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Kollegen im Clinch mit dem Einzelgänger - Haben Teamplayer wirklich bessere Chancen auf der Karriereleiter?

Einzelgänger werden gern mit Eigenbrötlern verwechselt und haben einen schlechten Ruf im Berufsleben. Teamfähigkeit hingegen gilt als Erfolgsfaktor und ist in vielen Stellenausschreibungen als Must-Have-Kriterium angeführt. Auch beim Bewerbungsgespräch fragt sich alsbald der Personalchef, wie sich der potenzielle Mitarbeiter wohl ins Team integrieren würde. Doch was verspricht man sich davon?

Vorurteile gegenüber Einzelgängern

Nicht jeder ist ein geborener Teamplayer. Der ein oder andere arbeitet lieber zurückgezogen im stillen Kämmerlein, woran Kollegen jedoch nicht selten Anstoß nehmen. „Typ Schriftsteller“ wird skeptisch beäugt. Unter einem solchen Eremitendasein leide die gesamte Arbeitsatmosphäre, Motivation und Leistungen würden vermindert, so der Vorwurf. Doch vielleicht interpretieren wir dieses Verhalten einfach nur falsch. Einzelgänger schotten sich in den meisten Fällen nicht von den anderen Kollegen ab, weil sie ein Problem mit ihnen hätten oder ihnen die Arbeit nicht wichtig wäre.

Gruppenarbeit hat auch Schattenseiten

Um den sozialen Kontakt zu fördern, setzen viele Unternehmer auf Großraumbüros, in denen man nicht von den anderen abgetrennt arbeitet, sondern in der Gemeinschaft. Der direkte Kontakt schafft kurze Kommunikationswege. Doch starke Gruppendynamik kann letztlich auch dazu führen, dass sich Einzelne ausschließlich an der Gruppe orientieren und womöglich nicht die volle Leistung erbringen – entweder aus Rücksicht auf die Kollegen und um nicht aufzufallen, oder aus Resignation, weil echte Fortschritte beziehungsweise Entscheidungen in Teamarbeit häufig länger auf sich warten lassen.

Fehlende Akzeptanz fürs Außergewöhnliche

Solche Wirkungsmechanismen unterstreichend gibt es einer anderen Theorie zufolge Außenseiter nicht per se, sie werden erst dazu „gemacht“. Menschen, die aufgrund ihrer wie auch immer gearteten Andersartigkeit in der Gesellschaft keine Akzeptanz erfahren, verlieren aus eben diesem Grund den Willen, sich in eine Gruppe zu integrieren, so US-Psychologe Roy Baumeister von der Case Western Reserve Universität.

Der Chef als Einzelkämpfer

Ist ein erfolgreicher Chef in Abgrenzung zu den Angestellten nicht immer ein bisschen Einzelgänger und Außenseiter? Hier gehen die Meinungen auseinander. So zeigte Patrick Bolton von der Columbia Business School in New York 2008, dass „resolute Chefs“ mit großer Durchsetzungskraft gewinnbringendere Entscheidungen treffen als die Vorzeige-Teamplayer. Doch eine solche Führungsstärke schließt ebenso wichtige Kompetenzen wie emotionale Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit noch lange nicht aus.

Individuelle Stärken erkennen

Feinfühlig gilt es für einen guten Chef in diesem Sinne auch die Mitarbeiter einzuschätzen. Fakt ist, wahre Einzelgänger erzielen keine besseren Lösungen, wenn man sie dazu zwingt, sich stärker ins Team zu integrieren. Stattdessen empfiehlt es sich, die Stärken der Kollegen zu erkennen und gezielt einzusetzen. 

Foto: Shutterstock/bokan