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Roswitha Hönigsperger, Vorstand BAWAG P.S.K. Versicherung: Mathematik macht Spass

Roswitha Hönigsperger, Vorstand BAWAG P.S.K. Versicherung, über eine gar nicht trockene Materie und vielseitige Karrieremöglichkeiten für Frauen in der Versicherungsbranche. 

Was waren die wesentlichen Stationen ihrer Karriere, wo haben sie am meisten gelernt?

Ich war seit jeher sehr zahlenaffin und habe von 1988 bis 1992 das Kurzstudium Mathematik an der Technischen Universität Wien absolviert. Zeitgleich arbeitete ich ab 1989 bereits bei der BAWAG Versicherung AG, wo ich mit dem Abschluss meines Studiums auch die Gruppenleitung der Mathematik-Abteilung übernahm. 1996 begann ich mit der Übernahme der Funktion der stellvertretenden Abteilungsleiterin der Fachabteilung mit dem berufsbegleitendeten Studium an der Fachhochschule für Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung des BFI Wien. Ich war damals eine der jüngsten stellvertretenden Aktuarinnen in Österreich, was mich sehr stolz machte. 

Dies war eine sehr intensive Zeit, in der ich am meisten gelernt habe. Mit ein Grund hierfür war, dass ich 1998 die Abteilungsleitung und die Funktion der verantwortlichen Aktuarin übernommen habe. Es war eine große Herausforderung, Ausbildung und die Verantwortung für ein Team unter einen Hut zu bringen. Noch dazu war ich damals die einzige Frau im Führungsteam des Unternehmens. 

Seit Juli 2013 bin ich Mitglied des Vorstandes der BAWAG P.S.K. Versicherung AG. Ich führe auch weiterhin die Abteilung Versicherungstechnik und habe damit die Möglichkeit, die strategische Ausrichtung des Unternehmens aktiv mitzugestalten und gleichzeitig auch die Überleitung in die operative Umsetzung sicherzustellen. Eine meiner derzeit spannendsten Aufgaben ist es, Solvency II, das seit 1. Jänner 2016 in Kraft ist, in unserem Unternehmen umzusetzen.

Wir wird man eigentlich Aktuarin? Was reizt Sie an der Versicherungsmathematik?

Mit der Wahl meines Studiums und meinem Interesse für das Versicherungswesen war mein Weg zur Aktuarin vorgezeichnet. Mit meinem sehr frühen Einstieg bei der BAWAG Versicherung AG lernte ich Versicherungsmathematik von Grund auf in all ihren Facetten kennen und bin bis heute von dieser Materie fasziniert. Auf dem Weg zur Aktuarin benötigte ich – nach dem Studium – eine mehrjährige Praxis in relevanten Tätigkeitsbereichen des Unternehmens, z.B. in der Produktentwicklung und hier speziell in der Offert-Mathematik, in der Vertragsverwaltung (Bearbeitung komplexer Vertragskonstellationen), in der Bilanz-Mathematik und der Rückversicherung. Danach wird man in die Berufsständische Vertretung der Aktuarsvereinigung Österreich aufgenommen und wird Mitglied der Sektion anerkannter Aktuare. Die Aufgaben einer Aktuarin in einer Lebensversicherung sind sehr vielfältig. Man entwickelt die passenden Berechnungsmodelle, die für die versicherte Gemeinschaft die adäquaten Prämien zu den entsprechenden Leistungsversprechen ableitet und so einen maßgeblichen Beitrag zur privaten Altersvorsorge liefert. Darüber hinaus gilt es als Aktuarin, mit Juristen gemeinsam entsprechende Vertragswerke auszuarbeiten, mit Betriebswirten die versicherungstechnischen Rückstellungen in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung richtig zu bewerten und darzustellen, und Produkte zu entwickeln, die auch von Asset-Managern adäquat veranlagt werden können. 

Ist das alles nicht eine sehr trockene Materie?

Ich habe Spaß an mathematischen Aufgabenstellungen. Persönlich hat mich an meinem Beruf als Aktuarin besonders gereizt, dass man eben nicht nur theoretische Aufgabenstellungen in mathematische Modelle und Lösungen übersetzt sondern hier trotzdem Konkretes, wenn auch nicht physisch Angreifbares, schafft. Ich bin als Aktuarin in sehr viele Bereiche der Geschäftsführung eingebunden und gefordert, die „trockene“ Materie verständlich an die unterschiedlichsten Gesprächspartner zu transportieren, um so gemeinsam passende Entscheidungen treffen zu können.

Wie stehen die Karrierechancen für  Frauen in der Versicherungsbranche? 

Es gibt in der Versicherungsbranche bereits in vielen Unternehmen Frauen im obersten Management. Ich würde die Frage mit „sehr gut“ beantworten, da auch noch viel Potential für die Zukunft gegeben ist. Man muss als Frau genauso wie als Mann an sich glauben und den eigenen Weg gehen. 

Werden Frauen bei der Generali in ihren Karrieren gefördert,  sind sie gefördert worden? 

Ein doppeltes Ja, in der Generali gibt es spezielle Schwerpunktprogramme für Frauen u.a. haben sich Frauen aus der ersten Führungsebene der Generali Group zusammengeschlossen und ein Mentoring- Programm mit Human Resources entwickelt, in dem sie ihre Erfahrungen an ihre Mentee-Frauen – Nachwuchsführungskräfte im Management – weitergeben.

Bitte ein Karrieretipp für eine junge Frau 

An sich glauben und den eigenen Weg konsequent gehen. Immer für sich selbst reflektieren, ob die Aufgabe bzw. das Umfeld passt. Mein wesentlichster Indikator ist die Frage: Macht mir mein Job Spaß? Die Antwort sollte JA sein, denn man verbringt, wenn man erfolgreich sein möchte, viel kostbare Lebenszeit im Beruf. Der Spaßfaktor ist dabei eine wichtige Energiequelle, um Herausforderungen positiv annehmen zu können.

Was war die erste Versicherung,  die sie abgeschlossen haben? 

Wie bei den meisten Österreichern wahrscheinlich auch, die Haushaltversicherung für meine erste eigene Wohnung und natürlich – meinem Job entsprechend – eine Er- und Ablebensversicherung, die ich ziemlich bald zu Beginn meines Berufslebens als Versicherungsmathematikerin abgeschlossen habe. 20 Jahre später habe ich mich über eine „nette“ Erlebensleistung gefreut! 

Welche Versicherung(en) sollte man unbedingt abschließen und warum?

Neben den etablierten Versicherungen für Heim, Auto und Rechtsschutz sollte man nicht auf den Schutz der eigenen Person vergessen, um seinen Lebensstandard abzusichern: Unfallversicherung und private Altersvorsorge, je nach persönlicher Präferenz kapitalbildende Versicherung, Rentenversicherung oder eventuell auch eine Pensionskassenlösung. Wenn es finanziell möglich ist, dann ist eine private Krankenversicherung jedenfalls eine sinnvolle Ergänzung. 

Foto: Lukas Lorenz/BAWAG P.S.K. Versicherung