Souverän werden im Businessalltag – so gelingt es

Souverän sein, in allen Lebenslagen leicht und locker reagieren – wer wünscht sich das nicht? Doch wie lässt sich Souveränität (zurück-)gewinnen? ABW sprach darüber mit der Organisationsberaterin Personalentwicklerin und Buchautorin Walburga Ludwig.

Wie definieren Sie Souveränität im Geschäftsalltag? 

In den Karriereportraits Ihrer eigenen Zeitschrift stellen Sie so viele interessante Frauen in sehr verantwortlichen Positionen vor. Überall tauchen besondere Fähigkeiten und Kenntnisse auf. Starke Frauen, die ihren Weg gehen, auf ihre Art. Doch es ist nicht so leicht aus dem „WAS“ eines Karriereweges das „WIE“ - wie macht sie das - abzuleiten. Man sieht die Wirkung von Souveränität, kann aber nicht in ihr Innenleben blicken. 

Souveränität im Geschäftsalltag ist als aller erstes handlungsfähig zu sein, im fachlichen Sinne, im bi- und multilateralen Kontakt, im Umgang mit eigenen Emotionen und den Bedürfnissen anderen. Das ist die Voraussetzung für Selbstbestimmung. Souveränität ist die Gewissheit, die eigenen Belange regeln zu können. 

Aus welchen Bausteinen setzt sie sich zusammen? 

Stellen Sie sich vor, jede einzelne Person ist ein Königshof. In diesem agieren verschiedene Kräfte und Funktionen. Wenn alle einen guten Job machen, das heißt auch miteinander korrespondieren, entsteht ein starkes Reich. Das Zwiegespräch mit sich selbst ist wie die Tafelrunde am Hofe des eigenen Reiches. Selbstreflexion ist erlernbar, mit dem Souveränitäts-Code wird sie erlebbar und ist ein Weg zur Selbststärkung.


Souverän sind wir, wenn wir bestimmten Qualitäten und Fähigkeiten in uns lebendig vereinen. Mit meinem Souveränitäts-Code beschreibe ich 7 Qualitäten die in jeder Person angelegt sind. Ob sie kraftvoll miteinander agieren ist dann der Weg, diese zu erkennen, sie zu stärken und manchmal fehlende Kräfte zu integrieren. Dieser Code ist für Individuen ebenso ein Erkenntnisbooster wie auch für Managementteams.

Es geht um die Kunst wie eine Königin ein Reich zu bauen und zu regieren.
Es geht um die Kunst des Kämpfens, seinen Kampfstil und das Terrain zu kennen.

Es geht darum, die eigene Kreativität in allen Belangen zu leben.
Es geht um die Heilerin in uns. Zu wissen was heilt und wirkt und dieses Wissen im Kontakt einsetzten zu können.
Es geht um Ausrichtung und Wertorientierung und die Fähigkeit visionär im eigenen Leben und für den eigenen Verantwortungsbereich unterwegs zu sein.
Es geht um die Weise in uns und dem klugen Umgang mit Wissen und Erfahrung.
Es geht um die wilde Freie Frau in uns und die Traute, die Kraft der Ursprünglichkeit zu leben.

Ich arbeite hier ganz bewusst mit archetypischen Begriffen, denn beobachten Sie sich selbst beim Lesen, Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit sofort Bilder im Kopf. Das ist die Wirkung von Archetypen. Das sind uns allen bekannten Mustern und Dynamiken in der gesamten Bandbreite ihrer Couleurs.


Doch Ihre Leserinnen und Leser werden sich fragen: Lebe ich meine volle Souveränität? Wenn nicht, wie nähere ich mich ihr an? In meiner Arbeit als Organisationsberaterin mit Managementteams und im Coaching differenziere ich zwei Fragestellungen. Geht es um eine konkrete Situation, bezogen auf eine bestimmte Fragestellung, oder geht es eher um eine immer wieder kehrende Situation, mit der man nicht zufrieden ist.


Eine Annäherung an die eigene Souveränität erwächst aus der Betrachtung, bin ich so wie ich sein will und wie will ich denn sein? Dieser letzte Halbsatz birgt den gesamten Stoff der persönlichen Entwicklung. Denn wie bin ich denn? Wie bin ich so geworden? Wie handle ich immer wieder? Will ich so sein oder möchte ich in bestimmten Aspekten anders agieren? Wenn ja, in welchen? Wie kann ich das entwickeln?


