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ABW Reise-Tipp: Norwegens Hauptstadt Oslo – zu Gast bei den modernen Wikingern

Oslo zählt zu einer der wohlhabendsten Städte weltweit. Ein Besuch der an der Südküste Norwegens gelegenen Metropole beeindruckt durch Modernität, Stil und Aufgeschlossenheit auf höchstem Niveau. 

Lebensqualität hat Vorrang 

Vom einstigen rauem Charme der Vorfahren der Skandinavier ist schon lange nichts mehr zu spüren. Die skandinavischen Länder haben zweifellos Vorbildwirkung auf viele Länder Europas. Norwegen wird betreffend menschlicher Entwicklung von den Vereinten Nationen als das am weitesten entwickelte Land der Welt eingestuft. Es gilt als der demokratischste Staat und einer der wohlhabendsten Länder der Welt. Das Sozialsystem ist beispielhaft und auch puncto Frauenrechte gilt Norwegen als Pionier. Die amtierende Ministerpräsidentin Enra Solberg ist seit 2014 im Amt. Auch ökologisch zeigt Norwegen Vorbildwirkung. Obwohl durch die hohen Öl- und Erdgasvorkommen reich geworden, will es das erste Land sein, dass Benzin- und Dieselautos ab 2025 komplett aus dem Land verbannt. Oslo verzeichnet aktuell bereits die höchste Elektroautorate Europas. Dieses hohe Niveau an Fortschrittlichkeit spürt auch ein Besucher von Oslo, wo knapp eine Million Einwohner der nur insgesamt etwas über fünf Millionen Norweger leben. 

Eisberg aus Marmor 

Wer ein Auge für moderne Architektur und die schönen Künste hat, kommt in Oslo voll auf seine Rechnung. Das gilt nicht nur für das einem treibenden Eisberg nachempfundene Opernhaus im Hafen von Oslo. Es gilt als größtes norwegisches Kulturprojekt der Nachkriegszeit und wurde 2008 eröffnet. Die Fassade besteht zu 90 Prozent aus weißem italienischem Carrara Marmor und lädt die Besucher ein, das Dach zu besteigen und den Panoramablick über Oslo und den Fjord zu genießen. Dahinter entsteht mit „Barcode“ ein architektonisch bemerkenswerter Komplex aus 12 Hochhäusern. Zwischen den Gebäuden gibt es unbebaute Flächenstreifen, so dass sie von Weitem einem Barcode ähneln. 

Zwischen Kunst und Luxus
Am anderen Ende der Bucht von Oslo befinden sich die Hafenviertel Tjuvholmen und Aker Brygge, wo man das Gefühl hat, dass Architekten hier finanziell aus dem Vollen schöpfen und sich kreativ uneingeschränkt entfalten können. Modernste Luxusappartements mit Meerblick säumen das Viertel. Markantes Bauwerk ist das vom Stararchitekten Renzo Piano entworfene Astrup Fearnley Museum. Es beherbergt eine Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Nordeuropa zählt.Prädikat absolut sehenswert. Auch der Österreicher Franz West ist mit einer Skulptur vor dem Gebäude verewigt. 

Flanieren am Hafen

Die Aker Brygge ist eine beliebte Flaniermeile mit zahlreichen Lokalen. Oslo ist keineswegs ein Schnäppchen was das leibliche Wohl betrifft, vor allem was alkoholische Getränke betrifft. Alkohol wird nur in speziellen Läden und bis 20 Uhr verkauft. Sonst sind für ein Bier bis 10 Euro und für ein kleines Glas Wein schon bis zu 15 Euro zu veranschlagen. Sehr günstig und köstlich kann man asiatische, afrikanische oder norwegische Küche direkt am Hafen vor dem Rathaus bei den Straßenständen genießen. Das dahinter befindliche monumentale Rathaus von Oslo wurde 1950 anlässlich des 900jährigen Jubiläums Norwegens eröffnet und gilt als Symbolbauwerk der neu gewonnenen Unabhängigkeit Norwegens. Einmal im Jahr steht das Rathaus im internationalen Rampenlicht, da hier derFriedensnobelpreis verliehen wird. Linkerhand des Rathauses befindet sich die mittelalterliche Festung Akershus von der man einen wunderschönen Blick auf die Fjorde und das moderne Hafenviertel Aker Brygge hat

