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„Mit großer Leidenschaft dabei“

Wie kamen sie in die Automobilbranche?
Das war direkt nach dem Abschluss meines Studiums der internationalen Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck. Während meines Studiums hatte ich einige Praktika in der Automobil-Zulieferindustrie und dabei „Blut geleckt.“ Die Komplexität und vielseitigen Aspekte dieser Branche haben mich von Anfang an fasziniert. Die ersten beiden Jahre war ich in den Bereichen Events und Handelsmarketing tätig, danach über mehrere Jahre Produktmanager bei Land Rover Österreich. 2010 bin ich in die Zentrale von Jaguar Land Rover nach Gaydon, Midlands, UK, gewechselt und habe die Marketing- und Sales-Agenden für neun europäische Märkte übernommen. Das war eine äußerst spannende Herausforderung:sich einerseits auf die englische Mentalität einstellen, andererseits neun sehr unterschiedliche Märkte zu betreuen und die jeweiligen regionalen Herausforderungen meistern. Da waren jede Menge Diplomatie, Fingerspitzengefühl aber natürlich auch Charme und Offenheit gefragt. In diesen drei Jahren in England konnte ich jede Menge wichtiger Kontakte knüpfen und mir ein Netzwerk aufbauen, welches in meiner jetzigen Position extrem hilfreich ist.

Ihre Branche ist ja keine typische „Frauenbranche": Hatten Sie jemals mit Vorurteilen zu kämpfen?
Das stimmt, die Automobilbranche kann man auch heute noch als männlich dominiert bezeichnen, wobei sich gerade in den letzten Jahren vieles positiv verändert hat. In meinen Anfängen brachten mir vor allem die Händler jede Menge Skepsis entgegen, wenn ich mit ihnen bei Produktpräsentationen und Trainings zu tun hatte. Ich habe mich aber davon nicht abschrecken lassen, sondern mein Fachwissen sukzessive erweitert und mich auf kompetente Problemlösungen konzentriert – das hat mir relativ rasch Akzeptanz und Respekt eingebracht. Dass ich eine Frau bin, war zumindest im negativen Sinn, ganz schnell kein Thema mehr. Mein Learning daraus ist, dass Kompetenz und Professionalität die besten Waffen im Kampf gegen veraltete, patriarchische Vorurteile sind, wobei hin und wieder eine Portion weiblicher Charme keinesfalls fehlen sollte.Der war in Kombination mit weiblichen Stärken wie Feingefühl, Weitblick und Diplomatie bei meiner internationalen Tätigkeit unerlässlich. Erfreulicherweise ist die Frauenquote in der Zentrale von Jaguar Land Rover in Gaydon sehr hoch, so sind beispielsweise im JLR Design Centermehr als 30 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Jaguar Land Rover bietet für Frauen tollen Support und einzigartige Programme an, zum Beispiel für den beruflichen Wiedereinstieg von Müttern.

Sie sind als Marketing Managerin für Österreich und Tschechien zuständig: Wie unterscheiden sich diese beiden Märkte? Und wie wirkt sich das auf Ihre Strategie aus?

Anfang 2010 hat Land Rover Austria auch die Verantwortung für den Tschechischen Markt übernommen. Ein sehr spannender Markt. Um Ihnen eine Größenordnung zu geben: Das so genannte total industry volume ist zwar kleiner als in Österreich, liegt bei etwa 55 Prozent, der Anteil von 4x4 Fahrzeugenist aber wie hierzulande bei zirka. 15 Prozent. Allerdings gehen Branchen-Insider davon aus, dass das Wachstumspotential des 4x4 Segments in Tschechien erheblich höher ist – für Land Rover eine äußerst spannende und vielversprechende Ausgangsposition. Natürlich gibt es auch spezielle Herausforderungen: In Tschechien ist der Anteil der Grau-Importe aus Nachbarländern teilweise immer noch sehr hoch. Für uns bedeutet das einen starken Fokus auf eine klare, stringente Markenpositionierung und die laufende Konsolidierung des Händlernetzes. Damit differenzieren wir uns klar und nachhaltig von nicht autorisierten Händlern. Umso schöner ist es aber zu sehen, dass gewisse Marketingstrategien in beiden Märkten ausgezeichnet funktionieren – stellvertretend seien hier der Eventbereich und die Land Rover Experience erwähnt. Ziel unserer Events und der Land Rover Experience ist es, Interessenten und potentielle Kunden mit unseren Fahrzeugen hautnah in Berührung zu bringen. In beiden Ländern stellen wir bei solchen Gelegenheiten immer wieder sehr erfreut fest, wie unsere Fahrzeuge oft regelrecht „gestürmt“ werden! Bei der Erstellung unserer Mediapläne erfolgt eine Anpassung an die nationale Medienlandschaft, nur so können wir erfolgreiche Kommunikationskampagnen in beiden Märkten umsetzen. Konsumenten in derTschechischen Republik sind insgesamt wesentlich online affiner als die österreichischen Konsumenten, all das fließt in unsereMediastrategie ein.