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Barbara Haas, Chefredakteurin der Wienerin, über gewolltes Chaos und Karriere im Journalismus

Barbara Haas ist seit 2014 Chefredakteurin der Wienerin. Die Top-Blattmacherin ist eine selbstbewusste und moderne Frau – wie die Zielgruppe, die das Lifestyle-Magazin ansprechen will. Ein ABW-Talk über das Business, gewolltes Chaos und Karriere im Journalismus.

Sie sind seit bald vier Jahren CR der Wienerin – was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit? 

Was ich bei der WIENERIN wirklich am meisten schätze, ist mein Team. Es gibt de facto keine cooleren und kreativeren Menschen, als jene, die bei uns arbeiten. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen abgehoben, aber es stimmt. Sowohl inhaltlich, als auch ästhetisch und egal, ob es um ein Geschichten-Brainstorming, ein Event, um große Shootings oder einfach eine witzige Insta-Story geht. Ich merke hier so viel Engagement, so viel köstliche Ironie und dabei so große Ernsthaftigkeit, dass es mich immer wieder neu überrascht. Also meine Tätigkeit ist deshalb so toll, weil ich diesem Team helfen kann, so zu arbeiten, wie es möchte.  

Bitte beschreiben Sie Ihre Arbeitsweise.
Ich arbeite ein bisschen wie eine Anarchistin. Also nicht immer strukturiert, oft im gewollten Chaos. Und ich mag es, wenn unterschiedliche Dinge an einem Tag passieren, ich mich quasi gleichzeitig um ein Interview kümmern soll, eine Speakerin für ein Event gewinnen möchte, das Cover titeln will und einen Online-Kommentar schreiben mag. Die Stunden verfliegen dann – diesen Flow finde ich gut. Was mich stresst ist, wenn ich das Gefühl habe, dass eine Tätigkeit zu viel Platz bekommt, ich also genau diesen geistigen und inhaltlichen Switch nicht mehr schaffe. Dann muss ich dringend delegieren. 

Barbara Haas, Chefredakteurin Wienerin

Welche Tipps geben Sie jungen Frauen, die im Journalismus Karriere machen wollen?

Vernetzt euch – in der Branche, aber auch außerhalb! Es gibt heute so viele unterschiedliche Möglichkeiten journalistisch zu arbeiten, man sollte nicht immer nur die großen Verlage oder Medienhäuser sehen, sondern ein bisschen wie im Entrepreneurship sich und seine Talente auch in anderer Konstellation vorstellbar machen. Denn in manchen Verlagen ist das Arbeiten als Journalistin wirklich kein Honigschlecken, Wertschätzung und eine ordentliche Feedbackkultur gibt es aufgrund von Zeitdruck und wirtschaftlichen Zwängen oft nur sehr eingeschränkt. Wird man als junge motivierte Frau zu schnell „traumatisiert“, will man vielleicht nie wieder in diesem Bereich arbeiten. Aber gerade heute braucht die Gesellschaft kritische und gscheite Frauen, die aufzeigen und auch mitbestimmen, wie die öffentliche Wahrnehmung von uns Frauen in dem Business ist. 

Ihre Prognose: Wie lange wird es Printmedien noch geben?

Printmedien wird es noch sehr sehr lange geben – ich selbst etwa merke mir langfristig nur Inhalte, wenn ich sie im print gelesen habe. Natürlich verbringe ich aber viel mehr Zeit online oder mobile, als mit Printprodukten. Online dafür werde ich oft sehr gut unterhalten – ich brauche also beides. Aber die Qualität macht es aus und die Aufmerksamkeit, die ich einem Magazin, einer guten Zeitung widme. Ich sorge mich also nicht so sehr um die guten Printprodukte. 

Ihr ganz persönlicher „Business“-Leitsatz?

Ich hab keinen. Michael Häupl hat mir unlängst in einem Interview gesagt: „Wer Politik macht, muss die Menschen lieben und lustig sein“. Ich finde, das trifft auf Journalismus auch zu. Ich fladere also seinen Spruch für die Antwort einfach, ok?   

Foto: WIENERIN/Lydia Stöckl