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Kategorie: News/Marketing & PR
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Ulrike Marinoff, PID

Anfangs hatte sie wenig Freude damit. Das hat sich bald geändert: „Ich habe sehr schnell begriffen, dass mir nichts Besseres passieren konnte.“ Ulrike Marinoff über ihren vielfältigen Aufgabenbereich, die Vielfalt an Kommunikationsmöglichkeiten, ihren Führungsstil und wie sie Erfolg definiert.

Wie kamen sie zum PID?
Ich hatte 1990 meine Tochter zur Welt gebracht und bin nach der damals möglichen einjährigen Karenzzeit  in den Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID) – vorerst auf ein halbes Jahr zur Probe – versetzt worden. Damals war es nämlich noch nicht üblich, dass man nach einer Babypause wieder an seinem vorherigen Arbeitsplatz zurückkehren konnte. Es wäre gelogen, wenn ich heute behaupten würde, dass ich mich über meine Versetzung gefreut hätte. In meiner vorherigen Dienststelle  hatte der PID gar keinen guten Ruf, der pauschale Tenor war: Lauter Verrückte dort. Tatsächlich waren die Usancen des Pressedienstes für mich am Anfang einigermaßen gewöhnungsbedürftig. Flache Hierarchien, wenig Berührungsängste mit Vorgesetzten – fast alle duzten sich  – waren die für mich die augenscheinlichsten Zäsuren. Was ich dann aber erst später erkannte, waren die daraus resultierenden Vorteile. Das Maß an Identifikation der KollegInnen mit der Abteilung war ungewöhnlich hoch, der Arbeitseinsatz überdurchschnittlich und die Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln nahezu uneingeschränkt. Ich habe sehr schnell begriffen, dass mir nichts Besseres passieren konnte und ich genau dort gelandet bin, wo ich hingehöre.

Was sind die Aufgaben des PID?

Wir sind die zentrale Kommunikationsabteilung für die Stadt, unterstützt durch die vielen KollegInnen in anderen Magistratsabteilungen.  Der Bogen spannt sich von der klassischen Pressearbeit über Marketing bis hin zur Werbung, über sämtliche nur denkbare Kanäle. Der PID ist Medieninhaber einer der größten österreichischen Onlineplattformen (wien.at), einer monatlich erscheinenden und an jeden Haushalt gerichteten Zeitung, einiger Magazine, dem Amtsblatt der Stadt Wien und der Rathauskorrespondenz. Mit diesen Instrumenten, mit dem Bereich des Marketings und der Werbung verfügen wir über eine beachtliche mediale Kraft. Das Ziel ist, die WienerInnen möglichst umfassend über die bestehenden Angebote und Dienstleistungen der Wiener Stadtverwaltung zu informieren.

Wie hat sich der Aufgabenbereich in den letzten Jahren verändert?

In Analogie des veränderten Kommunikationsverhaltens ist auch die optimale Vermittlung von Informationen herausfordernder geworden. Das Tempo ist rasant gestiegen. Wir stehen genau wie alle anderen der Branche vor dem Problem des sich veränderten Konsumverhaltens. Das allerdings ist meiner Meinung nach kein Grund in Panik zu verfallen. Sprach man noch vor einigen Jahren vom baldigen Aussterben der Printprodukte und stürzte sich regelrecht auf Online, weniger das Ziel verfolgend als einem vermeintlichen Trend entsprechend, so tut auch heute noch der Blick auf absolute Zahlen der Mediaanalyse gut und bewirkt wieder einen Blick auf die Realität. Ich würde meinen, dass die größte Veränderung in den letzten Jahren durch die erweiterte Vielfalt an Möglichkeiten in der Kommunikation stattgefunden hat.

Was ist der Reiz an ihrer Tätigkeit?

Dass es niemals, auch nicht in mehr als 25 Jahren, langweilig wird. Abgesehen davon, dass sich meine Position im PID verändert hat, bin ich ja noch eine der wenigen, die im Büro am Boden liegend – dort hatte ich am meisten Platz – das Format der Druckunterlagen mit einem Lineal nachgemessen und kontrolliert hat, bevor diese – mit Boten! – an die Zeitungen geschickt wurden. Heute unvorstellbar, nicht? Dass ich meinem Naturell entsprechend immer viel mit Menschen zu tun habe – auch das ist mir wichtig!

Ihr Team besteht zu einem Großteil aus Frauen: Warum ist das so?

Bewusst habe ich mir diese Frage nie gestellt. Ich will auch jetzt nicht in emanzipatorische Falle laufen darüber nachzudenken, ob Männer mit weiblichen Chefs im Allgemeinen oder sogar persönlich mit mir vielleicht Probleme haben. Ich halte wenig davon, andere zu interpretieren. Da ich in der Dynamik im Team aber auf eine starke soziale Komponente setze, ist es möglich, dass sich Frauen leichter tun.

Wie ist ihr Führungsstil?

Ich bin überzeugt, dass eine klare Chefposition in einer Arbeitsstruktur wirklich notwendig ist – vor allem dazu, um für das Team auch nach außen gerichtet Verantwortung zu übernehmen. Nach innen versuche ich durch Definition klarer Aufgaben und Zuständigkeiten Sicherheit zu vermitteln, auf keinen Fall aber soziale Komponenten zu vernachlässigen. Es ist meine Überzeugung, dass das Herzstück jedes Teams der tagtägliche Umgang miteinander ist und dass dies ein Chef nicht nur vorleben, sondern auch tatsächlich leben muss. Gelingt es mit gut, dann spüre ich es sofort in der Motivation und am Einsatz der KollegInnen. Im größten Stress ist die Stimmung trotzdem gut und es wird geblödelt und gelacht. Für mich ist das der Idealzustand, dann fühle auch ich mich richtig wohl.

Was motiviert Sie?

Erfolg ist rasend motivierend. Und hier spreche ich nicht von Karriere, Geld oder Ansehen. Ich möchte wirklich nicht kokett erscheinen, aber das sind für mich die Begleiterscheinungen von Erfolg und waren nie Hintergrund  meiner Motivation. Meine Erfolgserlebnisse sind die die „kleinen“ jeden Tag: Wenn die Arbeit erledigt wurde, man wieder ein Stück weitergekommen ist. Wenn im Team gute Stimmung herrscht und ich das Gefühl habe, dass wir einen wesentlichen Beitrag für die Arbeit des PID leisten. Aus vielen kleinen Puzzleteilchen, den kleinen Erfolgserlebnissen, setzt sich meine Definition von Erfolg zusammen und das motiviert mich.

Was erwarten Sie von Ihren MitarbeiterInnen und was  „geht gar nicht"?

Ein ehemaliger Chef hat vor vielen Jahren einmal zu mir gesagt, dass ich mir von meinen MitarbeiterInnen nicht das Selbe erwarten darf, was ich bereit bin zu leisten. Ich hingegen glaube, dass ich auf keinen Fall etwas erwarten kann, was ich selbst nicht bereit bin zu tun. Mit Unehrlichkeit, Vertrauensbruch  und Illoyalität hätte ich ernsthaft ein Problem.