ABW Logo
schramboeck0081a1press-portrait-kopie

Dr. Margarete Schramböck, CEO A1: Niemals stehen bleiben ist die Devise

Margarete Schramböck über die Herausforderung Digitalisierung, ihren Führungsstil, Veränderungen als Chance, Frauen und Karriere in der IKT, die eigene Karriere und warum auch sie manchmal ihr Handy abschaltet.

Vor zehn Jahren erschien die erste Ausgabe ABW. Ein Blick zurück: Wo standen Sie beruflich vor zehn Jahren und hätten Sie sich gedacht, dass Sie einmal an der Spitze von A1 stehen würden? 

Vor zehn Jahren war ich Geschäftsführerin der NextiraOne und kurz davor, zusätzlich zur Aufgabe in Österreich auch die Verantwortung für den deutschen Markt zu übernehmen. Ich habe mich mit voller Kraft auf meine damals relevante Funktion konzentriert und nicht daran gedacht, eine andere Verantwortung zu übernehmen. Auch war mein damaliger Fokus sehr stark auf die bevorstehende Aufgabe am deutschen Markt ausgerichtet. Aus meiner Sicht ist es wichtig, sich mit voller Kraft und Energie einer Aufgabe zu widmen und nicht daran zu denken, was eventuell sein könnte.

Bitte nennen Sie uns Ihr berufliches Highlight der vergangenen zehn Jahre?

Ich möchte hier kein einzelnes Highlight nennen. Das Highlight lag darin, immer wieder Veränderungen vorantreiben zu können. Begegnungen mit so vielen unterschiedlichen Menschen haben diese letzten zehn Jahre für mich zum Highlight gemacht. Ich habe viel gelernt über Transformation und wie es Menschen in dieser Transformation ergeht. Ich selbst musste mich immer wieder verändern, so auch besonders in den letzten zwölf Monaten. Ein großes Highlight dabei war auch, dass ich immer wieder so viel dazulernen durfte.

Was muss man mitbringen, um in der IKT-Branche erfolgreich zu sein? 

Es gibt wenige Unterschiede zu anderen Branchen. Für mich ist die Begeisterung und Leidenschaft wichtig und die Freude, Verantwortung zu übernehmen. Im Team neue Dinge zu gestalten, das ist es, was zählt.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? 

Am besten können das sicherlich meine engsten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beurteilen. Ich vertraue gerne und freue mich, wenn das Team gemeinsam zu einer vielen besseren Leistung kommt als jeder Einzelne von uns. Es macht mir Spaß, Dinge vorzuleben, wie beispielsweise den Fokus auf Kunden zu haben. Nur durch das, was man wirklich tut, kann man beurteilt werden, nicht durch das, was man in eine PowerPoint-Präsentation schreibt.

Was sind Ihre nächsten Ziele für das Unternehmen und wie gehen Sie diese an?

Wie alle Unternehmen stehen wir vor großen Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung vieler Geschäftsprozesse und Vorgänge ergeben. Dies ist nichts grundsätzlich Neues. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der in den letzten Jahren und Monaten die Veränderung vor sich geht. Für uns bedeutet dies, alle unsere Kunden vom Konsumenten bis hin zum Großunternehmen auf diesem herausfordernden Weg zu begleiten. Dabei ist es notwendig, dass wir neue Lösungen finden, durch die wir das private und Arbeitsleben unsere Kunden verbessern und erleichtern. Die Voraussetzungen hierfür zu schaffen, ist die größte Aufgabe in den nächsten Monaten und Jahren. Die wichtigste Voraussetzung, ein ausgezeichnetes mobiles und Festnetz, haben wir bereits, ebenso wie starkes IT-Know-how im Unternehmen. Dies werden wir konsequent weiter ausbauen. 

Was sind die großen Herausforderungen?  Die Digitalisierung, die gerade in aller Munde ist, wird die Arbeitswelt der Zukunft entscheidend mitprägen und verändern. Die Digitalisierung ist kein neuer oder vorübergehender Megatrend. Sie ist sozusagen gekommen, um zu bleiben. Enorme Chancen für ein Mehr an wirtschaftlichem Wachstum sowie an gesellschaftlichen und individuellen Entwicklungsmöglichkeiten gehen mit ihr einher. Zugleich fördert die Digitalisierung eine effizientere, ressourcenschonende und somit nachhaltigere Arbeits- bzw. Lebensweise im Interesse von Mensch und Umwelt. Das bedeutet, dass sich mit und durch die Digitalisierung auch Jobs ändern. Hier ist es uns wichtig, unsere MitarbeiterInnen auf diesem Weg mitzunehmen und sie zu begleiten – konkret mit Aus- und Weiterbildungen.

Frauen in Spitzenpositionen in der IKT-Branche sind immer noch selten – woran könnte das liegen? 

Das sehe ich anders. Gerade in der IKT-Branche in Österreich sind viele Frauen in Spitzenpositionen. Mir liegt auch die Förderung von Frauen in Führungspositionen sehr am Herzen. Eine Spitzenposition muss auch mit Kindern möglich sein. Wir haben bei A1 zum Beispiel schon seit einigen Jahren das sogenannte „Shared leadership“-Modell im Einsatz, bei dem sich zwei weibliche Führungskräfte, die beide in Teilzeit arbeiten, eine Führungsrolle teilen. Das klappt hervorragend! Wichtig ist auch, schon früh das Interesse an technischen Berufen und MINT-Fächern zu wecken. Wir nehmen jährlich am Töchtertag teil, an dem Töchter unserer MitarbeiterInnen einen Tag bei A1 verbringen und bei verschiedenen Stationen erleben, wie spannend technische Berufe sind.

Sie haben eine kontinuierliche Karriere gemacht: Wie haben Sie das geschafft?

Ich wurde mit jungen 26 Jahren Chefin einer technischen Abteilung von Alcatel mit mehreren Hundert Mitarbeitern. Mein Chef ist auf mich zugekommen und hat mir die technische Abteilung und den Vertrieb zugetraut, ich habe angenommen. Man darf oft nicht lange überlegen, sondern muss die Chance ergreifen. Ich bin in die Rolle hineingewachsen und habe mit umfangreicheren Aufgaben auch immer mehr Verantwortung übernommen. 

Was reizt Sie an der Branche?

Die IKT-Branche bringt viele Möglichkeiten des Lernens mit sich, das ist es, was mich besonders fasziniert. Man lernt nicht nur eigene Themen kennen, sondern auch die vielen Themen der Kunden aus unterschiedlichsten Branchen und Bereichen. Mit und durch die Themen der IKT-Branche haben sie alle unsere Leben verändert. Technologie hat uns dabei immer vorangebracht und unsere Leben erleichtert. Wir lernen heute leichter als früher, wir arbeiten heute körperlich leichter als früher und wir können auch unsere Freizeit anders gestalten. Die Veränderung unseres Arbeitens finde ich besonders spannend.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? 

Ehrlich: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Da lasse ich mich genauso überraschen wie Sie.

Schalten Sie Ihr Handy auch einmal ab?

Ja, natürlich schalte ich mein Handy ab – z.B. bei Familienfeiern oder an Festtagen. Ich finde es sehr wichtig, im wörtlichen Sinn auch „mal abschalten zu können“, um die Batterien wieder aufzuladen – in der Natur, mit Familie und Freunden.         

Foto: A1