Drucken
Kategorie: Karriereportraits Banken
fotovalerie-brunner-kopie-3

Mag. Valerie Brunner, Vorstand Raiffeisen Centrobank: "Kryptowährungen haben ein hohes Zukunftspotential"

Seit zwei Jahren ist sie im Vorstand und führt gemeinsam mit dem CEO die Geschäfte der auf Aktien und Zertifikate spezialisierten Bank. Ein ABW-Gespräch mit Valerie Brunner.

Welche Veranlagungsstrategie empfehlen Sie in Zeiten wie diesen? Wie beschreiben Sie die Veranlagungspolitik der Raiffeisen Centrobank?

Viele Umfragen und Studien zeigen, dass gerade in Österreich eine hohe Skepsis gegenüber Aktieninvestments vorherrscht. Sowohl direkte als auch indirekte (z.B. über Fonds) Aktienquoten sind im europäischen und internationalen Vergleich niedrig, Bankeinlagen werden hingegen geschätzt. Solange sich Inflation und Zinsen die Waage halten, braucht der sicherheitsorientierte Anleger den realen Wertverlust seines Vermögens bei Spareinlagen nicht zu fürchten. Doch taucht die Inflation auf und keine Zinsen stellen sich ihr in den Weg, braucht es den Blick über den Tellerrand, um einem Kaufkraftverlust entgegenzusteuern. In dieser für "sparbuch-affine" Anleger schwierigen Zeit befinden wir uns. Gerade dies motiviert uns als Raiffeisen Centrobank, den Mehrwert von Anlagezertifikaten in den Fokus zu stellen. Denn während das Risiko einer direkten Aktieninvestition vielen Anlegern zu hoch ist, stellen insbesondere Teilschutz-Zertifikate mit großzügig bemessenen Sicherheitspuffern eine renditestarke und risikoreduzierte Veranlagungsmöglichkeit mit überschaubarer Laufzeit dar.

Mag. Valerie Brunner, Vorstand Raiffeisen Centrobank

Stichwort Datenschutz – wie gut ist die Raiffeisen Centrobank auf die neuen Anforderungen vorbereitet?


Wir arbeiten seit fast einem Jahr an der Umsetzung der DSGVO. Der Aufwand ist hoch, aber wir halten die strenge Regulierung des Themas Datenschutz grundsätzlich für gerechtfertigt und im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung für absolut notwendig und sinnvoll. Daher unternehmen wir alle erforderlichen Anstrengungen, die DSGVO auf Punkt und Beistrich zu erfüllen. Mit dem Instrument des risikobasierten Ansatzes und der damit verbundenen Pflichten ist die Raiffeisen Centrobank AG bereits aus einer Vielzahl von anderen regulatorischen Vorgaben für Kredit- bzw. Finanzinstituten bestens vertraut. Auch die neu eingeführten - durchaus sehr hohen - Strafandrohungen (bis zu EUR 20 Mio. bzw. 4% des weltweiten Jahresumsatzes) einhergehend mit weiten Befugnissen der Aufsichtsbehörde sind im Finanzmarkt keine Unbekannten.
Unabhängig davon sind uns als Finanzinstitut das Vertrauen unserer Kunden und Geschäftspartner und somit der Schutz ihrer Daten schon jeher ein großes Anliegen gewesen. Ein Grundsatz, der auch bei Entwicklung und Einführung innovativer Produkte oder neuer

Dienstleistungen stets berücksichtigt wird, sodass wir die Integrität und Vertraulichkeit von Kundendaten gewährleisten können. Die frühzeitige Befassung mit der Datenschutz- Grundverordnung durch ein Expertenteam der Bank sowie die umfassenden und unternehmensweiten Anstrengungen, die in den letzten Monaten bereits unternommen wurden, stimmen uns aber zuversichtlich, dass wir für den 25. Mai 2018 (Anwendbarkeit der Datenschutz-Grundverordnung) gut gerüstet sind.

In welchen Bereichen sehen Sie künftig die größten Herausforderungen für die Raiffeisen Centrobank?


Als kleine Spezialbank haben wir immer unsere Nischen gesucht und gefunden, um gegen die großen Bankhäuser zu bestehen. Dies gelang uns durch aufmerksame Marktbeobachtung und mit der notwendigen Flexibilität bei der Erfüllung der Anforderungen unserer Kunden. Darum sind wir seit Jahren Marktführer im Bereich der Zertifikate und ebenso einzigartig in dem Aktien- und Research-Universum, welches wir qualitativ hochwertig mit unserem Team von Analysten und Market-Makern für unsere Kunden betreuen. Die permanent verschärften Regulierungen der Finanzindustrie machen es immer schwieriger, solche Nischen zu finden. Wir müssen daher noch aufmerksamer, noch schneller, noch hellhöriger werden und die Kundenerwartungen antizipieren. Als herausfordernd empfinde ich, für unsere Mitarbeiter die richtige Balance zu finden zwischen systematischen und dokumentierten Prozessen in jedem Geschäftsfeld und gleichzeitigem Fokus auf die für uns als Nischenplayer so wichtige Innovationskultur. Zu leicht bleibt der Pioniergeist auf der Strecke, wenn man ihm zu viel effizientes Prozessdenken, unbedingte Regularientreue, überbordende Meldeverpflichtungen, etc. abverlangt.

Was halten Sie von Kryptowährungen?

