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Mehr Insolvenzen trotz Rekordwachstums in Zentral- und Osteuropa

Die Zahl der Insolvenzen in Zentral- und Osteuropa stieg in 2017, obwohl die Region in diesem Jahr mit 4,5 Prozent den höchsten Anstieg des durchschnittlichen BIP-Wachstums seit 2008 erwirtschaftete. Der private Konsum und die Eingänge durch die Erholung der Anlageinvestitionen leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum. Dennoch reichte das günstige Geschäftsumfeld im letzten Jahr nicht aus, um die Liquiditätssituation der Unternehmen zu verbessern. Das ergab die aktuelle Coface-Insolvenzstudie für Zentral- und Osteuropa.  

Die Trendumkehr: Während 2016 und 2015 ein Rückgang von -6 und -14 Prozent zu verzeichnen war, stiegen die Insolvenzen im Jahr 2017 um 6,4 Prozent. Insgesamt neun Länder zeigten zunehmende Insolvenzzahlen: Kroatien, Estland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien und Ungarn. Nur fünf CEE-Länder hatten weniger Insolvenzen als im Vorjahr: Bulgarien, Lettland, Slowakei, Tschechische Republik und die Ukraine.

Innerhalb der Region zeigten sich große Unterschiede. Den größten Rückgang der Insolvenzen verzeichneten  die Slowakei mit -27,1 Prozent und die Tschechische Republik mit -26 Prozent. Leichte Erhöhungen von +2,4 Prozent gab es in Estland und in Rumänien  (+2,5 Prozent). Zu einem massiven Anstieg von +40,1 Prozent kam es in Kroatien. Die Gründe für die  abnehmende Geschäftsliquidität, die in einigen Fällen zu Insolvenzen führten, waren einheitlich. "Eine hohe Kapazitätsauslastung und eine solide Nachfrage haben die Unternehmen dazu bewogen, ihre Kapazitäten zu erweitern", erklärt Grzegorz Sielewicz, Regional Economist Coface Central & Eastern Europe. "Zudem führte die positive Konjunktur dazu, dass trotz des hohen Wettbewerbs in einigen Branchen neue Unternehmen gegründet wurden. Die Unternehmen erzielten zwar häufig Umsatzsteigerungen, aber geringere Gewinnzuwächse. Die Gewinne wiederum wurden durch steigende Kosten, einschließlich des Lohnwachstums und der höheren Kosten für Vorleistungen, eingeschränkt. Dies bestätigt der beschleunigte Erzeugerpreisindizes." 

Zudem wurde der Fachkräftemangel zu einem Hauptproblem für Unternehmen in der Region. Dies bremst Aktivität und Expansion. Laut den Konjunkturerhebungen von Eurostat gaben die Unternehmen diese Barriere häufiger als Unsicherheit an als die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen. Die wirtschaftliche Beschleunigung ist somit nicht der einzige Faktor, der die Liquidität der Unternehmen beeinflusst. 

„Für 2018 und 2019 prognostizieren wir einen weiteren Anstieg der Insolvenzen in der Region. Dies bestätigt einen Wandel eines Konjunkturzyklus in Zentral- und Osteuropa“, erklärt Declan Daly, CEO Coface Central & Eastern Europe. „2018 wird die durchschnittliche Zahl der Insolvenzen um +10,4 Prozent steigen und mehr Länder eine Zunahme der Verfahren verzeichnen. In Polen erwarten wir eine Zunahme von +20,2 Prozent bei Unternehmensinsolvenzen und Restrukturierungsverfahren. In Serbien und der Slowakei hingegen werden die Insolvenzen zurückgehen. Bedingt durch ein schwächeres Wirtschaftswachstum wird der Anstieg in der Region in 2019 +15,9 Prozent betragen,“, führt Daly weiter aus.

"Diese Entwicklungen haben für Österreich enorme Bedeutung“, unterstreicht Michael Tawrowsky, Country Manager von Coface in Österreich. „Die Handelsbeziehungen zwischen Österreich und den CEE-Ländern sind nicht nur traditionell sehr eng, sie haben sich in den letzten Jahren intensiviert. 1/5 aller österreichischen Exporte gehen in die CEE-Region. Die Hälfte davon in die benachbarten Länder Tschechische Republik, Ungarn, Slowakei und Slowenien“, erläutert Tawrowsky. Der Automobilsektor sei nach wie vor dominierend, aber auch andere Sektoren seien für den Handel wichtig. „Die Beziehung zwischen Österreich und CEE wird wesentlich durch die heimischen Investitionen in der Region geprägt. Etwa jeder zehnte Euro, der in Zentral- und Osteuropa investiert wird, kommt aus Österreich“, erklärt Tawrowsky. Der Anteil der österreichischen FDI-Bestände in den CEE Ländern liegt bei über 28 Prozent. Die Hauptziele sind die Tschechische Republik, Rumänien, Ungarn, Russland und Slowenien.

Foto: alphaspirit - stock.adobe.com