes Jahr wird darin die Lebensqualität in 223 Metropolen weltweit untersucht. Auch 2013 stellten die Ergebnisse der Studie Wien das beste Zeugnis aus und machten die Österreichische Bundeshauptstadt zum fünften Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt weltweit. Bewertet wurden das politische, soziale und ökonomische Klima, medizinische Versorgung, Ausbildungsmöglichkeiten, infrastrukturelle Vorausstetzungen wie das öffentliche Verkehrsnetz, Strom- und Wasserversorgung. Weiters wurden Freizeitangebote wie Restaurants, Theater, Kinos, Sportmöglichkeiten, die Verfügbarkeit von Konsumgütern vom Nahrungsmittel bis zum Auto sowie Umweltbedingungen von der Grünanlage bis zur Luftverschmutzung verglichen.

Wechselwirkung: Luxus trifft Luxus
Ein dritter Punkt, der für Wien als Reisedestination für betuchte Touristen spricht, sind die Möglichkeiten, die sich betuchten Shopping-Touristen bieten. Allein das „Goldene Quartier“, die Verlängerung der Luxusmeile Kohlmarkt, steht für 8.500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche an der Tuchlauben und 3.000 Quadratmeter Fläche Am Hof. In Wien hat Louis Vuitton seinen drittgrößten Store weltweit, Edellabels wie Emporio Armani, Miu Miu, Roberto Cavalli, ital. Edelschneider Brioni, Mulberry, Etro, Kindermodenshop Bambini, Prada, Yves Saint Laurent, um nur einige zu nennen, können in Wien geshoppt werden. Das allein macht es aber nicht aus – das „können“ auch andere Metropolen. Was Wien besonders macht, ist die Kombination aus modernem High-End-Shopping und prachtvollen historischen Bauten, einer Altstadt, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. „Luxus im Shopping- und Hotellerie-Bereich trifft auf Wiens einzigartiges imperiales Erbe – damit hebt sich Wiener Shoppingflair von anderen Destinationen ab, die ebenso über Luxusangebote verfügen“, bestätigt Walter Straßer. Luxus-Shopping und Luxus-Hotellerie ergeben zusammen eine „unschlagbare“ Kombination. „Die Entwicklungen im Hotel- und im Shopping-Bereich unterstützen sich gegenseitig. Wer zum Luxusshoppen nach Wien kommt, wählt in der Regel ja auch dementsprechend einen Beherbergungsbetrieb im High-End-Bereich“, erklärt Straßer.

Verdrängungswettbewerb?
Nicht alle allerdings können dem Ansturm der großen internationalen Ketten und ihrer 5-Stern-Häuser auf Wien nur positives abgewinnen. Dr. Martin Schick, Obmann Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien: „2013 war der Anstieg der neuen Hotelbetten größer als der Zuwachs an Nächtigungen in Wien und das muss der Markt erst einmal verdauen. Wie stehen daher vor zwei bis drei schwierigen Jahren und daher ist es jetzt einmal genug mit neuen Hotels in allen Kategorien.“ Große internationale Ketten mit großen Namen ziehen, so Schick, natürlich auch eigene Gäste mit, die nach Wien kommen, weil es dort so ein Hotel gibt. „Allerdings naschen diese natürlich auch ganz stark am bestehendem Luxushotelmarkt mit und die älteren Hotels müssen sehen, dass sie in der Ausstattung und Qualität mithalten.“ Etwas anders sieht das Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner: „Wir sind keine Konkurrenz-Vermeider. Wir sollten froh sein, dass wir für internationale Companies attraktiv sind, dass wir diese Betriebsansiedelungen haben. Wien wird offenkundig auch zugetraut wird, dass es diese Betten füllt – wovon wir auch ausgehen. Wir haben Langzeitvergleiche angestellt, sie zeigen, dass in Wirklichkeit die Bettenanzahl und die Nächtigungen über fünf Jahrzehnte eigentlich ziemlich parallel verlaufen. Das heißt: Die neuen Angebote werden neue Nächtigungen, werden neue Wertschöpfung bringen. Und das steigert die Produktivität der Stadt.“

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Luxus-Boom

INTERVIEWS

Norbert Kettner, Geschäftsführer WienTourismus

„Wir sind keine Konkurrenz-Vermeider“

Woher kommt der Hotel-Boom, speziell der im Luxus-Segment?

