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Mag. Veronika Haslinger

Sie managen rund 700 direkt und indirekt gehaltene Beteiligungen. Wie gehen Sie dabei vor?
Beim Managen von Beteiligungen stehen in erster Linie zwei Punkte im Vordergrund: Priorisierung und Fokussierung; dies alles aber vor dem Hintergrund unseres Selbstverständnisses als zuverlässiger stabiler Eigentümer und Kernaktionär für unsere Beteiligungsunternehmen. Außerdem sind straffe Prozesse notwendig, in denen wir effizient operative und strategische Analysen erarbeiten. Dabei geht es aber nicht nur um sachliche Analysefähigkeit und strategische Weitsicht; es braucht vor allem auch eine offene Diskussionskultur. In all unseren Beteiligungsunternehmen sind kompetente und umsetzungsstarke Managements eingesetzt. Hier ist ein guter Diskurs möglich. Bei der Wahrnehmung unserer Eigentümerrolle achten wir aber sehr darauf, nicht in das operative Geschäft „hinein zu managen“. Vielmehr sehen wir unsere Aufgabe darin, klare strategische Vorgaben zu geben und die operative Entwicklung sowie die Strategien unserer Beteiligungen laufend zu überprüfen.

Gibt es einen Schwerpunkt im Portfolio?
Unser Beteiligungsportfolio gliedert sich in die vier Geschäftsfelder Finanzdienstleistungen, Industrie, Medien und Immobilien. Der Bereich Finanzdienstleistungen mit Beteiligungen an der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG, der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG sowie banknahen Dienstleistungen ist klar unser Kerngeschäft. Die anderen Beteiligungsunternehmen bilden ein über die Jahre aufgebautes und strukturiertes Portfolio, das der Diversifikation dient.

Wo liegen derzeit die Prioritäten im Beteiligungsmanagement?
Wir befinden uns aktuell in einer Konsolidierungsphase, die maßgeblich durch die Eigenkapitalanforderungen nach Basel III und durch die European Banking Authority (EBA) geprägt ist. Unser Fokus liegt derzeit darauf, Potenziale aufzudecken und zu nutzen, die zur Eigenkapitalstärkung, Straffung der Organisation und zur Steigerung der Rentabilität beitragen können. ?
Wie schwierig ist das Management von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen??Darin sehe ich vor allem einen Vorteil. Denn in einer Beteiligungsholding ist es wichtig, vernetzt zu denken und Erfahrungen, die man in einer Branche gemacht hat, auch auf andere umlegen zu können. Wenn auch derzeit in der Wirtschaft vor allem Konsolidierung und Kostenoptimierung im Vordergrund stehen, so darf man doch gerade in dieser Zeit Innovationen nicht außer Acht lassen. Denn diese sichern die Erfolge der Zukunft eines Unternehmens. Daher setzen wir viel daran, gemeinsam mit dem operativen Management der jeweiligen Beteiligungsunternehmen durch kreative Denkansätze neue Geschäftschancen entstehen zu lassen.

Was muss ein Beteiligungsmanager unbedingt können?
Eine solide Ausbildung – sei es juristisch oder betriebswirtschaftlich – ist Grundvoraussetzung für diesen Job. Hinzu kommt ein Basiswissen im jeweils anderen Fachgebiet. Vor allem aber muss ein Beteiligungsmanager unternehmerisch denken können und darf sich nicht davor scheuen, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sollte er bzw. sie  die Fähigkeit besitzen, ein Thema aus der Vogelperspektive zu betrachten, um Trends zu erkennen und strategische Entscheidungen treffen zu können. 

Was hat Sie eigentlich in die Branche und zu Raiffeisen gebracht?
Als gelernte Juristin habe ich als Konzipientin in einer Anwaltskanzlei die Freude am Verhandeln entdeckt. Vor allem habe ich rasch erkannt, dass die Eigentümerverantwortung für mich ein sehr spannendes Tätigkeitsfeld ist. Als 2001 die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien geschaffen wurde, bin ich in das dortige Beteiligungsmanagement eingetreten und konnte hier das Geschäft auch von Grund auf lernen

Sie haben im Unternehmen eine kontinuierliche Karriere gemacht - was ist die Basis Ihres Erfolgs?
Vorweg haben Verantwortungsträger Vertrauen in mich gesetzt und mir Chancen gegeben, die ich auch nutzen konnte. Ansonsten wäre dieser Weg bisher nicht möglich gewesen. Kompetenz gepaart mit Qualität aber auch Flexibilität waren mir immer sehr wichtig und hier sicher auch Basis des Erfolgs. Ich bin überzeugt, dass man letztendlich nur dann gut im Job sein kann, wenn man die nötige Kompetenz mitbringt und diese auch ständig erweitert. Gleichzeitig muss die Qualität der geleisteten Arbeit passen, auch wenn der Druck groß ist. Die wohl größte Herausforderung ist meines Erachtens aber, trotz dieser hohen Kompetenz- und Qualitätsanforderung immer offen und flexibel zu bleiben, um auf Änderungen von Rahmenbedingungen jederzeit authentisch und mit Rückgrat reagieren zu können.

Welche Ziele haben Sie noch?
Mein Job macht mir sehr viel Freude und eines meiner Ziele ist es, diesen Job auch weiterhin gut zu machen. Gleichzeitig bin ich – gerade durch unsere genossenschaftliche Organisationsform -  immer wieder auch mit  aktuellen gesellschaftspolitischen Themen konfrontiert. Ich möchte in meiner Funktion als Geschäftsleiterin dazu beitragen, diese Themen, auch abseits vom Tagesgeschäft weiterzuentwickeln.

Was bedeutet Erfolg für Sie?
„Erfolg ist eine Reise, kein Bestimmungsort“, so lautet ein Zitat vom amerikanischen Autor Ben Sweetland, Dem kann ich nur zustimmen  - Erfolg bedeutet für mich, sich an Veränderungen flexibel anzupassen und mit den immer wieder neuen Herausforderungen gut umgehen zu können. Letztlich sind die erfolgreichen kleinen Schritte rückblickend in Summe der große Erfolg. Dies zeigt mir auch tagtäglich mein 6-jähriger Sohn auf.


Raiffeisen-Holding NÖ-Wien

Die Raiffeisen-Holding NIEDERÖSTERREICH-WIEN reg. Gen.mbH (Raiffeisen-Holding NÖ-Wien) ist eine der größten privaten Beteiligungsholdings in Österreich. Sie ist direkt und indirekt an rd. 700 Unternehmen beteiligt. Das Beteiligungsportfolio umfasst folgende Kernbereiche: Finanzdienstleistungen, Industrie, Medien und Immobilien. Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien managt ihr Beteiligungsportfolio aktiv und ist für ihre Beteiligungen ein langfristiger Partner. Zu den Beteiligungen zählen u.a. die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, NÖM, Agrana, Leipnik-Lundenburger, Strabag oder der KURIER.

Zur Person

Veronika Haslinger studierte Rechtswissenschaften in Salzburg und Wien) begann ihre berufliche Laufbahn als Konzipientin in zwei Rechtsanwaltskanzleien. Ab dem Jahr 2001 war sie in der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien in der Abteilung „Beteiligungsmanagement“ tätig, die sie wiederum ab 2009 leitete. Seit Juli 2011 ist Direktorin Veronika Haslinger Geschäftsleiterin der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. Zu ihren Verantwortungsbereichen zählen die Bereiche Beteiligungsmanagement sowie Recht, M&A.
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