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Unternehmerin Gerhild Vanis: Erfolgreich im Business dank Regenwetter

Gerhild Vanis wurde jüngst im Rahmen des Unternehmerinnen Awards 2017 ausgezeichnet. Ihr StartUp ist einzigartig in Österreich – nicht nur, weil die Umsätze steigen, je schlechter das Wetter wird. Austrian Business Woman sprach mit der erfolgreichen Geschäftsfrau über die Chancen und Risiken im Einzelhandel.

Im Frühjahr 2015, als sie ihre Geschäftsidee an den Start schickte, wurde Gerhild Vanis von vielen noch belächelt. Doch der Erfolg sollte ihr und ihrem Konzept recht geben. Mit ihrem noch jungen Unternehmen, dem Gummistiefelhaus, seines Zeichens der erste Fachstore für Gummistiefel, Regenbekleidung und -accessoires weltweit, wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Obwohl Vanis und ihr Shop-Konzept innovativ sind, hält Sie wenig von digitalem Business und preist die Vorteile des stationären Handels an. „Im Gummistiefelhaus zeigt sich, dass die verschiedenen Leisten unbedingt probiert werden müssen, um das richtige Modell für den individuellen Fuß zu finden. Eine ausführliche Beschreibung der Modelle im Onlineshop kann die persönliche Fachberatung nie ersetzen und würde einen enormen Aufwand bedeuten. Ich kann also annehmen, dass die Rücksendequote sehr hoch ist. Außrdem kommt die Ware oft in einem Zustand retour, der einen Verkauf zum Normalpreis unmöglich macht. Unterm Strich also sicher ein Verlustgeschäft“, so Gerhild Vanis. Überhaupt würde sich ein Online-Shop im Modehandel, laut seriösen Studien, erst ab einem Umsatz von drei bis vier Millionen Euro etwas bringen. 

Hat der stationäre Handel im Wettbewerb mit dem Online-Handel längerfristig eine Chance? Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?

„Wir arbeiten prinzipiell nur mit Herstellern, die uns Einkaufspreise bieten, die einen Endkundenpreis zulassen, der den des herstellereigenen Onlineshops nicht übersteigt.

Weiters glaube ich, dass wir mit Auswahl, freundlicher Fachberatung und Ambiente punkten. Ich glaube an das Überleben des stationären Handels. Wir haben immer wieder Kunden, die prinzipiell nicht online shoppen wollen. Ich denke, die Konsumenten, auch die jungen, werden längerfristig erkennen, dass es nicht besonders smart ist, im stationären Handel zu probieren und dann bei irgendeiner ausländischen Onlineplattform um ein paar Euro billiger zu kaufen. Erstens wegen der Paketabholerei, zweitens wegen der Arbeitsplatzvernichtung in der eigenen Stadt und der damit verbundenen Verödung des Stadtbildes, wenn es keine individuellen Geschäfte mehr gibt. Außerdem möchte nicht jeder wochenlang auf ein Packerl aus China warten, nur um dann ein Billigprodukt zu bekommen, das vielleicht nicht passt.“

Was kann der stationäre Handel unternehmen, um sich besser für die fortschreitende Digitalisierung zu rüsten?

„Meiner Meinung nach kann man als stationärer Händler nur Angebot und Einkaufsatmosphäre optimieren und darauf vertrauen, dass die Konsumenten das mehr schätzen als einsam auf den Bildschirm zu glotzen.“

Welche Tipps haben Sie für den stationären Handel?

Viel Geduld, Sympathie und Einfühlungsvermögen für die Kunden bereithalten, das Geschäft angenehm gestalten und ein besonderes Warenangebot bieten. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Abgabenquote zu hoch ist.

Foto: Privat/Archiv