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Kategorie: Aktuell
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„Global Culture Survey“: Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor häufig noch unerkanntes Potenzial

Für internationale Führungskräfte nimmt die Unternehmenskultur einen hohen Stellenwert innerhalb ihrer Organisation ein. Die Mehrheit der Top-Manager glaubt, dass sie einen direkten Einfluss auf das Verhalten der Belegschaft hat. Jedoch zeigen sich europäische Befragte im weltweiten Vergleich weniger vom Wert der Kultur in ihren Unternehmen überzeugt: Während in Japan gar 76 Prozent die Kultur gegenüber der Strategie favorisieren, sind es in Australien und den USA jeweils mehr als 65 Prozent, in Europa hingegen nur 57 Prozent.

Das zeigt die aktuelle „Global Culture Survey“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC. Global gesehen glauben 61 Prozent der Befragten, dass die Unternehmenskultur im betrieblichen Management eine hohe Priorität hat, in Europa teilen diese Ansicht 52 Prozent. Trotzdem sind mehr als die Hälfte der Europäer sicher, dass für Bewerber die jeweilige Kultur ein wesentlicher Faktor ist, sich für ein Unternehmen zu entscheiden. Für die Studie wurden in Zusammenarbeit mit dem Katzenbach Center über 2.000 Führungskräfte aus Australien, China, Europa, Japan und Nordamerika befragt.

„Sowohl intern als auch extern spielt die Unternehmenskultur eine wesentliche Rolle und ist nicht zu vernachlässigen. Das spiegelt auch die Meinung der europäischen Führungskräfte wider – der Großteil der Befragten ist der Ansicht, dass ein kultureller Wandel in ihrer Organisation notwendig ist“, erläutert Christine Catasta, Senior Partner bei PwC Österreich. „Eine innovationsfördernde Kultur kann sich beispielsweise positiv auf die Produkte und Services eines Unternehmens auswirken – und nimmt damit auch indirekten Einfluss auf den finanziellen Erfolg und die Zukunftsfähigkeit.“

Europäische Top-Manager wünschen sich agilere Unternehmen

Hinsichtlich der Kultur sehen europäische Befragte vor allem Kundenorientierung, Qualität und Innovation als Stärken ihres Unternehmens. Dagegen folgen 63 Prozent der europäischen Firmen immer noch starren Prozessen, anstatt auf eine offene Kultur und Improvisation zu setzen. Auch Risikofreude ist in europäischen Unternehmen noch nicht angekommen: 63 Prozent der deutschen Unternehmen schätzen sich als risikoscheu ein, in Spanien und Italien sind es sogar 73 Prozent. Hierarchien und Titel spielen für Europäer (63 %) nach wie vor eine Rolle und sind wichtiger als im internationalen Vergleich (Nordamerika: 58 %, China: 55 %). 

Einen Konsens zu erreichen, ist für 70 Prozent der deutschen Führungskräfte bei der Entscheidungsfindung wichtig (Nordamerika: 64 %, Australien: 51 %). Für die nächsten drei bis fünf Jahre wünschen sich europäische Befragte, dass ihr Unternehmen agiler wird und das Mitarbeitermanagement verbessert. Daneben spielen Bestrebungen, kollaborativer, kundenorientierter oder innovativer zu werden, eine wichtige Rolle. Lediglich 12 Prozent hoffen, dass ihr Unternehmen seine Digitalkompetenz ausbaut, wobei sich aktuell nur 32 Prozent für den Einsatz neuer Technologien gerüstet sehen. Damit ihr Unternehmen weiterhin erfolgreich wirtschaften und wachsen kann, muss sich die interne Kultur nach Meinung von 82 Prozent der europäischen Befragten signifikant weiterentwickeln.

„Kultureller Wandel ist in vielen Fällen ein Top-Down-Prozess. Das bedeutet, dass der Erfolg einer Transformation auch stark durch Entscheidungsträger in Unternehmen geprägt ist. Führungskräfte müssen sich dieser Rolle bewusst sein und Unsicherheiten innerhalb der Belegschaft ernst nehmen, die etwa aufgrund von Veränderungen durch digitale Transformation entstehen können“, erklärt Harald Dutzler, Partner bei Strategy& Österreich. „Um Hürden bei der Umsetzung von kulturellem Wandel erst gar nicht entstehen zu lassen, müssen die Kulturarbeit und ihre Ziele kommuniziert und transparent gemacht werden. Nur wenn alle im Team das Projekt gemeinsam vorantreiben, kann kultureller Wandel gelingen.“

Führungswechsel und Restrukturierung führen zu neuer Unternehmenskultur

Angestoßen wird eine neue Unternehmenskultur in europäischen Firmen am häufigsten bei einem Führungswechsel oder durch eine strategische Initiative im Rahmen einer Restrukturierung mit der Implementierung von neuen Technologien oder von Kostensenkungsprogrammen. Lediglich jeder zehnte kulturelle Umschwung ist darauf zurückzuführen, dass Kultur als elementar identifiziert und daran gearbeitet wird, sie erfolgreich auszugestalten.

Dass Veränderungen in der Unternehmenskultur mit Herausforderungen verbunden sind, ist den Befragten bewusst. Ein Drittel der Europäer sieht in der Übertragung eines gewünschten Kulturwandels in den Arbeitsalltag das größte Problem. 30 Prozent haben die Erfahrung gemacht, dass bei Veränderungsprozessen nicht alle Unternehmensbereiche gleichermaßen beteiligt und engagiert sind. Ein Viertel berichtet, die Führungsebene sei während der Umgestaltungen nicht einheitlich aufgetreten. Bei einem Kulturwandel bevorzugen die meisten europäischen Studienteilnehmer schrittweise Veränderungen im Gegensatz zu großen, revolutionären Umbrüchen (78 %).

„Um unternehmerisch erfolgreich zu sein, müssen Strategie und Kulturarbeit gleich viel Aufmerksamkeit bekommen. Unternehmenskultur darf dabei aber nicht als kurzzeitige Modeerscheinung nur oberflächlich behandelt werden, sondern muss aktiv in den Unternehmensalltag integriert werden. Denn strategische Entscheidungen alleine werden die Unternehmenskultur nicht verändern können“, kommentiert Harald Dutzler.

Foto: PWC Österreich