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Karrierekiller Kind ?

Mag. Georg Kapsch, Vorsitzender des IV-Ausschusses für Gesellschaftspolitik

Wenn Maria morgens ihre zweijährige Tochter versorgt hat und ein bisschen Zeit übrig bleibt, beginnt sie nachzudenken. Die studierte Informatikerin befand sich beruflich auf einem Höhenflug, am besten Weg, Karriere zu machen. Doch dann kam das Kind. Nicht ungewollt, es war ein wohlüberlegter Schritt, den die mittlerweile 34-Jährige machte. Alle Konsequenzen wurden abgewogen. Nächtelange Diskussionen mit dem Ehemann führten zu der Meinung, dass eine Auszeit grundsätzlich nicht schlecht sei und der Wiedereinstieg für eine hoch qualifizierte Mama machbar sein müsste.

Die Realität holte die Mutter jedoch relativ unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht, dass es an guten Jobangeboten mangeln würde, doch wer kümmert sich während der Arbeitszeit um das Kind? Für ein Au-Pair-Mädchen ist in der kleinen Wohnung kein Platz, Eltern und Schwiegereltern fallen als „Babysitter“ aus. Bleiben nur noch Kinderbetreuungseinrichtungen, doch daran mangelt es hierzulande generell. Was also tun? Eine Frage, auf die es nur unzureichende Antworten gibt.

Heißes Eisen Kinderbetreuung
Sowohl Politik als auch Wirtschaft haben es bisher vortrefflich verstanden, sich das „heiße Eisen“ Kinderbetreuung gegenseitig zuzuwerfen. Die Finger wollte sich bislang aber keiner verbrennen und so blieb es bei halbherzigen Versuchen, Lösungen zu finden. Medienwirksam wurde unlängst ein interministerielles Arbeitsgespräch einberufen, konkrete Ergebnisse blieben aus. Vereinzelt wagen Politikerinnen einen Vorstoß, bemängeln die Zustände und fordern bessere Rahmenbedingungen, doch Mag. Markus Beyrer (li. oben), Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) mit Dr. Veit Sorger, Präsident der IV Mag. Norbert Zimmermann (li.), IV-Präsident NÖ Mag. Georg Kapsch, Vorsitzender des IV-Ausschusses für Gesellschaftspolitik das Geld sitzt weder bei Bund noch Land locker, wenn es um den Nachwuchs geht.

Umso überraschender mutet es an, dass die Industriellenvereinigung (IV) sich bereits seit Jahren für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzt. Die gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gesellschaftlich notwendig, ökonomisch sinnvoll und wird aufgrund der demografischen Entwicklung auch arbeitsmarktpolitisch immer stärker an Bedeutung gewinnen. „Arbeiten einerseits, Familie andererseits, sind die zwei wesentlichen Säulen menschlichen Lebens.
Es ist für unsere wirtschaftliche Zukunft, aber auch für den sozialen Zusammenhalt und die Lebensqualität entscheidend, dass die Menschen in unserem Land Beruf und Familie gut verbinden können“, so Mag. Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung. Klar ist: Eine deutliche Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöht die Chancen für Frauen, früher in das Erwerbsleben einzusteigen. Und das geht nur dann, wenn die Kleinen optimal betreut werden.

Hohe Qualitätsstandards und ausreichende Betreuung seien dabei im Interesse von Kindern und Eltern besonders wichtig, weiß Mag. Georg Kapsch, Vorsitzender des IV-Ausschusses für Gesellschaftspolitik. Er betont, dass die Wirtschaft die Frauen nicht zu Lasten der Kinder wieder früher im Job haben möchte, Familien jedoch eine qualifizierte Auswahl an Variantenbedarfsgerechter Kinderbetreuung benötigen. Ohne Kinderbetreuungseinrichtungen hätten sie diese Wahlmöglichkeiten nicht.