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Jetzt in der neuen ABW: Die Stimmen der Frauen in der Politik

Haben es Frauen in der Politik schwerer als ihre männlichen Kollegen? Was macht Politik so faszinierend und welche Veränderungen bzw. Verbesserungen sind wünschenswert? Diese und weitere Fragen hat Austrian Business Woman für die aktuelle Ausgabe 150 heimischen Spitzenpolitikerinnen gestellt. Die Antworten spiegeln nicht  nur parteipolitische Haltungen wider, sondern gewähren Einblicke in die Wünsche, Visionen und Ziele von Frauen die es sich zur Aufgabe gemacht haben, an der Gestaltung unseres Landes mitzuwirken.

Wenn Sie die Interviews und Porträts der Politikerinnen auf den nachfolgenden Seiten lesen, sollten Sie aufmerksam sein: Kleine Details, wie zum Beispiel das Alter der Befragten, verraten oft viel mehr über eine Partei, als große Aussagen. So entstand der Eindruck, dass vor allem ÖVP und SPÖ verstärkt auf die Kraft der Jugend setzen. Waren bislang altgediente Politiker an vorderster Entscheidungsfront zu finden, hat sich das Alter der Akteure deutlich gesenkt. Jungen Menschen wird nun die Chance geboten, nicht nur im Hohen Haus ihre Stimme zu erheben. Speziell die neue Volkspartei hat eine Metamorphose hin zu jugendlicher Frische vollzogen. Ein klares Signal, dessen Wirkung abzuwarten bleibt.

Eine weitere Beobachtung, die die gemacht werden kann: Egal wie alt oder jung die politischen Entscheidungsträgerinnen seien mögen, ihre politischen Grundsätze sind durchwegs gefestigt, die Abgrenzung zu Akteurinnen anderer Fraktionen ist messerscharf. So sind Themen wie Chancengleichheit und Frauenrechte fest in der Hand von Sozialdemokratinnen und Grünen zu verorten, wirtschaftliche Schwerpunkte klar auf Seiten der ÖVP-Frauen und – in gemäßigterer Form – der NEOS. Auch der „Tonfall“ der Befragten lässt Schlüsse zu: Viele SPÖ-Politikerinnen geben sich, offenbar ihrer Oppositionsrolle bewusst, kampfbewusst und kraftvoll, als wäre ihnen daran gelegen zu zeigen, dass mit ihnen jederzeit zu rechnen ist. Auch mit Kritik am Kurs der Regierung wird nicht gespart. Politikerinnen, die den regierenden Parteien nahestehen, äußern sich gemäßigter und verzichten auf verbale Angriffe und Kritik an den Oppositionsparteien. Speziell seitens der ÖVP-Spitzenpolitikerinnen wurde mehrfach geäußert, man pflege seit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Sebastian Kurz einen neuen politischen Stil – weg von Streit und öffentlichen Auseinandersetzungen hin zu internen Gesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In einem Punkt sind sich die Politikerinnen aller Colours einig: Frauen benötigen mehr Unterstützung, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser meistern zu können. Noch immer werde diesbezüglich viel zu wenig getan. Geht es darum, ob es Frauen in der Politik schwerer als ihre männlichen Kollegen haben, spalten sich die Meinungen. Seitens der ÖVP-Politikerinnen ist die Kritik an den Männern eher verhalten, kaum wahrnehmbar. Vielfach wurde argumentiert, es habe sich in den vergangenen Jahren einiges verändert und verbessert – zum Vorteil der Frauen. Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass der neue Stil auch eine einheitliche Linie bei der Beantwortung von Fragen bedingt, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass zahlreiche ÖVP-Politikerinnen als Unternehmerinnen tätig sind und waren und in diesem Zusammenhang in Führungspositionen den professionellen, mitunter nicht immer einfachen, Umgang mit männlichen Kollegen gewohnt sind.

Seitens der FPÖ-Politikerinnen ist ein klassisches Rollenbekenntnis zu spüren, Kritik an Männern wird so gut wie gar nicht geübt. Vielmehr wird betont, jeder habe die gleichen Chancen. Kein Blatt vor den Mund nehmen sich in dieser Frage Politikerinnen von SPÖ und den Grünen. Klar und deutlich wird von sexistischen Attacken und der immer wieder lästigen Erwähnung körperlicher Merkmale durch Politiker gesprochen. Wie sehe die Frau aus und welche Kleidung trage sie, werde von den Männern häufig thematisiert. Eine langjährige Spitzenpolitikerin der ÖVP hat diese Erfahrungen ebenfalls machen müssen und sieht auch in der Wortwahl der Medien Diskriminierungspotential: So wurde der Begriff „Mutti Merkel“ geprägt, niemand wäre jedoch auf die Idee gekommen, Kanzler Helmuth Kohl als „Vati Kohl“ zu bezeichnen – außer vielleicht sein Sohn.

Großteils einig sind sich die Politikerinnen darüber, dass sie täglich beweisen müssten, „gut genug“ zu sein, um mit den Männern mithalten zu können. Es gelte jahrhundertealte Stereotype zu überwinden. Die gesetzlich festgelegte Frauenquote wird fast ausschließlich von SPÖ-Politikerinnen für gut befunden, ansonsten ist die Meinung verbreitet, der Bessere möge das Amt bekommen – egal ob Mann oder Frau.

Aktives mitgestalten

Fast alle befragten Frauen können auf einen politischen Background verweisen, entweder waren sie selbst schon in jungen Jahren, beispielsweise in der Schule, politisch engagiert und/oder kommen aus einem politisch interessierten Elternhaus. Einige wenige Befragte wollten etwas gegen die überbordende Bürokratie in Österreich unternehmen und haben deshalb den Entschluss gefasst, selbst aktiv zu werden und in die Politik zu gehen. Anpacken statt nur zu jammern ist für viele die Devise.

Alle befragten Frauen sehen es als ihre zentrale Aufgabe, zum Wohl des Landes beizutragen und für die Menschen da zu sein. Getrieben sind sie von der Mission, ihre Vorschläge auch umzusetzen. Dass sie dafür ein extremes Arbeitspensum bewältigen müssen, das nicht unbedingt familien- und beziehungsfreundlich ist, nehmen sie in Kauf. Für Außenstehende entsteht, berechtigt oder nicht, der Eindruck, Politik könne süchtig machen. Diese Annahme verstärkt sich, weil die meisten Frauen sich der Machtfülle ihres Amtes durchaus bewusst sind und es besonders schätzen, mitgestalten und die herbeigeführten Veränderungen erleben zu dürfen.

Harter Job mit Karriere-Chancen

Empathie, Mut, Wille, Ehrlichkeit, Transparenz und Ausdauer sind jene Eigenschaften, die von Politikerinnen besonders oft genannt werden, wenn es um die nötigen Qualifikationen für ein Amt geht. „Zimperlich“ dürfe man keinesfalls sein, Durchsetzungsvermögen sei ohnehin selbstverständlich. Trotz der Härte des Jobs raten alle Interviewten den Austrian Business Woman-Leserinnen, selbst aktiv zu werden und sich die verschiedenen Parteien genau anzusehen. Frauen, die sich politisch engagieren, hätten so große Chancen wie nie zuvor, Karriere zu machen. Das beste Beispiel dafür ist Dr. Pamela Rendi-Wagner, die, obwohl erst seit zwei Jahren politisch tätig, im November mit größter Wahrscheinlichkeit die erste weibliche SPÖ-Vorsitzende wird. 

Foto: Shutterstock