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Dr. Barbara Schmidt, die Frau an der Schnittstelle zwischen Energiewirtschaft und -politik im ABW-Talk

Barbara Schmidt hat zwanzig Jahre Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Energiewirtschaft und -politik. Austrian Business Woman sprach mit der studierten Juristin über die Zukunft der E-Wirtschaft, Digitalisierung und den Trend E-Mobilität.

Sie sind nun seit zehn Jahren Generalsekretärin von Oesterreichs Energie – was sind die größten Veränderungen in dieser Zeit gewesen?

Vor zehn Jahren war die E-Wirtschaft noch damit beschäftigt, sich im liberalisierten Markt neu zu ordnen. Heute sind unterschiedlichste Geschäftsmodelle und Wettbewerb selbstverständlich. Große Veränderungen erleben wir durch die Megatrends Dekarbonisierung, Dezentralisierung und vor allem Digitalisierung. Niemand stellt heute mehr in Frage, dass die Zukunft der Energie erneuerbar sein muss. Zudem haben wir unsere Interessenvertretung modernisiert, aus dem Verband der Elektrizitätsunternehmen wurde Oesterreichs Energie.

Was fasziniert Sie an der E-Wirtschaft?

Die E-Wirtschaft ist eine starke Branche und sie stellt eine der wesentlichen Infrastrukturen dar, ohne Strom geht heute gar nichts und die Bedeutung wird zunehmen. Meine Funktion bietet mir also die Möglichkeit, unser Land ein klein wenig mitzugestalten in Richtung klimafreundliche Energieversorgung und das macht große Freude.

Dr. Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie

Wie verlief das Vorjahr? Gab es Highlights?

Das Jahr 2017 lief gut für uns, wir haben unsere Forderungen an die Energiepolitik formuliert und eingebracht, die kleine Ökostromgesetznovelle mitgestaltet und konnten dies auch noch in anderen Bereichen tun. Was mich besonders gefreut hat, war die Zusammenarbeit mit anderen Branchen und Kunden im Rahmen unseres Open Innovation Prozesses namens FuturE. Dabei haben wir in gemeinsamen Workshops erarbeitet, was es braucht, um die Energiewende umzusetzen und trotzdem eine sichere und leistbare Energieversorgung zu gewährleisten. 

Was ist für 2018 geplant?

Das Jahr 2018 steht ganz im Zeichen der Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung. Bei den Koalitionsverhandlungen wurden ehrgeizige Ziele definiert, wir stehen bereit, unseren Beitrag zu leisten. Dazu kommt noch die EU-Ratspräsidentschaft, die Österreich im zweiten Halbjahr des nächsten Jahres innehat, hier stehen mit dem Abschluss des Clean Energy Packages wesentliche Entscheidungen für Europa an. Im Herbst 2018 wird der Oesterreichs Energie Kongress stattfinden, das ist die größte Branchenveranstaltung der E-Wirtschaft, dafür sind wir bereits mitten in den Vorbereitungen.

Welche Trends zeichnen sich in der E-Wirtschaft ab?

Die Megatrends heißen wie schon vorhin erwähnt Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Es wird neue Geschäftsmodelle geben, wir werden mehr Kooperationen – auch mit Start-ups – sehen, und der Kundenkontakt wird zunehmend digital und damit stärker personalisiert und bedarfsgerecht erfolgen. In der Forschung werden wir uns stark auf die Integration der volatilen Erneuerbaren ins Netz und auf innovative Speichertechnologien konzentrieren.

Die Elektromobilität ist nicht aufzuhalten – ist genügend Strom aus erneuerbaren Energiequellen für alle neuen E-Mobile verfügbar?

Ja, die österreichische E-Wirtschaft kann den Strom für den Ausbau der Elektromobilität aus Erneuerbaren Energieträgern bewältigen. Um Ihnen ein Bild dazu zu geben: Würden wir von heute auf morgen alle PKW auf Österreichs Straßen auf Elektromobilität umstellen, was natürlich so nicht passieren wird, so wäre das ein Mehrbedarf an Strom von rund 15 Prozent.

Würden Sie selbst auf ein E-Mobil umsteigen?

Ja, mittelfristig auf jeden Fall. Oesterreichs Energie hat auch eine Stromtankstelle direkt vor der Tür. Derzeit fahre ich mit dem öffentlichen E-Mobil, der U-Bahn.

Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil beschreiben?

Teamorientiert und integrativ. Ich habe große Freude an meiner Arbeit und versuche, diese auch an meine Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Ich bin sehr fokussiert, gleichzeitig ist es mir aber wichtig, dass am Arbeitsplatz auch gelacht wird.

Wo bzw. wie tankt eine Powerfrau wie Sie Kraft für das Business?

Ich versuche regelmäßig zu laufen, fahre gerne Ski und bin gern und viel in der Natur unterwegs.

Welchen Rat geben Sie Frauen, die in der E-Wirtschaft Karriere machen wollen?

Wir brauchen mehr Frauen in der E-Wirtschaft, daher ist mein erster Rat: einfach bewerben. Darüber hinaus: Stärken stärken, sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen und in einem Bereich arbeiten, an dem man Interesse und Freude hat. Die E-Wirtschaft hat dafür eine große Vielfalt zu bieten.

Ihre persönlichen Vorsätze für das neue Jahr?

Ich nehme mir wieder einmal vor mich nicht über Dinge zu ärgern, die ich nicht ändern kann.

Fakten über Oesterreichs Energie

Oesterreichs Energie ist die Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft. Sie vertritt die gemeinsam erarbeiteten Brancheninteressen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Kompetenz und Expertise bilden dabei die fundierte Basis für den Interessenausgleich innerhalb der Branche. Auf dieser Basis setzt sich Oesterreichs Energie dafür ein, der E-Wirtschaft bestmögliche Rahmenbedingungen für ihre Aufgaben zu sichern, damit auch die Herausforderungen der Zukunft optimal bewältigt werden können.

Bei der Vertretung der energiepolitischen Interessen ihrer Mitglieder arbeitet Oesterreichs Energie laufend mit nationalen und internationalen politischen Entscheidungsträgern zusammen. In Arbeitsgruppen mit den zuständigen Ministerien und der Regulierungsbehörde werden die rechtlichen, regulatorischen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des liberalisierten Strommarktes gemeinsam weiterentwickelt.

1953 als Verband der Elektrizitätswerke Österreichs gegründet und später in Verband der Elektrizitätsunternehmen umbenannt, präsentiert sich die Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft seit Mai 2010 als „Oesterreichs Energie“ und liefert damit gleichzeitig selbstbewusst das Programm für die Energieversorgung unseres Landes in den kommenden Jahrzehnten.

Foto: Oestereichs Energie