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Kategorie: News/Banken

Mag. Andrea Hagmann, Oesterreichische Entwicklungsbank AG, 4/09

Vorstand Oesterreichische Entwicklungsbank AG (OeEB )

In welchen Regionen sind Sie tätig?
In Südosteuropa, Zentralasien, dem Kaukasus oder einigen Ländern Afrikas sind wir etwas aktiver, was aber nicht heißt, dass wir nicht auch in Entwicklungsländern außerhalb der genannten Regionen interessante Projekte finanzieren. Wichtig ist uns, Expertise aufzubauen, die Aktivitäten der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zu ergänzen bzw. der Außenwirtschaftsstrategie Österreichs zu folgen. Wir sind zwar nicht an österreichische Lieferungen und Leistungen gebunden, nichtsdestotrotz ist es immer gut, wenn man vorhandenes Knowhow nutzen kann und gute, verlässliche Partner hat.

Nach welchen Kriterien beurteilen Sie, ob ein Projekt finanziert wird?
Das Projekt muss in unsere Strategien passen – im Moment arbeiten wir mehrheitlich mit anderen Entwicklungsbanken zusammen. Wesentliche Beurteilungskriterien sind die entwicklungspolitische Relevanz des Projekts und die Wirtschaftlichkeit. Was wir als Entwicklungsbank im Unterschied zu Kommerzbanken mitbringen, ist sicher ein etwas „längerer Atem“ bei den Laufzeiten der Finanzierungen.

Aber die Projekte müssen sich rechnen?
Eine Entwicklungsbank ist immer noch eine Bank – das ist ganz wesentlich. Wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen, was aber nicht mit Gewinnmaximierung gleichgesetzt werden darf, und legen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit – genauso wie jedes unserer Projekte.

Und wie beurteilen Sie die entwicklungspolitische Relevanz eines Projekts?
Zur Bewertung der entwicklungspolitischen Qualität verwenden wir, wie zahlreiche andere Entwicklungsbanken auch, ein Projekt-Rating-Tool. Im Grunde ist das ein Fragebogen, mit dem jene Themen abgefragt werden, die die Bewertung erleichtern, ob ein Projekt entwicklungspolitisch relevant ist oder nicht, zum Beispiel: Werden zusätzliche Jobs geschaffen, gibt es zusätzliche Deviseneinnahmen, die der Volkwirtschaft zugutekommen, finden Ausbildungsmaßnahmen statt? Eine Frage setzt sich auch mit Geschlechtergleichstellung auseinander. Dabei geht es darum, Frauen Zugang zu Finanzierungen, zu Ausbildung, zu Gesundheit zu ermöglichen.

Wie kann ein Projekt die Gleichstellung fördern?
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Variante und wichtiges Thema ist Mikrofinanz. Denn sie verschafft genau jenen Menschen Zugang zu Finanzierungen, die ihn sonst nur schwer bekämen. In diese Gruppe fallen zum Beispiel besonders viele Frauen. Ein Projekt – Women’s World Banking – ist ein ganzes Netzwerk aus Mikrofinanzinstitutionen, die sich speziell mit Finanzierungsprodukten für Frauen beschäftigen. Denn dass sie Zugang zu Krediten und zu Trainings bekommen, ist sehr wichtig. Erst das ermöglicht ihnen, selbstständig für ihren Lebensunterhalt ein Geschäft zu gründen.