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Women in Work-Index: Immer noch verdienen Frauen in Österreich weniger als Männer

Immer noch verdienen Frauen in Österreich 23 % weniger als Männer, nur 65 % arbeiten Vollzeit. Die Arbeitslosenquote unter Frauen beträgt hierzulande 5 %. Zum Vergleich: In Schweden sind 82 % der Frauen in Vollzeitjobs beschäftigt, der Lohnunterschied liegt bei 15 %. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Women in Work Index von PwC. Der Index stellt einen gewichteten Durchschnitt von fünf Kennzahlen dar, die eine Aussage über die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt und deren Gleichstellung am Arbeitsplatz treffen. Österreich verliert im Vergleich zum Women in Work Index aus dem Jahr 2000 sieben Plätze und landet nur noch auf Rang 21 von 33 OECD-Ländern. 

Aus den skandinavischen Ländern lassen sich für den Rest der OECD gewinnbringende politische Maßnahmen ableiten. Island, Norwegen und Schweden haben das 2020-Beschäftigungsziel der EU von 75 % bei Männern und Frauen zwischen 20 und 64 Jahren erreicht. Sie weisen auch Höchstwerte bei den Beschäftigungszahlen von Müttern in der OECD auf (83,1 % in Schweden und 81,9 % in Dänemark im Vergleich zum OECD-Durchschnitt von 66,8 %). Diese Zahlen sind das Ergebnis einer Reihe familienfreundlicher politischer Maßnahmen und kultureller Veränderungen, die das Recht jeder Person anerkennen zu arbeiten und sich selbst zu erhalten sowie ihr Berufs- und Familienleben im Gleichgewicht zu halten. Dazu gehören großzügige Karenzregelungen, ein starkes soziales Sicherheitsnetz, Zugang zu leistbarer Kinderbetreuung und gesetzlicher Schutz vor Diskriminierung. 

Olivia Stiedl, Senior Manager People and Organisation bei PwC Österreich: „Der Mangel an leistbaren, hochwertigen Kinderbetreuungsstätten nach der Geburt eines Kindes ist eine der Hauptbarrieren für die Rückkehr von Frauen ins Arbeitsleben. Steuerliche Anreize für die Rückkehr zur Arbeit und für geteilte Karenzzeiten der Eltern sowie mehr Transparenz bei den Gehältern fördern ebenfalls die Gleichstellung und erleichtern Frauen den Wiedereinstieg.“ 

Der Women in Work Index zeigt außerdem, welche langfristigen wirtschaftlichen Vorteile eine Erhöhung der Beschäftigungsquote von Frauen bringt. Für Länder wie Mexiko oder Italien mit relativ niedrigen Beschäftigungszahlen von Frauen bestehen die größten potenziellen Vorteile.  

Diese Länder könnten ihr BIP möglicherweise um mehr als 25 % steigern, indem sie die Beschäftigung von Frauen an das Niveau von Schweden anpassen. Dort nehmen 79 % aller Frauen am Arbeitsmarkt teil. Auch für Österreich prognostiziert die Studie wirtschaftliche Vorteile durch einen Anstieg der Beschäftigungszahlen von Frauen: Eine Steigerung von derzeit 71 % auf 79 % könnte einen BIP-Anstieg in der Größenordnung von 9 % bedeuten. Für den gesamten OECD-Raum wäre ein BIP-Anstieg um mehr als 4 Mrd. Euro möglich. 

„Unternehmen müssen durch faire Gehalts- und Beförderungsentscheidungen sicherstellen, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht entlohnt werden. Darüber hinaus sollten sie die Karriereentwicklung von weiblichen Mitarbeitern fördern, um für die Zukunft einen Pool an weiblichen Führungskräften aufzubauen“, so Olivia Stiedl. „Auch durch die Förderung flexibler Arbeitszeitmodelle können Unternehmen das Potenzial ihrer weiblichen Mitarbeiter voll ausschöpfen, indem sie sie in Funktionen einsetzen, die ihren Fähigkeiten und ihrer Erfahrung angemessen sind.“ 

Einige OECD-Länder haben gesetzliche Quoten für Frauen in Vorstandspositionen eingeführt. Norwegen war eines der ersten Länder weltweit, das eine Geschlechterquote für börsennotierte Unternehmen umgesetzt hat. Eine Nichterfüllung kann Auswirkungen bis zur Auflösung des Unternehmens nach sich ziehen. Dies resultiert in einem stetig ansteigenden Frauenanteil in Vorstandspositionen, der seit 2010 ständig über jenem anderer Länder liegt. Belgien, Frankreich, Italien und die Niederlande haben bei börsennotierten Unternehmen Zielsätze von 33 %, 40 %, 33 % bzw. 30 % für den Frauenanteil in Vorständen festgelegt. In Dänemark, Griechenland, Österreich, Portugal und Finnland gelten ähnliche Regeln für Vorstände von Staatsbetrieben. 

Foto: Fotolia