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Mag. PhDr. Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende Kathrein Privatbank, im ABW-Interview

Was unterscheidet die Kathrein Privatbank von anderen Banken, was bietet sie ihren Kunden? Mag. PhDr. Susanne Höllinger im ABW-Interview.

Sind langfristige Anlagen im derzeiten Zinsumfeld sinnvoll?

Die reale Vermehrung des Vermögens (nach Inflationsabgeltung) ist für den langfristig orientierten Investor von entscheidender Bedeutung. Durch das aktuelle ultra-tiefe Zinsniveau bedingt durch eine einmalige Notenbankpolitik rund um den Globus bieten aber klassische Staatsanleihen sowie Geldmarktveranlagungen oder das Sparbuch keinen realen Werterhalt mehr. Daher ist man gezwungen in Veranlagungen mit höherem Risiko auszuweichen. Wir setzen bei unserer Strategie auf ein breit diversifiziertes Portfolio mit dynamischer Aktiengewichtung und einer aktiven Laufzeitensteuerung im Anleihebereich. Bei Anleihen empfehlen wir nicht nur Euro-Staatsanleihen, sondern durchaus auch Anleihen aus Emerging Markets, wobei wir die Gewichtung und Duration (Zinssensivität) regelmäßig anpassen. Staatsanleihen von Entwicklungsländern in lokaler Währung bieten derzeit sehr attraktive Renditen und gleichzeitig eine Perspektive bei der Währungsentwicklung, da viele dieser Währungen nach Kaufkraftparität unterbewertet sind. Auch Unternehmens- und High Yield Anleihen bieten weiterhin eine attraktive Rendite im Niedrigzinsumfeld. Inflationsgeschützte Anleihen wie auch Cash plus Fonds bieten den besten Schutz bei steigenden Inflationszahlen.

Was zeichnet die Kathrein Privatbank in unsicheren Zeiten aus?

Die Kathrein Privatbank bietet maßgeschneiderte Veranlagung unter dem Motto „Vermögen sorgsam vermehren“. Hier liegt auch der wesentliche Unterscheid zu anderen Privatbanken. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf das Veranlagungsgeschäft für Private, Stiftungen und Unternehmer. Unsere Kunden profitieren von der Flexibilität, Erfahrung und Tradition einer exklusiven Privatbank, die ihr tägliches Handeln an Kernwerten wie Transparenz, Gewissenhaftigkeit und Ehrlichkeit ausrichtet. Gleichzeitig gehören wir als 100%ige Tochter der Raiffeisen Bank International AG zu einer der größten europäischen Bankengruppen und gewährleisten unseren Kunden dadurch größtmögliche Sicherheit. Viele regulatorische Themen sind so komplex geworden, dass die Anbindung an ein großes Haus ökonomisch sehr sinnvoll ist. Eine eingehende Analyse der Bedürfnisse unserer Kunden steht am Beginn jeder Geschäftsbeziehung. Erst danach entwickeln wir die persönliche Veranlagungsstrategie – vom individuellen Depot, dem kundenspezifischen Spezialfonds bis zur Vermögensverwaltung. Wir managen unsere wichtigsten Anlageprodukte selber und kombinieren gleichzeitig mit sorgfältiger Auswahl innerhalb unserer offenen Produktarchitektur. Unsere Lösungen entstehen erst im Gespräch mit den Kunden und werden maßgeschneidert für diese ausgearbeitet.

Mag. PhDr. Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende Kathrein Privatbank

Stichwort Kryptowährungen, was halten Sie davon?

Die digitale Währung Bitcoin ist in aller Munde, aber daneben gibt es noch einige hundert Kryptowährungen. Die Technologie hinter den Bitcoins die sogenannte Blockchain Methodik ist sehr innovative und wird sich in diversen Anwendung behaupten. Kryptowährungen stellen für uns derzeit keine Anlagewährung dar. Der kometenhafte Kursanstieg war unserer Meinung nach fundamental nicht gerechtfertigt – wie die letzten Kursabstürze gezeigt haben. Wer braucht eine Währung die diesen enormen Schwankungen unterworfen ist? Die große Anziehungskraft für die breite Masse wird schnell verschwinden, sobald die Kurse wieder sinken. Dabei sind massive Verluste nicht ausgeschlossen.
 

