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Dr. Susanne Höllinger, Kathrein Bank AG: Frauen sind nicht beratungs-resistent

Dr. Susanne Höllinger ist Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank. Die zweifache Mutter ist der beste Beweis dafür, dass eine eindrucksvolle Karriere auch mit Kindern möglich ist. Ihr Erfolgsrezept: Freude an der Arbeit und eine gute Organisation.

Frau Dr. Höllinger, was zeichnet eine gute Managerin aus?

Die Kombination von so vielen ganz unterschiedlichen Eigenschaften. Das Jobprofil im Private Banking braucht Zahlenaffinität und Kommunikationsstärke, Empathie und Konsequenz, Analytik und Kreativität. Internationalität und starken lokalen Bezug. Nicht jeden Tag gelingt diese Kombination zu 100%. Daher ist ein gutes Team so wichtig, um die jeweiligen Stärken und Schwächen zum perfekten Ganzen zusammenzufügen. Ist dieses Team auch noch gut ausbalanciert im Sinne von Diversity kann das gewünschte Ergebnis erzielt werden.

Ein Blick zurück: Was waren Ihre Aufgabengebiete vor zehn Jahren. Hätten Sie sich damals vorstellen können, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank zu werden?

Das Aufgabengebiet war etwas operativer als heute und der strategische Fokus in einem etwas geringeren Rahmen. Aber, ja: Ja, ich habe mir damals schon vorgestellt, einmal eine Privatbank zu leiten. 

Was hat sich in der Zeitspanne der vergangenen zehn Jahre bis heute in Ihrem Business besonders gravierend verändert?

Drastische Veränderungen durch die Finanzkrise ab 2008. Im Kundenverhalten, im Regulatorium, in der strategischen Ausrichtung von Banken, auch das Berufsbild des Bankers hat sich verändert. Mehr Mitarbeiter in Risiko, IT und Compliance und weniger Mitarbeiter in der Face-to-face-Kundenbetreuung.

Sie sind Mutter von zwei Kindern, welche Tipps geben Sie ihnen für den Berufsweg?

Ordentlich loslegen, nicht einschüchtern lassen und die eigenen Stärken und Interessen leben und auch zeigen. Es gibt keine Limits außer jene, die wir uns selbst setzen. Alle fremden Erwartungshaltungen entrümpeln und unseren beruflichen und privaten Traum finden und leben. Dann kann man etwas bewegen.

Ist Geld für eine Bankerin auch privat ein dominantes Thema?

Nein – aber die Grundsätze, die wir unseren Kunden mitgeben, habe ich auch privat in Fleisch und Blut. Vorsorgen – Risikostreuen – mindestens 1 x pro Jahr eine Bilanz ziehen und überprüfen, ob die Finanzen gut geregelt sind.

Ihr Job hat eine hohe Arbeitsbelastung, wo tanken Sie Kraft?

Wenn ich nach Hause kommen. Ich wohne außerhalb von Wien. Familie, Haus und Garten sind sicherlich meine Topausgleichsfaktoren. Daneben praktiziere ich Yoga und Fitnesstraining, das unterstützt mich dabei, sportlich und mental ausgeglichen zu sein. Etwas selbst anzubauen und dann auch zu diversen Köstlichkeiten zu verarbeiten, ist mein größtes Hobby – ich gartel und koche sehr gern. Das ist für mich der absolute Ausgleich zur Finanzwelt – da arbeite ich vorrangig mit den Händen und bin mit der Natur verbunden.

Außerdem glaube ich, dass man, wenn man berufstätig und Mutter ist, von der Natur der Sache her schon toporganisiert ist. Diese Organisation zieht sich zu Hause und im Beruf wie ein roter Faden durch mein Leben. Wenn man eine Familie mit Kindern, Haustieren, Eltern und Großeltern schafft, schafft man alles andere auch. Ob man das Gesamtpaket aber als negativ stressig empfindet, liegt sicher daran, welche Freude man an der Aufgabe hat, wie gut man organisiert ist und wie achtsam man mit seinen persönlichen Ressourcen umgeht. Dass ich mit der Fülle der Herausforderungen gut umgehen kann, liegt daran, dass ich beruflich und privat mit großer Leidenschaft bei der Sache bin und mich nicht nur vom Lob von anderen abhängig mache. Ich kann auch sehr zufrieden mit mir sein.

