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Kategorie: Karriereportaits öffentliche Verwaltung
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EU-Spezial: Karin Feldinger, NEOS: Europa ist meine Heimat

Sie gründete ein internationales Unternehmen in England und erlebt mit Schrecken den Brexit. Aufgrund der Folgen des Referendums kam sie mit ihrer Familie im Vorjahr zurück nach Österreich. Die überzeugte Europäerin will ihr Wissen und ihre Erfahrungen nun in die Politik einbringen. Sie ist NEOS-Kandidatin zur Wahl zum Europäischen Parlament und steht auf dem zweiten Listenplatz.

Die Europäische Union ist die beste Idee, die wir jemals hatten. Wer Bürgerinnen und Bürgern etwas anderes einreden möchte, täuscht sie und belügt sie. Nur ein geeintes, starkes und selbstbewusstes Europa wird sich im globalen Wettbewerb seinen Platz erkämpfen können. Als einzelner Staat sind wir in der Welt völlig irrelevant und machtlos. Europa ist meine Heimat, so habe ich das immer empfunden, auch als ich noch in Großbritannien gelebt habe. Der Brexit war eine schmerzvolle Erfahrung für mich, weil mir damit ein Teil dieser Heimat entgleitet. Europa bedeutet für mich, Chancen zu haben und Freiheit. Als Unternehmerin weiß ich, was der Binnenmarkt für die Wirtschaft bedeutet, als Mutter einer Tochter möchte ich, dass mein Kind sich in unserer Heimat frei bewegen kann und einmal studieren, arbeiten und leben kann, wo es möchte. Außerdem dürfen wir niemals unterschätzen, wie wertvoll der Frieden ist, den die Union uns gebracht hat. Meine Großmutter war 15 Jahre alt, als der 2. Weltkrieg endete und ihre Erzählungen von der Angst, Zerrissenheit und vom Hunger waren Teil meiner Kindheit. Die Europäische Union ist und bleibt das größte Friedensprojekt der Weltgeschichte. Das aufzugeben, wäre Wahnsinn“, sagt NEOS EU-Kandidatin Karin Feldinger. 

Gemeinsamer Kampf gegen den Klimawandel 

Das Thema, mit dem alles stehe und falle, sei der Kampf gegen den Klimawandel. „Wenn es uns nicht gelingt, hier radikal umzudenken und global Partner für den Kampf gegen die Klimaerwärmung zu gewinnen, ist alle andere Politik, die wir machen, nicht viel Wert, denn hierbei geht es um unser Überleben. Nur eine starke, handlungsfähige Union hat die Power, die notwendigen Maßnahmen zu setzen, um CO2-Ausstoß dramatisch zu reduzieren und dieses Anliegen weltweit zu bewerben.  Es ist Zeit, in Panik zu geraten und diesen Planeten zu retten, den wir haben keinen anderen. Das zweite Thema, das mich aufgrund meiner persönlichen Geschichte natürlich besonders beschäftigt, ist der Brexit. Es ist hart für mich, zu sehen, wie ein ganzer Staat ins Chaos schlittert und wie Bürgerinnen und Bürger jetzt damit leben müssen, dass sie getäuscht und belogen werden. Ich werde alles tun um zu verhindern, dass so etwas jemals wieder geschieht.“

Für eine demokratischere EU 

Die EU, davon ist Feldinger überzeugt, müsse handlungsfähiger und demokratischer werden. Europa müsse von Grund auf neu gebaut werden, um effiziente und effektive Entscheidungen treffen zu können. Dazu gehöre auch die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips in der Europäischen Union. Die Möglichkeit, dass einzelne Staaten per Veto Gesetze blockieren können, die einen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger der ganzen Union bieten. „Nationalisten und Opportunisten dürfen die EU nicht in Geiselhaft nehmen“, sagt die Unternehmerin.

In vielen Bereichen seien dringend echte Reformen nötig, die bisher von bequemen Alt-Parteien verhindert wurden. „40 Prozent des EU-Budgets fließen in die Förderung der Agrarwirtschaft. Gleichzeitig hinken Bereiche wie Forschung, Digitalisierung, Verkehr, die Förderung von Start-ups im internationalen Vergleich hinterher. Als Frau, die erst kürzlich ein Unternehmen in England verkauft und eines in Österreich gegründet hat, weiß ich, wie schwierig gerade am Anfang die Finanzierung ist. Hier muss mehr investiert und gefördert und mehr Mut bewiesen werden. Das 21. Jahrhundert soll das Jahrhundert der Neu-Unternehmer werden, das sollte sich auch im EU-Budget widerspiegeln.“

Die NEOS seien nicht nur eine kleine Partei in Österreich, sondern Teil einer großen liberalen Bewegung, die in so einigen Mitgliedstaaten in der Regierung seien und Kommissarinnen und Kommissare stellen. Gemeinsam werden man sich für jene Reformen jener europäischen Institutionen einsetzen, die gebraucht werden, um wirklich handlungsfähig zu sein. Europa habe keine Zeit dafür, sich selbst anzuketten. Außerdem will sich Karin Feldinger dafür einsetzen, dass KMUs stärker gefördert werden, vor allem in den Bereichen der erneuerbaren Energie, Digitalisierung und der Green Mobility.  

