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Ansturm auf Österreich ausgeblieben

Der Arbeitsmarkt in Österreich ist seit einem Jahr offen für Beschäftigte aus acht osteuropäischen EU-Ländern. Die Befürchtung, die Arbeitskräfte aus dem Osten würden Österreich überrennen und den Leuten die Arbeitsplätze wegnehmen, war eine Fehleinschätzung, zeigt die Bilanz nach einem Jahr.

"Der Ansturm blieb aus"

Seit dem 1. Mai 2011 sind knapp 27.000 Arbeitnehmer aus den osteuropäischen EU-Ländern nach Österreich gekommen. Keine Rede also von hunderttausenden Billig-Arbeitskräften, die den Österreichern den Job wegschnappen, sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ): "Alle unsere Prognosen haben sich erfüllt. Der Ansturm, von dem einige gemeint haben, er wird erfolgen, der hat nicht stattgefunden."

Legalisierte Schwarzarbeiter

Die meisten osteuropäischen Arbeitskräfte kommen aus Ungarn, Polen und der Slowakei, nur ein Bruchteil aus den baltischen Staaten. Warten heißt es weiterhin für Rumänen und Bulgaren. Sie können nämlich erst ab 2014 ohne Einschränkungen in Österreich arbeiten.

Jobs finden die osteuropäischen Arbeitskräfte vor allem im Baugewerbe und im Tourismus, nicht selten als Hilfskräfte. Rund ein Drittel war bereits vor dem 1. Mai 2011 illegal in Österreich tätig - also als Schwarzarbeiter. Durch die neuen, gesetzlichen Regelungen wurden diese Arbeitskräfte legalisiert.

Erhoffte Facharbeiter kamen nicht

Der Fachkräftemangel konnte durch die Arbeitsmarktöffnung aber noch nicht beseitigt werden. Denn viele der erhofften, zusätzlichen Fachkräfte sind ausgeblieben. Dass die Politik den heimischen Arbeitsmarkt durch Übergangsfristen zu lange abgeschottet hat, will der Sozialminister so aber nicht stehen lassen. Er spielt den Ball an die Wirtschaft weiter. "Facharbeiter, die wirklich gravierend gefehlt haben, konnten immer schon kommen, über die Mangelberufsliste. Der Arbeitsmarkt war für diese Menschen sehr wohl offen, nur die Wirtschaft muss sich auch um sie bemühen."

Verschärfte Baukonkurrenz

Ein Jahr nach der Arbeitsmarktöffnung hat Österreich immer noch die niedrigste Arbeitslosenrate innerhalb der EU. In einigen Branchen - wie etwa dem Baugewerbe - steigt die Zahl der Jobsuchenden aber besonders stark an. Und genau hier sieht Hundstorfer auch die Verlierer der Arbeitsmarktöffnung: "Es ist härter geworden am Bau, weil ganze Firmen versucht haben, nach Österreich herein zu kommen."

Im Vorjahr sind nämlich nicht nur die Schranken für Arbeitnehmer gefallen. Auch Unternehmer aus dem Osten können ihre Dienstleistungen in Österreich anbieten. Sobald sich die Wirtschaft in Osteuropa erholt, werden viele dieser Unternehmen aber wieder in ihre Heimat zurückkehren, so der Sozialminister.

Experte: Größter Schwung vorbei

Dass der österreichische Arbeitsmarkt für Rumänen und Bulgaren erst 2014 geöffnet wird, ist für den Linzer Wirtschaftswissenschaftler Klaus Nowotny in Ordnung. In diesen Ländern bestehe eine große Bereitschaft zur Migration. Der größte Schwung ist für Nowotny jedenfalls vorbei.

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