Geschichte erleben 

Vor dem Rathaus am Hafen gehen die Schiffe zu Ausflugsfahrten auf die Fjorde und auf die Museumsinsel Bygdøy. Obwohl eigentlich ein Wohngebiet mit wunderschönen Villen, befinden sich auf dieser Insel die berühmtesten Museen der Stadt, die den Besucher tief in die Tradition und Geschichte Norwegens eintauchen lassen. Das Freilichtmuseum mit 155 traditionsreichen Gebäuden aus ganz Norwegen zeigt die veränderte Bau- und Lebensweise über Jahrhunderte hinweg. Das Personal in norwegischen Trachten bäckt Fladen wie anno dazumal und führt an Wochenenden Volkstänze vor. 

Von Wickie und den starken Männern Norwegens 

Was wäre Norwegen ohne die berühmten Wikinger. Im Wikingerschiffmuseum sind die am besten bewahrten Wikingerschiffe der Welt zu sehen. Die Schiffe stammen aus dem neunten Jahrhundert und wurden in drei großen Häuptlingsgräbern gefunden, wo sie für die letzte Reise ins Totenreich mitgegeben wurden. 

Die Norweger machten jedoch auch wesentlich später mit Schiffen weltweit Furore. Im Fram Polarschiffmuseum steht im Original das stärkste Schiff der Welt, das am weitesten im nördlichen wie im südlichen Polarkreis vorgedrungen ist. Die Fram wurde 1892 gebaut und bei den drei berühmten Polarexpeditionen von Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) eingesetzt. 
Wesentlich kleiner und nicht aus so starken Holz geschnitzt war die Kon-Tiki des weltbekannten Wissenschaftlers und Abenteurers Thor Heyerdahl. Rund um das ausgestellte Originalfloß Kon-Tiki wird die spannende Geschichte der Reise Heyerdahls erzählt. Auch eine Kopie des gesunkenen Schilfbootes Raa II seiner späteren Expedition ist zu sehen
 

Der letzte Schrei

Aber auch in Oslo selbst darf natürlich ein Besuch der Werke des berühmtesten norwegischen Künstlers Edvard Munch nicht fehlen. Den gibt es in Oslo in Hülle und Fülle. Der Großteil seiner Werke ist im Edvard Munch Museum zu finden. Wer allerdings das Original seines berühmten Schreis sehen will, muss das norwegische Nationalmuseum besuchen. Besonders eindrucksvoll hat sich auch ein weiterer norwegischer Künstler in Oslo verewigt. Der einzigartige und etwas bizarr wirkende Vigeland Skulpturenpark ist das Lebenswerk des Bildhauers Gustav Vigeland, mit mehr als 200 Skulpturen in Bronze, Granit und Schmiedeeisen. Vigeland hat auch das Design sowie die architektonische Ausformung des Parks entworfen. Ein äußerst sehenswertes Werk über den Zyklus des Lebens. Die Bronzestatue des kleinen Trotzkopfs gehört mit dem Monolithen zu den bekanntesten Skulpturen.

Wer wagt der springt 

Wer sich für die Wintersportnation Norwegen interessiert kann In Oslo hoch hinaus und von der berühmten Skisprungschanze Holmenkollen eine herrliche Aussicht auf Oslo genießen. Wer mutig ist wagt auch einen Sprung, allerdings nur im Simulator vor Ort. Für den idealen Wochenendtrip nach Oslo empfiehlt sich die Anschaffung des Oslo Pass (2 Tage für 65 Euro, 3 Tage für 80 Euro), der die Eintrittsgebühren fast aller Sehenswürdigkeiten und die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel samt Boote beinhaltet. 

Weitere Infos: www.Visitoslo.com

Bericht/Fotos: Wolfgang Haas