Welche Kompetenzen sind unbedingt nötig, um in Ihrer Branche Karriere zu machen?

Gute Ausbildung, große Einsatzbereitschaft, Wille zur Dienstleistung, Mut und Überschreiten von Konventionen.

Wie schwer ist es als Frau, sich in einem männlich geprägten Umfeld zu behaupten? 

Es muss eigentlich egal sein, ob Männer oder Frauen an der Spitze eines Unternehmens sind. Prinzipiell sollte nur die fachliche Qualifikation zählen. Gerade Spitzenjobs verlangen aber auch sehr viel persönlichen Einsatz und die Notwendigkeit, sich selbst stark einzubringen. Männer sind oft präsenter in der aktuellen Jobrolle und bieten sich auch selbst für den nächsten Job auf der Karriereleiter an. Frauen zögern leider immer noch zu lange, bis sie zugreifen, und hinterfragen x-mal mehr, ob sie denn tatsächlich geeignet sind und ob sich alles zeitlich ausgeht.

Im laufenden Geschäft macht der Geschlechterunterschied in meinen Augen keinen Unterschied. Jeder wird gleich viel gefordert und so soll es auch sein. Mixed Teams sind jedoch nachweislich effizienter und glücklicher.

Im Spitzenmanagement ist Mut, Kampfgeist und große Belastung natürlich ein Thema und niemand sagt, dass ein Topjob immer ein Honiglecken ist. Hier stehen die vielen sonstigen Aufgaben, die meist noch immer in der Mehrheit von Frauen übernommen werden, oft im Wege. Kinder, Eltern, Haushalt, Familienorganisation etc. werden neben dem Erwerbsjob zum Wohle aller erledigt. Männer spielen sich da oft frei. Wäre diese Arbeit besser verteilt, stünden hier die Chancen 1:1.

Es hat sich jedoch gezeigt, dass eine gute Mischung von Männern und Frauen, vor allem auch in entscheidenden Positionen, eine große Bedeutung hat. Mich wundert wirklich, dass so viele Unternehmen auf Diversität verzichten. Das könnte ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. 

Was schätzen Sie mehr: Diplomatie oder den direkten Weg?

Innerhalb des Unternehmens meist den direkten Weg, mit Kunden und Geschäftspartnern ist Diplomatie angesagt.

Sie sind ja schon einige Zeit in der Branche. Was würden Sie sofort ändern?

Die Kommunikation über die Notwendigkeit von Banken im Wirtschaftskreislauf in der Öffentlichkeit  verbessern.

Wie reagiert die Kathrein Privatbank auf die ständig im Wandel ­begriffene digitale Herausforderung (Stichworte: Datenschutz, ­Funktionalität der IT)?

Die von Kathrein bereits angebotenen digitalen Dienstleistungen reichen derzeit vom Online-Zahlungsverkehr über die Portfolioanalyse bis zum realtime Status SMS, in dem Kunden über den Status ihrer Order an der Börse informiert werden. Kathrein wird sich auch in Zukunft daran orientieren, seine Kernkompetenzen durch digitale Dienstleistungen zum Nutzen der Kunden zu verstärken und auszubauen. Kooperation mit FinTecs und Trend Scouts, die interessante Anwendungen und Erkenntnisse bieten, sind dabei ebenso wichtig wie Investitionen in leistungsstarke IT Soft- und Hardware. Insgesamt wird die fortschreitende Digitalisierung unser Geschäftsmodell sinnvoll ergänzen, in manchen Bereich auch wesentlich verändern.

Wird es in zehn Jahren noch Bargeld geben?

Ja.

Was lieben Sie an Ihrem Job?

Er ist abwechslungsreich, ich habe mit Menschen zu tun. Er ist intellektuell anspruchsvoll und ich kann viel bewegen.

Ihre Ziele für die kommenden zehn Jahre?

Jedenfalls in den nächsten 5 Jahren die Kathrein Privatbank führen.

Was schätzen Sie an Austrian Business Woman?

Eine sehr interessante Vielfalt an Berichten von und über Frauen, die für mich als Inspiration, Motivation und Role Model dienen. Es hilft einfach zu lesen, wie andere Frauen Dinge beurteilen, anpacken, abraten etc. Das Schöne an Frauen ist, sie sind meist nicht beratungsresistent. Das ist unser entscheidender Vorteil – wir lernen gerne auch von anderen.  

Foto: Kathrein Privatbank