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DI Elena Just-Moczygemba, Holding Graz: Ich will die Stadt lebenswerter machen

DI Elena Just-Moczygemba entwickelt für die Holding Graz – Kommunale Dienstleistungs GmbH neue Geschäftsmodelle. Ihre Aufgaben beziehen sich auf die Konzeption und Umsetzung von Forschungsprojekten bis zur Begleitung der Pilotumsetzung. In ABW spricht die Mobilitätsexpertin über ihre größten Erfolge, Durchhaltevermögen und tim-Fahrzeuge.

Was ist für Ihren Beruf besonders wichtig?
Es braucht sehr viel Kreativität, Durchhaltevermögen und Verhandlungsgeschick. Es ist wichtig, gerne mit Menschen und mit Daten zu arbeiten, strukturiert zu denken und mit viel Herzblut an die Sache heranzugehen. Das Feuer in mir muss für eine Sache so lodern, dass ich andere anstecken und überzeugen kann. Ich habe zum Beispiel federführend die tim-Mobilitätsknoten in Graz entwickelt und durfte auch die Umsetzung als Teil der Projektleitung steuern. Als wir begannen, hatte niemand eine Ahnung was genau passieren sollte, was so ein Mobilitätsknoten bringen sollte. Meine Aufgabe war es, eine Sehnsucht zu wecken. In diesem Fall die Sehnsucht, ohne eigenen PKW in Graz ganz einfach mobil sein zu können. Weg von den hohen Autokosten, den Reparatur- und Servicefahrten, hin zu einer Mobilität, die man genießen kann. Einfach ein Auto buchen und wegfahren. Um den Rest kümmert sich das Team der Holding Graz. Es gibt da den schönen Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Aufgaben einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Wenn frau das schafft, dann hat sie gewonnen.

Wollten Sie schon immer in Technik oder Forschung tätig sein?

Die Naturwissenschaft faszinierte ich mich schon als Kind. Beobachtung war eine meiner Stärken. Mein Interesse für Chemie entstand im Gymnasium. Ich fand es einfach spannend zu ergründen, woraus die Welt besteht und ich wollte verstehen, wie sie funktioniert. Neugierde war schon immer eine große Triebkraft in meiner persönlichen Entwicklung. Wesentlich war aber sicher, dass ich in eine reine Mädchenschule ging und sich dadurch keine Jungs „vordrängten“ bei den Versuchen. Ich konnte mich selbst ausprobieren. Für das Studium an der Technischen Universität habe ich mich aus rein wirtschaftlichen Gründen entschieden. Schon damals hatte frau mit einem technischen Studienabschluss bessere Verdienstchancen.

Wie zufrieden sind sie mit dem Ausbildungsangebot?
Wir haben viele und sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich. Bei den technischen Studien habe ich manchmal das Gefühl, dass noch mehr Wert auf soziale Kompetenzen gelegt werden könnte. Weiterbringen würde uns ein richtig cooles Forschungsfach in der Oberstufe. 

Worauf legen Sie bei der Arbeit wert?
Meine Arbeitsweise ist sehr kreativ, nach außen hin manchmal chaotisch, aber in Wahrheit sehr strukturiert. Mir ist es sehr wichtig eine gute Beziehungsebene zu meinen Projektkollegen und -kolleginnen bzw. Partnern und Partnerinnen aufzubauen und möglichst offen und ehrlich zu agieren. Wenn aus einer Idee ein Konzept, ein Antrag, ein Plan und ein Pilot geworden ist, ziehe ich weiter und kümmere mich um die nächste Idee.

Was schätzen Sie an Ihrem Job?
Ich liebe meine Tätigkeit, weil sie sehr abwechslungsreich ist und ich die Stadt ein wenig mitgestalten kann. Ich hoffe, dass meine Arbeit mithilft, Graz lebenswerter zu machen und auch ein wenig sozialen Ausgleich zu schaffen. 
Spannend ist auch, immer wieder mit neuen Menschen zusammenzuarbeiten und mich in unterschiedliche Themen einzuarbeiten.

Ihre bisher größten Erfolge?

Neben meinen beiden wunderbaren Kindern bin ich natürlich auf meine Auszeichnung als Femtech-Expertin für Elektromobilität, den Staatspreis für Mobilität für das von mir entwickelte tim System oder meine Nominierung für den Umweltpreis als Frau in der Umwelttechnik stolz. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich ein tim Auto an mir vorbeifahren sehe. Persönlich bin ich aber sehr stolz darauf, dass ich durchgehalten habe auch wenn es mal schwer war. Und ich bin unheimlich stolz darauf, dass ich Beruf und Familie unter einen Hut bringe. Das sehen wir Frauen viel zu oft als ganz normal an. 

Was würden Sie heute anders machen als zu Beginn Ihrer Karriere?

Alles und gleichzeitig nichts. Rückblickend auf viele Jahre Ausbildung und Beruf, wären einige andere Entscheidungen oft vernünftiger gewesen. Ich glaube dennoch immer die für mich richtigen getroffen zu haben, weil jeder einzelne Schritt mich dorthin geführt hat, wo ich heute bin. 

Ein anderes Diplomfach als Physikalische Chemie wäre wahrscheinlich rückblickend vernünftiger gewesen, aber trotzdem war Physikalische Chemie das Fachgebiet, das mich damals am meisten interessiert hat. Ich glaube, dass es manchmal für die persönliche Entwicklung einfach auch wichtig ist, Umwege zu gehen, um gestärkt daraus hervorzugehen.

Wie begeistert man junge Frauen für Technik und Forschung?

Die Begeisterung sollte aus meiner Sicht möglichst früh beginnen. Im besten Fall schon im Kleinkindalter. Der Schlüssel liegt im Ausprobieren. Mädchen und Frauen sollten sich in einem geschützten Rahmen an Technik und Forschen erproben können. Ein geschützter Rahmen besteht hierbei aus meiner Sicht aus reinen Mädchengruppen mit einer weiblichen Anleitung in einem gut vorbereiteten Umfeld. Technik und Forschung kann so viel Spaß machen, bringt unendliche Aha-Effekte und Erkenntnisse. Wir müssen uns nur die kindliche Neugierde erhalten und den Spaß nicht zu kurz kommen lassen. Dann kann es gelingen. Weg vom Leistungsgedanken im Sinne der reinen Ergebnisorientierung. Weg vom Fehlerkult. Hin zum Ausprobieren und Entdecken.

Was empfehlen Sie den Nachwuchsforscherinnen?
Go for it! Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich. Such dir Unterstützer und Unterstützerinnen und nutze jedes Frauenförderprogramm, das es gibt.

Foto: Archiv

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