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Digital braucht Print: Kongress FURE thematisiert die Zukunft des Lesens

Aktuell lesen viele Menschen mehr denn je. Aber anders, als vor zehn Jahren. Die neusten Snaps und Whatsapp-Nachrichten vom Smartphone, das E-Book während der Zugfahrt, die digitale Tageszeitung auf dem Tablet. Als Auflockerung gibt es Emoticons, eingebettete Videos und Fotos, Audiodateien zum Selberaufnehmen – kann da das klassische Printprodukt überhaupt noch mithalten? Und welche zukünftige Rolle wird das Design in diesem Zusammenhang spielen? Darüber haben sich am Freitag mehr als 250 Experten aus Designagenturen und Verlagen, Schriftgestalter und Studierende am Fachbereich Design der FH Münster auf dem Leonardo-Campus ausgetauscht – im Kongress „FURE – the Future of Reading“.

Prodekan Prof. Rüdiger Quass von Deyen hatte dafür einige namhafte Referenten gewinnen können, wie Holger Windfuhr, Artdirector der FAZ, Wikipedia-App-Entwickler Frank Rausch und Hanne Mandik vom Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi). Gemeinsam mit Patrick Marc Sommer, Agenturgründer und Designredakteur, hat er den Kongress organisiert. Auch das Publikum hat eifrig mitdiskutiert und spannende Fragen ein- und aufgeworfen. „Insgesamt kristallisierte sich die Tendenz heraus, dass sich print und digital nicht ausschließen. In absehbarer Zeit wird jeder ernsthafte Leser wissen müssen, wie man zwei unterschiedliche Leseerlebnisse pflegt – und gerade darin liegt eine große Chance und viel Potenzial“, fasst Quass von Deyen zusammen.

Raban Ruddigkeit, Designer und Artdirector mit mehr als 100 Auszeichnungen, bezeichnete die letzten zehn Jahre Entwicklung in der Digitalisierung des Lesens als einen Quantensprung und eine gleichzeitige Explosion an Möglichkeiten. „Alles ist auf dem Prüfstand, wir probieren uns aus“, so Ruddigkeit. „Ich schaue das mit der positiven Brille an, denn es geht definitiv in Richtung Demokratisierung. Letztlich übernimmt der Konsument viel mehr Macht.“

So sieht es auch Hanne Mandik vom KiWi-Verlag. „Man muss sich da nichts vormachen, der Leser legt sowieso eine andere Typographie oder eine andere Schriftgröße über den Text im E-Book“, so die Herstellerin. Herausforderungen gäbe es eher im Bereich der Software und Geräte, die auf dem Markt sind. Für jede Variante werde bei KiWi ein eigenes Styling entwickelt – und alles müsse immer noch schön aussehen, wenn das Tablet gedreht wird: „Jedes E-Book muss für sich eine eigene Dynamik entwickeln.“

In der Macht des Lesers liegt auch eine große Vielfalt, die stetig zunimmt, findet Florian Adler vom Designbüro Adlerschmidt aus Berlin. „Man kann alle Zeichen mittlerweile so beschaffen, dass sie in jedem Produkt und für jeden Menschen, egal ob mit oder ohne Seheinschränkung, gut lesbar sind“, sagt Adler. Die Herausforderung bestehe darin, diese gleichzeitig für alle attraktiv zu gestalten. „Wir Designer sollten uns aus dem Marketingschatten heraushalten, und stattdessen ästhetisch und gleichzeitig funktional arbeiten.“ Designern schreibt er dabei eher eine experimentelle Rolle zu. „Keiner trompetet momentan in den Raum und ruft: Ich weiß, wie es geht“, stellte er klar.

Foto: FH Münster/Pressestelle