Wien ist attraktiv, Wien wird offenkundig auch zugetraut wird, dass es diese Betten füllt – wovon wir auch ausgehen. Wir haben Langzeitvergleiche angestellt, sie zeigen, dass in Wirklichkeit die Bettenanzahl und die Nächtigungen über fünf Jahrzehnte eigentlich ziemlich parallel verlaufen. Das heißt: Die neuen Angebote werden neue Nächtigungen, werden neue Wertschöpfung bringen. Und das steigert die Produktivität der Stadt

„Trägt“ es überhaupt so viele Luxusherbergen in Wien?

Wir sind in Wien, ab und zu wird gejammert. Das ist eigentlich Jammern auf höchstem Niveau, ein Luxusproblem im wahrsten Sinne des Wortes. Ich sage dann allen: Get over it. Wir sind in einer der attraktivsten und schnellsten Wachstumsstädte Europas. Wir sollten froh sein, dass wir für internationale Companies attraktiv sind, dass wir diese Betriebsansiedelungen haben. In Wirklichkeit ist das eine unglaubliche Auszeichnung für die Stadt. Wir sind keine Konkurrenz-Vermeider. Es entsteht ja auch eine Wechselwirkung.

Welche Wechselwirkung?
Die großen Ketten bringen mit ihren 5-Stern-Hotels auch ihr eigenes Klientel mit. Sie ziehen ein Publikum an, dass mehr Geld ausgibt. Das ist für Wien auch ein unglaublicher Input an Kaufkraft. Aber noch einmal: Wir sind keine Konkurrenz-Vermeider. Und andere Bundesländer wären froh, wenn sie diese „Luxus“-Probleme hätten.


INTERVIEW


Dr. Martin Schick, Obmann Fachgruppe Hotellerie Wirtschaftskammer Wien

„Es ist jetzt einmal genug mit neuen Hotels“


Wie erklären sie den Boom an Luxushotels in Wien?
Wien war und ist ein sehr interessanter Standort für internationale Immobilieninvestoren und einige internationale Hotelketten wollten noch ein Hotel in Wien eröffnen. Außerdem haben viele Investoren lieber ein Hotel als ein nüchternes Büro/Wohnhaus. Aus dieser Kombination erklärt sich der Hotelbauboom.

Wie wirkt sich das Auftreten großer Ketten auf alteingesessene Hotels aus?

Große internationale Ketten mit großen Namen ziehen natürlich auch eigene Gäste mit, die nach Wien kommen, weil es dort so ein Hotel gibt. Allerdings naschen diese natürlich auch ganz stark am bestehendem Luxushotelmarkt mit und die älteren Hotels müssen sehen, dass sie in der Ausstattung und Qualität mithalten und daher investieren, was ja auch bei vielen in den letzten Jahren geschehen ist. Im Bereich der Mitarbeiter haben die älteren Luxushotels sicher auch Vorteile, da sie eine gewachsene Stammmanschaft haben und viele Stammgäste und schon einen Namen am lokalen Markt.

Wie viele 5-Stern-Hotels „verträgt" Wien noch? Ist noch Potenzial da oder nicht?

Ich meine, dass derzeit genug Hotels da sind und es kommen ja auch noch einige in 2014. In 2013 war der Anstieg der neuen Hotelbetten größer als der Zuwachs an Nächtigungen in Wien und das muss der Markt erst einmal verdauen. Wie stehen daher vor zwei bis drei schwierigen Jahren und daher ist es jetzt einmal genug mit neuen Hotels in allen Kategorien.