Daran schließen sich weitere Fragen zur eigenen (beruflichen) Lebensgestaltung an: Weiß ich um meine Fähigkeiten, Talente und Möglichkeiten und kann ich sie optimal für mich und für andere einsetzen? Sorge ich für meine Weiterentwicklung? Weiß ich, wo ich im Leben oder zumindest in der nächsten Phase hinwill und kann ich mich bei Schwierigkeiten und Krisen wieder neu ausrichten?

Habe ich klare Vorstellungen von Regeln und Werten, die mir wichtig sind und kann ich sie leben und einfordern? Kann ich meine Grenzen wahren und gegebenenfalls verteidigen? Kann ich mich eigenständig definieren, ohne mich von der Zustimmung anderer abhängig zu machen? Habe ich die Kontrolle beziehungsweise die Gestaltungshoheit über mein geistiges und materielles Eigentum? Das Wunderbare am Souveränitäts-Code ist, zur kognitiven Annäherung steht uns zusätzlich unsere Körperweisheit zur Verfügung. Der Schlüssel hierzu ist die zentrale Methode meiner Beratungstätigkeit. 

Gibt es Charaktere, die Souveränität begünstigen? 

Offene Geister, Menschen mit Entdeckerfreude haben es natürlich leichter. Sie beobachten sich selbst und ihre Umwelt. Sie haben die Freiheit Fragen zu stellen und sich selbst in Frage zu stellen. Letztendlich hat jede und jeder ein feines Gespür für ihre oder seine eigene Souveränität. Wir registrieren für uns sehr schnell, wenn wir wiedermal nicht souverän unterwegs waren.

Ob wir es vor uns selbst und dann auch noch vor anderen eingestehen, ist eine Charakterfrage. Dazu gehört ein differenzierter Umgang mit unseren Gefühlen, besonders mit unserer Angst. Angst vor unserer Angst in ihren vielfältigen Ausprägungen zu haben, ist ein großer Hemmschuh. Die sozial gelernten Rollen spielen hier natürlich ein großes Gewicht. 

Fällt Frauen oder Männern Souveränität schwerer? 

Letztendlich ist es immer individuell. Männer haben es leichter aufgrund der ihnen zugeschriebenen Rollen scheinbar souverän zu sein. Sie haben es aus gleichem Grund schwerer ihre wirkliche Souveränität zu finden. Frauen sind aufgrund der nach wie vor herrschenden patriarchalen Grundstrukturen unserer Gesellschaft verstärkt gefordert ihre eigene Souveränität zu entwickeln.

Alleine die Aussage: „Lasst Euch nicht von dieser Männerwelt abschrecken“ und "Frauen müssen das System durchschauen", von DI Sandra Schneider, AIT in einem Interview in dieser Zeitschrift birgt den Stoff des gesamten Souveränitäts-Codes. Denn: warum lasse ich mich wann abschrecken und wie lerne ich, das System zu erkennen? 

Frauen mit ihrer sozialen Konditionierung sind oft eher bereit, sich selbst zu reflektieren. Sie lassen die innere Heilerin meist stärker zum Zuge kommen, das hilft den Frauen selbst und ebenso ihrer Umgebung. Das heißt, ernst nehmen, wenn sich etwas ungut oder sogar kritisch anfühlt. Frauen brauchen aber auch verstärkt den Mut, ihre Kriegerin aktiv ins Feld zu schicken. 

Kann jeder von uns Souveränität erlernen? 

Hier kommt ein klares JA! Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Reflexion und die Fähigkeit es auszuhalten und hinzuschauen, wenn wir nicht-souverän agieren. In meiner Praxis entstehen in 99% der Fälle Einsichten, Entwicklungen und Lösungen. Sich nicht die Zeit für sich und seine eigene Situation zu nehmen. Sich zu sehr von den fachlichen Anforderungen fressen zu lassen und Angst vor der eigenen Courage. Und es gibt noch ein weiteres bedeutendes Feld. Jede dieser Qualitäten unserer Persönlichkeit in uns hat auch ihre Schattenseite. Diese sollten wir gut kennen. 

Foto: Volker Listl