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Kategorie: Karriereportaits öffentliche Verwaltung
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EU-Spezial: Monika Vana, Die Grünen: Wir brauchen eine feministische Offensive in Europa

Seit 2014 ist sie Abgeordnete im Europäischen Parlament. Als erneute Kandidatin der Grünen ist sie sich sicher: Egal ob mit oder ohne Mandat, sie werde immer ein politischer Mensch sein und mit viel Leidenschaft für die Gleichstellung zwischen Frau und Mann kämpfen. 

Wer die EU retten will, muss sie verändern. Die EU ist mehr als ein Binnenmarkt und eine Wirtschafts- und Währungsunion. Ich kämpfe als überzeugte Europäerin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament für eine Sozialunion und aktive Gleichstellungspolitik.“ Monika Vana ist seit 2014 Abgeordnete im EU-Parlament und gehört vier Ausschüssen zu Regionaler Entwicklung, Haushalt, Beschäftigung und soziale Angelegenheiten sowie Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter an. 

Zuletzt beschäftigte sich die stellvertretende Vorsitzende der Grünen/EFA Fraktion mit der Richtlinie „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Europa“, welche auch Regelungen bezüglich EU-Mindeststandards für Väterkarenz und „Papa-Monat“ vorsieht.  „Ich liebe die parlamentarische Arbeit, das Europaparlament ist tatsächlich ein Arbeitsparlament. Diese Arbeit ist sehr wichtig. Darüber hinaus engagiere ich mich seit vielen Jahren in der europaweiten Vernetzung der Grünen Kommunalpolitiker*innen, da der Austausch von Best Practise Beispielen und das Lernen voneinander im gemeinsamen Europa unerlässlich ist.“ 

Europapolitik ist auch Frauensache

Nur 36,4 Prozent der Abgeordneten im EU-Parlament sind weiblich. Dieses strukturelle Problem ließe sich für Monika Vana mit der Einführung verbindlicher Quoten bei der Listenerstellung lösen. „Damit einhergehend sollten Frauen gezielt angesprochen und durch ein Mentoren-Programm gefördert werden. Damit ist es aber nicht getan. Zugangsbarrieren wie die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit, politischem Mandat und Familienarbeit müssen abgebaut werden. Die Arbeitsbedingungen und Sitzungszeiten sind meist nicht sehr familien- und beziehungsfreundlich und Parteistrukturen per se sind nach vor sehr männlich geprägt.“

Vana vertritt die Meinung, jede Partei sollte ein aktives Frauenförderprogramm haben. Sie selbst habe ein solches für die österreichischen und europäischen Grünen entwickelt. „Ich habe Frauen immer gefördert und werde das auch weiterhin tun.Ich schließe Allianzen und versuche so auch ein Role Model zu sein. Meine weiblichen Netzwerke sind mir sehr wichtig. Innerhalb unserer Parteistrukturen bin ich eine kritische, feministische Stimme, die immer schaut, ob die Parameter auch für die Lebensrealitäten von Frauen passen.“

Frauen- und Sozialpolitik sind ihr ein Herzensanliegen

Die Wahlverdrossenheit vieler Österreicher erklärt Vana wie folgt: „Meine Vermutung ist, dass viele Menschen die EU-Wahl für nicht so wichtig halten, weil sie den direkten Bezug zu ihrem Alltag nicht sehen. Dabei sind ganz viele Lebensbereiche unmittelbar davon betroffen: von der Trinkwasserqualität über Reisefreiheit bis hin zur Nutzung der Gesundheitsvorsorge und Telekommunikationsdiensten.“ 

Um Aufklärungsarbeit zu leisten, ist Monika Vana in ganz Österreich bei Veranstaltungen im Einsatz. Auch der Austausch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Aktivist*innen sei fundamental, um einen möglichst bürgernahen Wahlkampf führen zu können.„Ich bin seit über 20 Jahren in der Europapolitik tätig und habe Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen bewiesen. Frauen– und Sozialpolitik sind mir ein Herzensanliegen. Ich bin und werde immer ein politischer Mensch sein, ob mit Mandat oder ohne. Politiker*innen gehen, ihre parlamentarischen Erfolge und die strukturelle Aufbauarbeit bleiben.“ 

Vor ihrem Einzug ins Europäische Parlament 2014 war Monika Vana 13 Jahre lang als Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete tätig. Über dies war sie Mitglied im Österreichischen Frauenring sowie zwischen 2002 und 2010 Sprecherin der Grünen Frauen Wien. 

„Wir brauchen eine feministische Offensive in Europa“

Auf die Frage warum man sie wählen sollte, antwortet sie kurz und prägnant: „Sozialunion. Aktive Friedenspolitik. Feminismus.“ Die Überwindung von Grenzen sowie die Gewährleistung des Friedens in Europa verbindet Monika Vana untrennbar mit der EU. „Ich bin seit fast 5 Jahren leidenschaftliche Europaabgeordnete und ich will als Grüne Europa dahingehend verändern und weiterentwickeln, dass es für die Schwächsten da ist: von einer Wirtschafts- und Währungsunion zu einer Sozialunion mit europaweiten sozialen Mindeststandards, damit das europäische Versprechen nach Frieden und Wohlstand für alle eingelöst wird.“

Als zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre sieht Monika Vana den Kampf gegen Klimakatastrophen und steigende Ungleichheiten in Europa. Weiters müsse es einen Stopp der Milliardensubventionen aus dem EU–Rüstungsfonds an die Rüstungsindustrie geben sowie sei das Schließen der Steuersümpfe ein Gebot der Stunde, um die für den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit und Armut dringend benötigten Finanzmittel frei zu machen. „Und die Verteidigung der Menschenrechte nach innen und nach außen. Frauen bekommen den Backlash besonders zu spüren. Die von den Rechtspopulist*innen und Konservativen betriebene Politik sieht Frauen bei Heim und Herd und stellt bereits in einigen Ländern wie Polen und Ungarn zentrale Frauenrechte in Frage. Wir brauchen eine feministische Offensive in Europa, u.a. den raschen Beschluss der Women-on-Boards Richtlinie für eine Frauenquote in Aufsichtsräten.“ Die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt müsse für Monika Vana oberste Priorität haben. 

Foto: Alexandra Thompson