Direkter Bürgerkontakt ist wichtig

Die Mutter einer zehnjährigen Tochter ist zur Zeit viel unterwegs, auf zahlreichen Podiumsdiskussionen, Veranstaltungen und sie geht von Tür zu Tür in Salzburg, Linz, Graz und Wien. Zusätzlich ist sie über die sozialen Medien wie z.B. Facebook gut erreichbar oder via E-Mail. „Es ist mir ein großes Anliegen, im direkten Kontakt mit meinen Mitbürgerinnen und -bürgern zu stehen. Wenn sie mir ihr Vertrauen schenken, bin ich ihre Vertreterin in Brüssel und das soll sich auch so anfühlen.“ Sollte sie künftig die EU-Politik mitgestalten, wird sie als Gemeinderätin ihrer Heimatgemeinde Elsbethen weiterhin aktiv ihre Themen in Österreich vor Ort vorantreiben.

„Außerdem habe ich vor, einmal im Monat in Salzburg bzw. Wien eine Europa-Sprechstunde für Bürger zu machen, um allen die Möglichkeit zu geben, sich direkt einzubringen. Auf europäischer Ebene gibt es viele Themen, die wir so diskutieren müssen, dass alle Betroffenen die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Aber auch das übergeordnete Thema Europa besprechen wir zu wenig und oft nur in Schlagzeilen. Klar sind Gesetzestexte, die aus Brüssel kommen oft kompliziert, aber es geht darum schon um Fragen des realen Lebens, die uns alle betreffen. Das übersetzen wir oft zu schlecht und ich möchte dazu beitragen, dass die Verbindung zwischen dem Stück Papier, das in Brüssel beschlossen wird und der Debatte in den Mitgliedstaaten besser wird“, so Feldinger. 

Gläserne Decke für Führungspositionen

Warum man seine Stimme den NEOS geben sollte, ist für die Salzburgerin klar: „Es ist eine Stimme für eine liberale Bewegung, deren Freiheit, die europäischen Grundwerte, aber eben auch die europäische Wettbewerbsfähigkeit, die uns ein zentrales Anliegen ist. Die liberale Kommissarin Vestager ist die einzige, die den großen Digitalkonzernen die Stirn bietet und dafür sorgt, dass auch diese sich an europäische Wettbewerbsregeln halten müssen. NEOS stehen dabei voll hinter ihr. Wenn Sie mir Ihre Stimme geben, wählen Sie jemanden mit viel Lebenserfahrung. Ich bin Unternehmerin, ich habe lange im Ausland gelebt und kenne die Union daher aus verschiedenen Perspektiven, ich ziehe ein Kind groß und ich bin Politikerin. Es ist wichtig, dass in der Politik so viele Lebensrealitäten abgebildet sind wie möglich, damit die Europäerinnen und Europäer angemessen vertreten sind.“ Frauen mit politischen Ambitionen rät sie, selbst zu kandidieren.

Jede weitere Frau, die sich in der Politik engagiert und den Schritt in die erste Reihe wagt, ebnet den Weg für weitere. Ich bin der Meinung, dass wenn man die Möglichkeit für ganz normale Menschen schafft, sich unkompliziert für ein Thema politisch zu engagieren, auch viele Frauen diese Möglichkeit wahrnehmen werden“, ist Feldinger überzeugt. Starre Hierarchien und Parteibuchzwang würden eher den Einzug der Männer in die Politik begünstigen. Es gäbe eine gläserne Decke für Führungspositionen nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik. „Es würde mich sehr glücklich machen, lieber heute als morgen die erste Kommissionspräsidentin, die erste Bundeskanzlerin Österreichs und so weiter zu erleben. Als NEOS leben wir das auch vor. Als einzige Partei haben wir die 50 Prozent Quote im Nationalrat erreicht und die einzige weibliche Spitzenkandidatin im EU Wahlkampf“, meint Feldinger, die sich einebürgernähere Union wünscht, die den Menschen mehr Möglichkeit der Mitbestimmung gibt. Brüssel erscheine manchmal so weit weg und die Altparteien hätten alles getan die Bürger auszuschließen und die Union als ein Eliteprojekt führen – das müsse sich ändern.

Foto: Hannelore Kirchner