Auf welchen Bereichen liegt dieses Jahr der Fokus Ihrer Arbeit?

Weiterentwicklung unserer Asset Allocation Modelle und Ausbau der nachhaltigen Investmentpalette. Ebenso wichtig ist das Thema Digitalisierung. Mit dem Portfolioinformationssystem Tipas und dem Zahlungsverkehrsmodul ELBA haben Kathrein-Kunden bereits jetzt ein umfangreiches Angebot an elektronischen Bankdienstleistungen zur Verfügung. Derzeit arbeiten wir an der Implementierung einer neuen auf die besonderen Bedürfnisse von Privatbankkunden zugeschnittenen Version einer eigenen Kathrein-App, diese wird Zahlungsverkehrsfunktionalitäten und Portfolioanalysefunktionen sowohl im Browser als auch in einer mobilen Version anbieten und soll im 2 Halbjahr 2018 verfügbar sein.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?

Wir wollen auch künftig unsere bestehenden Kunden zufrieden stellen, die im Durchschnitt mehr als 15 Jahre von uns betreut werden, und Kunden, die bisher nicht unser Service in Anspruch genommen haben, davon überzeugen. Ich bin sicher, auch heuer wieder einen großen Zuwachs an Kunden verzeichnen zu können. Ein weiteres Ziel ist es, zyklische Anleger wieder davon zu überzeugen strategische und langfristige Entscheidungen zu treffen. Das heißt, das Vermögen auch langfristig zumindest zu erhalten, wenn nicht zu vermehren. Was in diesem Zins- und Inflationsumfeld nicht ganz einfach ist. Dazu gehört auch, dass Investitionen in Unternehmen (Aktienkäufe) nicht als „Spekulation“ gesehen werden, sondern als echte Anlagealternative mit einem langfristigen Horizont. Wichtig dafür ist eine konsequente und qualitativ hochwertige Hausmeinung, die in der Kathrein Privatbank oberste Priorität hat, um den hohen Ansprüchen unserer Kunden in jeder Weise gerecht zu werden. Neben den Vertriebs- und Investmentzielen haben wir natürlich jede Menge an Herausforderungen auf der regulatorischen Seite, wobei uns als Privatbank MIFID II besonders beschäftigt. MIFID II ist jedoch eine tolle Chance strategisch einige Meilensteine für unsere Bank zu setzen.

Vor fünf Jahren wurden Sie Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank – Ihre Highlights bisher?

Nun, in den letzten fünf Jahren konnten wir als Kathrein Privatbank in einem für Banken sehr herausfordernden Umfeld eine ganze Reihe schöner Erfolge erzielen.

Die Anzahl der Kunden konnte in den letzten fünf Jahren um 22 Prozent gesteigert werden. Im Vergleich zu 2013 hat sich das operative Ergebnis im Jahr 2017 um 94 Prozent gesteigert. Die Anzahl der Vermögensverwaltungsmandate hat sich von Ende 2013 bis Ende 2017 um das 7,4-fache erhöht. Außerdem wurde unsere herausragende Kompetenz und Professionalität in allen Bereichen der Vermögensberatung und -verwaltung in den letzten Jahren auch mit renommierten Auszeichnungen bestätigt.

Sie sind Expertin im Privat Banking – was fasziniert Sie an diesem Bereich besonders?

In enger Kooperation mit Kunden zu arbeiten, ist noch immer mein Traumjob. CEO einer Bank zu sein, zählt nach wie vor zu einer der interessantesten Aufgaben, die man im Banking-Bereich gestellt bekommen kann. Der Ausgleich zwischen den Wünschen der Kunden, welche man versucht zu erfüllen und den Rahmenbedingungen einer Privatbank im Hinblick auf Regulatoren und Konjunktur, erfordert sehr viel innovative Kraft, Durchhaltevermögen und nachhaltiges Handeln. Mit richtigen Mitarbeitern an der Seite und Kunden, die die Notwendigkeiten und die Tätigkeiten der Bank verstehen, haben wir uns gemeinsam sehr gut in den letzten Jahren entwickelt.

Foto: Kathrein Privatbank