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Kategorie: News/Industrie & Energie
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Wohlstand braucht Industrie

Und in Europa müssen den Ankündigungen Taten folgen.In der Vergangenheit ist oft die Rede vom Beginn eines „Postindustriellen Zeitalters“, vom Übergang zur reinen Dienstleistungsgesellschaft gewesen. Die Krise der vergangenen Jahre hatte zumindest insofern etwas Gutes, als sie solche Wünsche als geradezu gefährlichen Trugschluss entlarvt hat. Denn Länder mit einer gesunden industriellen Basis sind wesentlich besser durch die Krise gekommen, als andere. Die EU-Kommission hat daher das Ziel einer „Reindustrialisierung Europas“ ausgerufen. So soll die EU-weite Industriequote (Anteil Sachgütererzeugung an nationaler Wertschöpfung ohne Energieproduktion und Bausektor) von aktuellen 15,5 Prozent bis 2020 auf 20 Prozent angehoben werden. Zur Erinnerung: Österreich verfügt über eine Industriequote von 22,5 Prozent und liegt damit im EU-Spitzenfeld. Gerade wegen der heimischen Industrie sind wir bisher relativ glimpflich durch diese große Krise gekommen. Wenn wir auch in Zukunft Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze bewahren und ausbauen wollen, werden wir unsere industrielle Basis pflegen müssen. Wohlstand braucht die Industrie.Die Folgen, wenn der Industriesektor eines Landes vernachlässigt wird, sieht man derzeit in Italien oder Frankreich: In den vergangenen fünf Jahren sind in der italienischen Industrie 675.000 Stellen verloren gegangen. Erst im Frühjahr hat der italienische Arbeitgeber- und Industrieverband Confindustria gewarnt, dass in der italienischen Industrie derzeit 2.000 Stellen pro Tag verloren gehen. In Frankreich ist die Industriequote auf schwache 14 Prozent gesunken, weil über Jahre die falschen oder keine industriepolitischen Anreize gesetzt wurden. Klar ist vor diesem Hintergrund, dass in der nationalen Wirtschaftspolitik jene Maßnahmen forciert werden müssen, die die Realwirtschaft nachhaltig stärken. Wäre es nicht geradezu schizophren wenn ausgerechnet wir in Österreich nun in Richtung einer Deindustrialisierung marschieren würden?

Entlastung für alle statt neue Steuern

Negative Effekte für das Industrieland würden drohen, wenn beispielsweise neue Steuern und Abgaben eingeführt würden. Alleine etwa die Forderungen des ÖGB – von der Arbeitsmarktabgabe auf Überstunden, der Fachkräftemilliarde sowie der erleichterte Zugang zur 6. Urlaubswoche – würden zusätzliche Kosten für Unternehmen von über zwei Mrd. Euro bedeuten – mehr als zwei Drittel aller Neuinvestitionen der Betriebe im Jahr 2013. Das ist sicherlich der falsche Weg. Was Österreich vielmehr benötigt, ist eine Steuerstrukturreform mit einer Entlastung für alle. Wir sollten uns daher an Ländern wie Schweden orientieren, das aus seiner Krise der 90er Jahre die richtigen Konsequenzen gezogen hat und sowohl die Abgabenquote als auch die Verschuldung seitdem deutlich gesenkt hat. Populistisch motivierte Maßnahmen, die unsere ohnehin sinkende Attraktivität als Standort weiter verschlechtern, bringen uns hingegen nicht weiter.In der nächsten Legislaturperiode muss die Arbeit an einem fairen, transparenten und einfachen neuen Steuersystem im Fokus der Politik stehen. Die österreichische Abgabenquote liegt mit rund 43 (!) Prozent wesentlich über dem Schnitt der EU-27. Der Faktor Arbeit muss dringend entlastet werden. Von 100 Prozent, die Unternehmerinnen und Unternehmer zahlen, kommen nur 51,6 Prozent bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an, während die Gesamtlast an Steuern und Abgaben im OECD-Schnitt bei 35,2 Prozent der Arbeitskosten liegt. Wir wollen, dass den Menschen netto mehr zum Leben bleibt. Gleichzeitig darf der eingeschlagene Budgetpfad nicht verlassen werden. Finanzierbar wäre dies allemal, allein durch die Hebung von Effizienzpotenzialen in den Bereichen Bildungsverwaltung, Pensionen, Gesundheitsbürokratie und Föderalismusverwaltung könnten die Staatsausgaben um vier Prozent des BIP gesenkt werden. Voraussetzung dafür ist ein österreichweiter Konsens für eine neue standortpolitische Offensive nach der Wahl.

Die Industriellenvereinigung (IV) ist die freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Industrie in der Rechtsform eines Vereines mit derzeit rund 4.200 Mitgliedern. Die IV vertritt hier die Interessen der österreichischen Industrie auf europäischer und österreichischer Ebene. Mag. Christoph Neumayr ist seit April 2011 IV-Generalsekretär. Er ist seit 1997 für die Industriellenvereinigung tätig. Vor seiner Bestellung zum Generalsekretär leitete Neumayr zum Beispiel rund zehn Jahre den Bereich Marketing & Kommunikation.