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Mag. Dr. Ursula Schöberl: "Ich bin fasziniert vom molekularen Leben"

Als sie den Studienplan für Molekularbiologie sah, war sie sofort begeistert. Rasch tauchte sie ein in die faszinierende Welt des molekularen Lebens und vertiefte ihr Wissen. Als Post-Doc haben es ihr heute vor allem RNA-Moleküle und ihre Vielfältigkeit angetan. Ein ABW-Interview mit Mag. Dr. Ursula Schöberl, Molekularbiologin am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP).

In welchen Bereichen forschen Sie?

Ich arbeite als Molekularbiologin in der Grundlagenforschung. Mein Spezialgebiet ist es zu erforschen, welche Rolle die RNA, die als exakte Kopie von verschiedenen Abschnitten der DNA hergestellt wird, in Zellen spielt. Ich untersuche wie und wozu der, in jeder Zelle gespeicherte, genetische Code verwendet wird. 

In meinem aktuellen Projekt erforsche ich, wie RNA dazu beiträgt, Mutationen von DNA in B-Zellen unseres Immunsystems zu regulieren. B-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die Antikörper herstellen. Antikörper müssen Antigene, zum Beispiel von Viren oder Bakterien, gut binden können. Die Bindungseigenschaften werden durch DNA-Mutationen in den Antikörpergenen verändert. Dieser Vorgang heißt Antikörperreifung und ist essentiell um eine effiziente Immunantwort sicher zu stellen. Mutationen in Antikörpergenen sind also gut, während sie in anderen DNA-Abschnitten oft schädlich sind. Mich interessiert, welche molekularen Mechanismen dahinterstecken und welchen Beitrag die RNA-Herstellung leistet um viele Mutationen an der richtigen Stelle, also in den Antikörpergenen, zu gewährleisten. 

Ich bin dazu als Post-Doc am IMP in Wien tätig, meine Arbeit ist projektfinanziert durch ein Hertha Firnberg Stipendium des FWF und L’OREAL for Women in Science Austria. Zusätzlich lehre ich an der Universität Wien. Ich engagiere mich in der Wissenschaftsvermittlung, z.B. durch Vorträge für alle Altersklassen und gestalte Schul- und Kinderkurse u.a. unter dem Motto „Zoom ins Leben – Was können Zellen?“.

Haben Sie sich schon immer für Chemie interessiert?

Mein Interesse erwachte im ersten Semester im Studium. Ich war immer schon an sehr vielen Dingen interessiert und wollte etwas Internationales studieren. Ich hatte mich für internationale BWL entschieden. Dann fiel mir der Studienplan für Molekularbiologie an der Universität Wien in die Hände und ich war sofort begeistert. Mehr und mehr tauchte ich in die faszinierende Welt des molekularen Lebens ein. Heute arbeite ich genau dort, wo ich mich wohlfühle: in einem internationalen Umfeld mit der Arbeitssprache Englisch, ich erforsche das Leben und mache gleichzeitig Projektmanagement.

Welche Aspekte der Ausbildung sind besonders wichtig?

Es gibt viele Möglichkeiten die Themen Biologie und Chemie im Studium zu vertiefen. Ich persönlich bin überzeugt, dass darauf geachtet werden sollte, dass das Studium viele praktische Kurse beinhaltet. Als Lehrende im Praktikum versuche ich immer, neben grundlegenden Arbeitstechniken vor allem die Motivation zum konzentrierten und engagierten Arbeiten und die Faszination für die Molekularbiologie zu vermitteln.

Was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit?

Sie ist vielfältig und herausfordernd. Ich kann denken und Fragen stellen, soviel ich will.

Viel Arbeit, die aber Spaß macht; flexible Zeiteinteilung; selbstständiges Arbeiten; Teamarbeit. Kritisches Hinterfragen und Prüfen von Modellen und Zusammenhängen; experimentelles Arbeiten und Datenanalyse am Computer; Präsentation bei Vorträgen, auch auf internationalen Konferenzen.

Als Molekularbiologin erfolgreich ist man durch…

Neugier, Wissensdrang und Beharrlichkeit, man könnte es auch „stetiges Suchen mit hoher Stresstoleranz“ nennen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Engagierte, motivierte Wissenschaftlerin mit Familie zu sein. Nicht engstirnig zu sein, sondern offen für Unerwartetes und Neues, und darauf dann aufzubauen. Zum Beispiel während meiner Doktorarbeit konnte ich eine Hypothese, die schon zehn Jahre lang bestand, widerlegen und den zellulären Mechanismus neu erklären. Dadurch eröffneten sich neue Fragen und Forschungsrichtungen. Das war toll!

Was würden Sie nachträglich gerne ändern?

Mir gefällt eigentlich, was ich bisher gemacht habe. Aber prinzipiell bin ich immer offen für Neues, und könnte mir gut vorstellen, meine Fähigkeiten bald wieder in einem neuen Umfeld einzusetzen. Ich habe auch viel über Projektstruktur und -planung dazu gelernt. Dieses Wissen setze ich jetzt viel besser ein als früher.

Wie kann man jungen Frauen Lust auf Forschung machen?

Hinausgehen und erzählen! Wer begeistert ist, kann alles schaffen. Sobald ich z.B. weiß, dass alle lebenden und wachsenden Arten auf der Erde auf DNA basieren, die sich täglich ein bisschen verändert, was gut oder schlecht sein kann, bin ich schon fasziniert und möchte verstehen, was dahintersteckt oder wie das genützt werden kann.

Ihr Tipp an Frauen, die sich für Wissenschaft und Forschung interessieren?

Einfach probieren und sich vom Esprit mitreißen lassen.

 

Foto: IMP

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