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Weltweites Privatvermögen überschreitet die Marke von 200 Billionen US-Dollar

Erstmals befinden sich mehr als 200 Billionen US-Dollar in privaten Händen. Das weltweite private Finanzvermögen stieg bereinigt um Währungseffekte 2017 um 7,1 Prozent auf 201,9 Billionen US-Dollar, wie der „Global Wealth Report 2018: Seizing the Analytics Advantage“ der Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG) zeigt. 

Ohne Währungsbereinigung wuchs das Vermögen weltweit sogar um zwölf Prozent und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. „Das Hoch an den Börsen und die Stärke vieler Währungen gegenüber dem Dollar haben dem weltweiten Vermögenswachstum einen enormen Schub gegeben“, analysiert Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie.

Das Finanzvermögen der Österreicher hat von 2016 auf 2017 währungsbereinigt um 4,4 Prozent auf 830 Milliarden US-Dollar zugelegt. Im Vorjahr war das Vermögen um 3,1 Prozent gewachsen. 

China auf der Überholspur
Im weltweiten Vergleich des Gesamtvermögens liegen die USA mit 80,5 Billionen US-Dollar auf dem ersten Platz, gefolgt von China (20,7 Billionen US-Dollar), Japan (16,8 Billionen US-Dollar), Großbritannien (9,3 Billionen US-Dollar) und Deutschland (7,5 Billionen US-Dollar). Österreich liegt im globalen Vergleich auf Rang 26.

China wird den Vorsprung gegenüber dem drittgereihten Japan bis 2022 weiter ausbauen. Während das globale Privatvermögen in einem optimistischen Szenario bis 2022 mit sieben Prozent wächst, legt China um 16 Prozent jährlich zu, prognostiziert die BCG-Analyse. So entsteht in China innerhalb von fünf Jahren mehr neues Vermögen in absoluten Zahlen als in den USA.

Die Regionen Nordamerika und Westeuropa halten zusammen 65 Prozent des globalen Vermögens, die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzen Millionäre. Die meisten Millionärshaushalte gibt es in den USA. Danach folgen China, Japan, Großbritannien und die Schweiz. 

Die Österreicher sparen gerne
Das vergleichsweise moderate Wachstum in Österreich ist unter anderem auf das konservative Anlageverhalten zurückzuführen. 38 Prozent des Privatvermögens sind hierzulande Spareinlagen oder Bargeld. In Aktien und Fonds liegen 29 Prozent des österreichischen Privatvermögens. „Der Anteil des in Aktien und Fonds investierten Vermögens ist in Österreich relativ hoch. Jedoch halten die Österreicher mehr als die Hälfte dieser Anteile in nicht-börsennotierten Unternehmen. Daher haben sie weniger von den starken Börsen profitiert“, sagt Anna Zakrzewski.

Zum Vergleich: Weltweit liegen 27 Prozent des Vermögens in Spareinlagen oder Bargeld und 35 Prozent in Aktien und Fonds. 

„Advanced Analytics“ gegen sinkende Margen der Vermögensverwalter
Trotz des starken Vermögensanstiegs hält die Ertragsentwicklung der Vermögensverwalter nicht mit. Während das verwaltete Vermögen weltweit um 9,2 Prozent gewachsen ist, sind die Erträge nur um 5,9 Prozent gestiegen. „Vermögensverwalter, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, senken ihre Kosten und personalisieren ihre Angebote“, erläutert Anna Zakrzewski. Denn der Global Wealth Report zeigt: für 70 Prozent der Kunden sind personalisierte Services ein wesentlicher Faktor für die Entscheidung, bei ihrem aktuellen Anbieter zu bleiben oder zu wechseln. 

Sowohl für die Entwicklung neuer individueller Produkte und Services als auch zur Optimierung der Kostenstruktur ist die Nutzung von Big Data und Advanced Analytics, also neuen digitalen Analyseverfahren essenziell. Eine vollständige digitale Transformation und Nutzung von Big Data könnte Vermögensverwaltern ein Ertragswachstum von 15 bis 30 Prozent und Effizienzgewinne von 10 bis 15 Prozent einbringen, zeigt die BCG-Studie. „Die Potenziale von Big Data und Advanced Analytics sind enorm“, sagt Anna Zakrzewski. „Vermögensverwalter haben bereits begonnen, einige Felder zu digitalisieren. Nach vorne blickend geht es aber darum, das gesamte Geschäfts- und Betriebsmodell zu transformieren, um das Datenpotenzial zu nutzen und nicht vom Wettbewerb abgehängt zu werden.“

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