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Kategorie: News/Medizin

Univ. Prof. Dr. Hildegunde Piza, Klinik für Plastischechirurgie, Innsbruck

 
Sie wurde Wissenschaftlerin des Jahres 2000 und durch die Transplantation der neuen Hände für den Polizisten Theodor Kelz einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In einer 17-stündigen Operation transplantierte sie gemeinsam mit Kollegen dem Klagenfurter Rohrbombenopfer die Hände eines Fremden.
Es war die erste derartige Operation in Österreich. Mit neuen Methoden und Techniken konnte sie zahlreichen Patienten zu einem neuen Leben verhelfen. Seit 1999 ist sie Vorstand der Klinik für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie in Innsbruck.

Frau Prof. Piza, Sie sind eine der erfolgreichsten Medizinerinnen in Österreich – war Ihr beruflicher Weg als Frau besonders schwer?
Natürlich wurden mir Steine in den Weg gelegt. Die galt es wegzuräumen. Ich habe mir einen Adlerblick angelernt, um scharf zu beobachten, präsent zu sein und meine Ziele konsequent zu verfolgen.
1999 übernahmen Sie die Leitung für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie in Innsbruck und setzten sich damit in der „chirurgischen Welt der Männer“ durch.
Es geht um Qualifikation und Leistung, eine Bewertung darf nicht nach Geschlechtskriterien getroffen werden. Und Erfahrung ist natürlich auch ein wesentlicher Punkt. Erfahrung bekommt man mit dem Alter, daher denke ich auch überhaupt nicht ans Aufhören.
Sie helfen Menschen nach Unfällen, bei natürlichen Missbildungen – erst jetzt hatten Sie wieder eine besonders schwere Operation?
Ja, ein 1-jähriges Kind. Es kam mit nur je vier Fingern zur Welt, die Daumen fehlten. In einer sehr langen Operation gelang es, aus den Zeigefingern Daumen zu machen. Als der Gips abgenommen wurde und das Kind nach dem Keks, welchen wir ihm hinhielten, griff und wirklich zugreifen konnte, das war wirklich wieder ein ganz besonders schöner Moment. Für mich, für die Eltern und es selbst wird das diesem Kind das Leben sehr viel leichter machen.
Was halten Sie von der Entwicklung der Schönheitsmedizin und jenen Menschen, die sich freiwillig kostspieligen und riskanten Operationen aussetzen?
Die kosmetischen Eingriffe sind sehr im Vormarsch. Immer jüngere Menschen lassen sich operieren, oftmals viel zu früh. Faceliftings werden mehrmals hintereinander gemacht. Da wäre es schon notwendig zu hinterfragen, was stimmt mit mir nicht und nicht alles auf die äußerliche Wahrnehmung zu reduzieren.
Entscheidend ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Möglichkeiten auf dem Gebiet der Schönheitsmedizin.
Sie sind verheiratet und Mutter von drei Kindern. Wie konnten Sie Familie und Beruf vereinbaren?
Es ist alles eine Frage der Organisation. Nicht lange reden, sondern tun. Und gemeinsam ist vieles möglich.