Dem allgemeinen Kryptowährungs-Bashing schließen wir uns nicht an. Ja, es ist ein aktuell noch völlig unregulierter und inhomogener Markt, der sehr viele Risiken birgt. Ich würde heute niemandem empfehlen, Kryptowährungen als Anlageprodukt zu sehen. Jedoch ist das zugrundeliegende Konzept eines von einzelnen Staaten bzw. Regierungen unabhängigen Währungssystems durchaus sehr interessant. Und ich finde es für uns als Bank wichtig, dass wir uns mit der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie ausführlich auseinandersetzen, um die Potentiale daraus für unsere Bank nicht zu verschlafen.
Wir glauben, dass Kryptowährungen in einem regulierten Umfeld, gehandelt an zuverlässigen Handelsplätzen, durchaus hohes Zukunftspotential haben. Jedenfalls halte ich es für unwahrscheinlich, dass diese Themen einfach vom Markt verschwinden werden.

Die Digitalisierung macht immer mehr Arbeitsplätze überflüssig – welche Chancen und Risiken sehen Sie für die Bankenbranche?


Automatisierbare Bankaufgaben, die heute noch von Menschen erledigt werden, werden zunehmend automatisiert, daran besteht kein Zweifel. Banken, die hier eine Vorreiterrolle einnehmen, werden davon profitieren. Die Mitarbeiter werden letztlich auch profitieren, da ihnen repetitive, vielleicht gar langweilige Arbeiten abgenommen werden und sie mehr Zeit bekommen, sich mit wichtigen Fragestellungen in ihrem Spezialgebiet zu beschäftigen. Arbeitsplätze in Banken werden dadurch nicht zwangsweise verloren gehen, jedoch das Anforderungsprofil an Mitarbeiter wird sich verschieben und zwar in Richtung Business- Analysten und IT-Spezialisten.

Auf welchen Bereichen liegt dieses Jahr der Fokus Ihrer Arbeit?

Wir haben im letzten Jahr einige Digitalisierungs-Initiativen gestartet, die heuer finalisiert werden. Mitte April starten wir mit einer neuen benutzerfreundlicheren Webpage, die interessante Features für jeden interessierten Anleger enthalten wird. Als führender Zertifikate-Anbieter in Österreich und CEE werden wir uns noch stärker auf risikoarme Anlageprodukte konzentrieren, die zwischen Sparbuch und Aktien angesiedelt sind. Wir wollen damit ein noch breiteres Anlegerpublikum erreichen, insbesondere alljene, die aus Risikoüberlegungen nicht direkt in Aktien investieren möchten, aber dennoch höhere Renditen als am Sparbuch erwarten. Für diese breite Kundenbasis möchten wir den Zugang zu unseren Anlageprodukten möglichst einfach und barrierefrei gestalten. Dazu gehört viel Kreativität und ein agiles Vorgehen bei unseren digitalen Innovationen. Besonders spannend und herausfordernd ist es, diese digitalen „einfachen“ Lösungen an der Kundenfront auch durch kluge Automatisierungsschritte in den internen Abläufen zu begleiten.

Ein weiterer Schwerpunkt des heurigen Jahres ist die Erweiterung unseres Kundenfokus in den südosteuropäischen Bereich. Ich darf hier ein Kooperationsprojekt mit unserer Schwesterbank in Rumänien begleiten, welches für uns einerseits sehr komplex ist, andererseits aber auch sehr lohnend sein kann.
 Nicht zuletzt werde ich mich mit meinem Team wie schon bisher darauf konzentrieren, für unsere Kollegen an der Sales-Front die optimalen Bedingungen und Prozesse bereitzustellen, damit deren Akquisitionsstärke und Kundennähe voll zur Geltung kommen kann.

Sie sind nun seit etwas mehr als zwei Jahren im Vorstand der RCB – Ihr bisheriges Resümee?

Die Bank versucht, in all ihren Geschäftsbereichen eine führende Position in Österreich bzw. Osteuropa einzunehmen. Das gelingt jetzt schon immer öfter, aber wir wollen natürlich noch besser werden. Wir haben ein ausgezeichnetes Produktportfolio und ein junges und erfolgsorientiertes Team mit hohem Innovationsanspruch. Ein in so hohem Ausmaß für den

gemeinsamen Erfolg verschworenes und engagiertes Team an Topleuten auf allen Ebenen begegnet einem nicht so oft im Leben glaube ich Mein Resümee: Eine sehr coole Bank. Ich schätze mich glücklich, mit meinen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam die Zukunft der RCB als Teil der RBI Group gestalten zu dürfen.

Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?

Vorausschauende, über den nächsten Wahltag hinausgedachte Wirtschaftspolitik. Ein Umfeld, das die Österreicher endlich animiert, stärker in den Kapitalmarkt zu investieren, sei es durch steuerliche Anreize oder durch positive Meinungsbildung. Die Aufsichtskosten massiv zu senken gehört auch fix zu meinen Top 3 Wünschen. Mehr Impulse für eine eingehende Finanzbildung von Jung und Alt unter Zuhilfenahme von Experten aus der Praxis. Top- Stellung innerhalb der EU bezüglich Förderung von Innovation. Die vielbesprochene Proportionalität diverser Regularien für kleinere Institute in den Bereichen umzusetzen, die uns viel Arbeit machen und keinerlei Mehrwert bringen.

Foto: Raiffeisen Centrobank